SAP-Chef McDermott "Mein Unfall hat mein Leben besser gemacht"

SAP-Chef Bill McDermott hat nach einem tragischen Sturz sein linkes Auge verloren. Zwei Jahre nach dem Unfall erzählt er, wie sich sein Leben seither verändert hat - und wieso er jetzt glücklicher ist als zuvor.

Verlor Auge bei Unfall: SAP-Chef McDermott
AFP

Verlor Auge bei Unfall: SAP-Chef McDermott


SAP-Chef Bill McDermott geriet zuletzt vor allem wegen seines großzügigen Jahresgehalts in die Schlagzeilen: Die Einkünfte des Amerikaners in Diensten des Softwarekonzerns aus dem baden-württembergischen Walldorf hatten sich im vergangenen Jahr etwa verdreifacht und waren mit 14 Millionen Euro so hoch wie bei keinem anderen Chef eines Dax-Konzerns.

In einem Interview des US-Sender CNBC rückte nun ein anderes, sehr persönliches Thema des Managers in den Fokus: Sein Unfall vor zwei Jahren, bei dem er ein Auge verlor, und wie sich dieses Ereignis auf sein Leben ausgewirkt hat.

Glaubt man McDermott, dann war jener fatale Treppensturz im Jahr 2015 rückblickend beinahe ein Glücksfall. "Mein Unfall hat mein Leben besser gemacht", sagt McDermott im Gespräch mit CNBC. "Ich bin der lebende Beweis dafür, dass eine Vision nicht nur das ist, was man tatsächlich sieht. Mein Unfall hat mir so viel Kraft gegeben, so viel Entschlossenheit und so viel Leidenschaft."

McDermott war im Juli 2015 im Haus seines Bruders in den USA mitten in der Nacht mit einem Wasserglas in der Hand eine Treppe hinuntergestürzt und mit dem Gesicht in die Scherben gefallen. Eine bohrte sich in sein linkes Auge, er verlor vorübergehend das Bewusstsein.

"Ich kam mit Blaulicht ins Krankenhaus. Die Ärzte schafften es zwar in einer langen Operation, mein Auge zu retten. Später kam es aber zu einer Infektion und letztlich mussten sie das Auge entfernen", erzählte McDermott später.

"Diesen Kampf habe ich verloren, aber einen viel größeren gewonnen"

Gegenüber CNBC rekapitulierte er nun noch einmal die Ereignisse. Nachdem er wieder zu Bewusstsein gekommen sei, sei es ihm gelungen, auf die Straße zu gelangen und Hilfe zu rufen, und dass, obwohl er wegen des blutenden Auges kaum etwas sehen konnte. "Ich erinnere mich noch daran, dass ich alleine war, niemand konnte mich hören", sagt er. "Also musst du einen Weg finden, hochzukommen, rauszukommen, damit klarzukommen. Aber wissen Sie, wenn Sie eine Glasscherbe im Auge haben, ist es ziemlich schwierig, es zu retten. Ich verlor zwar diesen Kampf, aber einen viel größeren habe ich gewonnen."

Mehr als neun Stunden kämpften die Ärzte in einer ersten Operation um McDermotts Auge. Bis alles überstanden war, folgten weitere elf oder zwölf Eingriffe, so der Manager. Im Herbst 2015 nahm er die Arbeit bei SAP wieder auf.

Gegenüber CNBC schildert McDermott nun auch, wie ihm diese Erfahrung geholfen hat, in hektischen Situationen die Ruhe zu bewahren. "Ich glaube, ich bringe meine beste Leistung unter Druck", sagt er. "Wenn sich die Dinge für alle anderen beschleunigen und hektisch werden, nehme ich sie viel langsamer wahr. Ich sehe die Ereignisse dann in Zeitlupe. " So könne er chaotische Zustände besser durchblicken und geeignete Lösungen finden.

Christoph Rottwilm/manager magazin

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sven2016 10.06.2017
1.
Gut, dass er wieder auf die Beine gekommen ist. Die allgemeinen Schlussfolgerungen hakte ich für übertrieben. Könnte es nicht sein, dass eine Auszeit für sechs Monate denselben Erkenntniseffekt hätte haben können? Der Unfall war möglicherweise nur der Anlass für eine Änderung im täglichen Ablauf - und bestimmt nicht erkenntnis-"notwendig".
argonaut-10 10.06.2017
2. Einerseits, andererseits
Ich freue mich, dass er alles so gut überstanden hat, die Geschichte ging ja um die Welt. Alles Gute weiterhin für ihn. Andererseits ist und bleibt der SAP Konzern der widerlichste Software Konzern dieses Planeten, selbst die fiesen Tricks von Microsoft aus der Vergangenheit verblassen da. Ein Software Unternehmen, das sich schamlos und erklärterweise an seinen Kunden bereichert, welches niemals das Kundeninteresse, sondern ausschließlich seine Gewinnmaximierung im Sinn hat. So werden beispielsweise niemals die besten Softwareentwickler eingesetzt, sondern immer die billigsten, damit möglichst viel Marge im Konzern verbleibt... der Kunde zahlt ja umso mehr, je länger etwas dauert. Er selbst führt gerade einen persönlichen Krieg mit Oracle, weil Larry behauptet hatte, dass seine Oracle besser sei als seine Hana Datenbank. Tatsächlich hat Larry Recht, nach objektiven Benchmarks bewertet. Das hält SAP aber nicht davon ab, alle Kunden auf die Hana zu verhaften und dies mit allen nur möglichen Tricks. Die Direktiven zu den teils perfiden Vorgehen gehen von Bill McDurmon selbst aus. Mag sein, dass sein persönliches Leben einen Zugewinn an Erkenntnis bekommen hat, auf der Arbeitsebene ist sein Vorgehen seit dem Unfall noch rücksichtsloser geworden. Den Kunden interessiert SAP nun überhaupt nicht mehr... fragen Sie mal rum bei SAP Kunden.
Lotus Driver 10.06.2017
3. Ja sicher
"Mitten und der Nacht" mit einem Glas "Wasser" eine Treppe hinuntergestürzt. Ist das noch Journalismus oder schon wieder Märchenstunde....?
w.weiter 10.06.2017
4. Ich freue mich für Herrn McDermott.
Schön dass er wieder auf die Beine gekommen ist. Ich wünsche mir er hält an der Belegschaft fest. "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Nur im Zusammenhalt mit anderen Menschen, und Fürsorge für andere Menschen kann der Mensch gedahn. Bill, you have to pay the bill.
freudentanz 11.06.2017
5. Mag ich mir garnicht vorstellen ...
... und offengestanden weiß ich gar nicht warum ich den Bericht gelesen habe. Man wird eben senil. Das er überhaupt noch den Konzern leitet muß man ihm schon anerkennen und das er sein Produkt besser darstellt als das der Konkurenz ist doch wohl das selbstverständlichste auf der Welt. Psersönlich geht mir SAP auch auf die Nerven aber wenn es die Firma eingekauft hat dann muss ich damit umgehen aber das sehr sehr wenig. Trotzdem: Hut ab vor dem Mann. Ich hätte mich nach so einem Unfall irgendwo an den Strand gelegt und die Welt hätte mir die Füße küssen können.
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