Reihenhaus-Streit Berufstrompeter und Nachbar gehen bis in letzte Instanz

Zwei Reihenhaus-Nachbarn in Augsburg streiten sich seit Jahren: Der eine ist Berufsmusiker und will Trompete üben, der andere seine Ruhe haben. Jetzt soll der Bundesgerichtshof entscheiden.

Reihenhäuser (Symbolbild)
AP

Reihenhäuser (Symbolbild)


Ein Berufstrompeter will zu Hause seine Stücke proben und zudem zwei Stunden pro Woche Musikunterricht geben, die Nachbarn fordern jedoch Ruhe ein. Wie einigt man sich da? Der Streit ist so festgefahren, dass ihn die obersten Zivilrichter am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe lösen müssen. Dort sind nun beide Seiten aufeinandergetroffen.

"95 Dezibel hat eine Trompete, das ist wie ein Presslufthammer", sagte der Anwalt der genervten Nachbarn, Siegfried Mennemeyer. Seine Mandanten leben im Reihenhaus, direkt neben dem Trompeter. Sie fordern, der Mann solle seine Wände besser dämmen. "Wir wollen einfach, dass es leise ist", sagte der Anwalt. Jemand, der vom Trompetespielen lebe, könne außerdem Geld für einen Proberaum zahlen.

Der Trompeter arbeitet beim Staatstheater Augsburg. Dass sein Mandant Berufsmusiker sei, tue nichts zur Sache, hielt dessen Anwalt, Volkert Vorwerk, den Nachbarn entgegen. Es gehe einfach ums häusliche Musizieren. Wer in einem älteren Reihenhaus ohne Trennwände und modernen Schallschutz wohne, müsse mit höherer Lärmbelastung leben.

Landgericht genehmigte nur zehn Stunden pro Woche

Die Nachbarn hatten vor dem Landgericht bereits erreicht, dass dem Musiker Auflagen erteilt wurden: Daheim Schüler unterrichten darf der Mann nicht mehr. Von seltenen Ausnahmen abgesehen darf er auch nur noch werktags zu bestimmten Zeiten in einem Übungsraum unter dem Dach spielen - insgesamt nicht mehr als zehn Stunden die Woche. Zu dieser Regelung äußerte sich die Vorsitzende BGH-Richterin bereits skeptisch.

"Das scheint uns deutlich zu streng zu sein", sagte Christina Stresemann. Der Musiker könne aber auch nicht ständig spielen. Die Richterin machte klar, dass beide Seiten zu ihrem Recht kommen müssten. "Es gilt natürlich nicht das Alles-oder-nichts-Prinzip." Mit der jetzigen Regelung dürfe der Musiker seine Trompete nicht einmal bei einer Familienfeier im Wohnzimmer spielen.

Trompete (Symbolbild)
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Trompete (Symbolbild)

Der Senat sieht auch kritisch, dass das Landgericht den heimischen Musikunterricht komplett verboten hat. Vielleicht würden dabei mehr Tonleitern geübt und häufiger falsche Töne getroffen, sagte Stresemann. Dem sei aber mit zeitlichen Einschränkungen zu begegnen. Den Nachbarn stört allerdings auch die Profimusik.

"Das ist kein Trompetenspiel, sondern ständiges Üben von Sequenzen - stundenlang", sagte der Nachbar. Radiohören und Fernsehen sei in normaler Lautstärke nicht mehr möglich. Sein Sohn arbeite außerdem nachts als Gleisbauer und müsse tagsüber schlafen.

Diese Tatsache dürfte für die Richter aber kaum den Ausschlag geben. Man könne immer nur auf die üblichen Ruhezeiten abstellen, sagte Stresemann. Sonst dürften Nachbarn eines Schichtarbeiters am Tag gar nichts mehr. Das Urteil wird am 26. Oktober verkündet. (Az. V ZR 143/17)

"Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme"

1998 hatte der BGH entschieden, dass eine Ruhezeit von 20 bis 8 und von 12 bis 14 Uhr "ausreichend Freiräume zum Musizieren" lasse. Maßgebend seien die "tatsächlichen Gegebenheiten". Es kommt demnach etwa darauf an, wie hellhörig das Gebäude ist, wie laut die Umgebung und welche Art von Musik gemacht wird. Auch wenn es - wie im Augsburger Fall im eigenen Reihenhaus - keine Vorgaben gibt: "Es gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Zwei bis drei Stunden Musik am Tag sind Nachbarn normalerweise zuzumuten. Gerichte haben einzelnen Spielern aber auch schon strengere Auflagen gemacht, zum Beispiel maximal eineinhalb Stunden für ein Akkordeon.

Beschränkungen der Lautstärke durch die Hausordnung darf es laut BGH nur bei "nicht mehr hinnehmbaren Störungen" wie Schlagzeugübungen oder Bandproben geben. Der Konzertpianist genießt gegenüber dem Anfänger keine Privilegien. Einzelne Profis haben vor Gericht allerdings schon sehr lange Spielzeiten durchgesetzt.

fok/dpa



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Seite 1
markus.w77 28.09.2018
1.
Lärm im allgemeinen ist eine starke Beschneidung von Lebenqualität. Ich wäre auch dafür im Verkehr eine drastische Bestrafung der Protzer Karren einzuführen. Einer röhrt, alle störts. Dem Musiker muss zuzumuten sein, an der Arbeitsstelle zu proben. Im Eigenheim nur, wenn es Nachbarn nicht stört. Ähnlich der Windkraftanlagen, eine Entfernung zu bewohntem Gebiet einführen bei Dauerlärm
Immanuel K. 28.09.2018
2. Ich habe...
...mal vor 40 Jahren mit einem (später) bekannten Trompeter in einem Mehr-WG-Haus gewohnt - von dem wusste ich bis zu einer Hausparty gar nicht, dass er Trompete spielt... Er hatte sich einen großen Bauernschrank mit Matrazen ausgekleidet, sich hinein gesetzt und dann geübt...
NuAber 28.09.2018
3. Leichte Problemlösung möglich
Für genau dieses Problem - Musiker möchte üben, Nachbarn möchten Ruhe- gibt es spezielle Schallschutzkabinen. Nachdem ich jahrelang Ärger mit Nachbarn hatte bzw. die mit mir hatten, habe ich eine gebrauchte Schallschutzkabine gekauft. Seitdem kann ich rund um die Uhr solange ich möchte üben. Warum ein Profimusiker diese Ausgabe scheut, verstehe ich nicht. Kabine siehe beispielsweise: https://www.ebay.de/itm/Gesangskabine-vocal-booth-Raum-in-Raum-System-sehr-hohe-Schalldammung/192654588524?hash=item2cdb1bba6c:g:ZUYAAOSwwKNbIs87
mittekwilli 28.09.2018
4. Ja das kenne ich in Kombi mit einer WG auf der anderen Seite
Als Schichtarbeiter würde ich mich Berenten lassen. Die sogenannten Tonhalteübungen und Quinten, die das Trompeteüben mit sich bringen, lassen kein anderes Leben nebenan zu. Es gibt ja auch Schalldämpfer, nur die sind einem Musiker nicht zuzumuten, man hört nicht so gut und die Puste geht schneller aus. Wer in Zusammenhang mit Trompetenüber von Musik redet, weiß nicht wovon er redet.
mojo2xs 28.09.2018
5. Gegenseitige Rücksichtnahme
Eigentlich gebe ich dem Trompeter recht das er spielen darf. Denke aber des es schon technische Mittel gibt ohne zuviel lärm zu proben und als Mensch der mit seinen Mitmenschen ein gutes verhältniss haben will sollte solche auch anwenden. Wie wäre es mit einer STUDIOBOX Schallkabine oder einen Musiciancoat ;-) Kann ja Nachbarschaftlich finanziert werden. Haben alle was davon. Festgefahrener Streit in dem es nicht mehr um die Sache sondern ums gewinnen geht.
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