Kreativ wie Walt Disney So wird aus einem lauen Lüftchen ein Brainstorm

"Ja, dann macht mal" - so endet ein Brainstorming leicht in peinlichem Schweigen. Dabei helfen schon Kleinigkeiten, damit im Team die Ideen sprudeln. Walt Disney hatte eine ganz eigene Methode.

Erst Brainstorming, dann Geld zählen: Disney plante Dagobert Ducks Karriere
DPA

Erst Brainstorming, dann Geld zählen: Disney plante Dagobert Ducks Karriere


Blick in den Terminkalender eines Managers: Vormittags eine Telefonkonferenz, nach dem Essen eine Beratung mit dem Chef. Um 16 Uhr dann ein Meeting mit dem Team - Brainstorming. Es gibt ein Problem mit einem Kunden aus Übersee. Eine Lösung muss her. Schnell.

Und dann sitzen alle Mitarbeiter im verglasten Raum am runden Konferenztisch, blättern hilflos in dem Entwurf, starren auf die Zahlen. Schweigen. Es kommt einfach kein Geistesblitz.

Visionen entwickeln, Ziele feststecken und anschließend verwirklichen - nichts ist schwieriger, als auf Knopfdruck Ideen zu produzieren. Und mit der Zeit im Nacken fällt es doppelt schwer. Dabei gibt es viele Methoden, um kreativ zu werden. Filmproduzent Walt Disney etwa hat zum Beispiel für solche Momente ein eigenes Rollenspiel entwickelt. Er hat sein Team in drei Gruppen aufgeteilt: In Träumer, Realisten und Kritiker. Und die spielten dann folgendes Spiel:

  • Aufgabe der Träumer: Sie sind Ideenlieferanten, dürfen sich ohne Sinn und Verstand alles wünschen. Dabei ist es völlig egal, ob die Einfälle in der Praxis funktionieren. Sie dürfen zum Beispiel auch sagen: "Wir wollen das Geschäft unbedingt abschließen, auch wenn die Kennzahlen nicht stimmen." Zweifeln müssen dann andere.

  • Aufgabe der Realisten: Sie liefern die Zutaten für die Ideen, sagen, was sie zur Verwirklichung der Ideen brauchen. Zum Beispiel: "Wir müssen die Eigenkapitalquote erhöhen und die Einnahmen steigern."

  • Aufgabe der Kritiker: Sie mimen den Buhmann, nehmen die Träume auseinander, suchen Fehler und Risiken. Zum Beispiel: "Bei einem ähnlichen Vorgehen sind wir schon im vergangenen Jahr gescheitert."

So geht die Runde immer weiter: Die Träumer erklären, was bei diesem Projekt anders ist. Die Realisten sagen, wo der Mehrwert für den Kunden liegt. Die Kritiker glauben, dass der Kunde trotzdem nicht zahlen wird...

Ideen, Fakten, Kritik: Nach spätestens 60 Minuten hatte Walt Disney in der Regel einen Dreh aus einem Problem gefunden. Ein Grundstock für seinen Erfolg: Disney fand Figuren, die die Menschen liebten, machte sie berühmt und vermarktete sie: Donald Duck etwa brachte es in acht Jahrzehnten zum erfolgreichsten Tollpatsch seines Imperiums und sein geiziger Onkel Dagobert zur reichsten Ente des Universums.

Brainstorming wie bei Walt Disney? Klingt so einfach, sieht so lustig aus. Doch im Alltag ist es leider nicht wie in der Traumfabrik. Da scheitern Ideen oft schon an kleinen Dingen. Ganz gleich, ob Sie Disneys Modell probieren oder ein anderes - diese Regeln helfen gegen Frust beim Brainstorming:

Regel 1: Spielregeln aufstellen

Ideen sprudeln lassen, kreativ sein und offen sprechen: Das funktioniert nur, wenn sich Teilnehmer wohlfühlen und mit Respekt behandeln. "Es muss klar sein, dass jede Idee willkommen ist", sagt Business Coach Janne Klöpper aus Hannover. In Gruppen mit starken Hierarchien sollten feste Spielregeln gelten. Wichtig: Hören Sie gut zu und lassen Sie jeden ausreden. Ideen werden zunächst nicht bewertet. Kritik, ablehnende Gesten oder Lacher sind nicht erlaubt.

Regel 2: Aufwärmen

Ein Mitarbeiter hatte ein stressiges Telefonat, ein anderer kommt gehetzt von einem Kundentermin. Bevor das Brainstorming beginnt, sollten die Kollegen vom Arbeitsalltag abschalten. Kreativ-Coach Petra Hennrich aus Wien empfiehlt ein Warm-up, das den Kopf frei macht. Zum Beispiel mit einer Variation des Spiels Stadt-Land-Fluss. "Setzen Sie statt Länder, Städte und Flüsse zum Thema passende Kategorien und spielen Sie ein paar Runden", rät Hennrich. So komme man auf andere Gedanken. Hilfreich sei auch, beim Spielen zu stehen.

Regel 3: Hemmschwellen senken

Nicht immer herrscht in Gruppen eine vertrauliche Atmosphäre. Wenn die Teilnehmer sich nicht kennen oder der Vorgesetzte mit in der Runde sitzt, halten häufig Teilnehmer ihre Ideen zurück. Kommunikationscoach Frauke Nees empfiehlt, dass Mitarbeiter ihre Ideen zunächst im Stillen aufschreiben. Dafür hat jeder einige Minuten Zeit. Danach werden die Notizen eingesammelt und neu verteilt - jeder trägt die Ideen eines anderen vor. Einmal ausgesprochen, fällt es häufig leichter, auch außergewöhnliche Ideen vor dem ganzen Plenum zu präsentieren.

Regel 4: Pausen machen

Kopfblockade, Leerlauf, Nullrunde - Wenn die Ideen ins Stocken geraten, rät Petra Hennrich eine Zehn-Minuten-Pause zu machen. "Die besten Einfälle kommen meist erst in einer zweiten Brainstorming-Welle." Wichtig sei, die Pausen so zu gestalten, dass Teilnehmer sich dabei bewegen müssen. "Stellen Sie Getränke und Essen in einen anderen Raum oder schicken Sie die Teilnehmer auf einen kleinen Spaziergang. Bewegt sich der Körper, kommen häufig auch die Gedanken in Bewegung."

Regel 5: Den Prozess leiten

"So, dann macht mal" - so entstehen keine kreativen Gedanken. In der Regel brauchen Gruppen einen Moderator, der die Gruppe lenkt. Er soll wortstarke Teilnehmer bremsen und stille Kollegen ermutigen, erläutert Klöpper. Ein guter Moderator erkennt auch, wann Störungen auftreten. Etwa, wenn Vorschläge abgewertet oder gleich kritisiert werden. Hier muss er gezielt nachfragen, wo das Problem liegt. Möglicherweise steckt nur ein Missverständnis dahinter, wenn eine Gruppe über einen Vorschlag lacht.

Regel 6: Ehrgeiz wecken

Der eine gähnt, der andere schaut aus dem Fenster. Kreativer Schwung? Fehlanzeige. Um Arbeitnehmer in Gang zu bringen, sollte man die Uhr zunächst auf fünf Minuten stellen, empfiehlt Klöpper. Unter Zeitdruck sind die Teilnehmer offener und mutiger, sprudeln Ideen oft spontaner. Ein guter Ansporn ist auch ein Brainstorming-Duell. "Zwei Teams bilden sich innerhalb einer Gruppe und sammeln getrennt voneinander Ideen. Das weckt den sportlichen Ehrgeiz." Hinterher werden die Vorschläge verglichen.

sid/dpa



insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Frau K-spon 10.04.2015
1. Der Träumer sagt...
Wir wenden Disney bei uns auf Arbeit an und haben damit gute Erfahrungen gemacht und Ergebnisse erzielt. Einfach mal Ausprobieren!
Fackus, 10.04.2015
2. schade
da hatte ich einen Artikel über 'Kreativität' erwartet und was kommt: 'Business'-Geplapper. Ob nun irgendwelche Zahlen stimmen oder Kunden meckern - was hat das mit Kreativität zu tun? Entweder habens die Kerle zuvor vergeigt oder eben nicht. Kreativ sein heisst, etwas Neues hervorbringen, nicht alte Fehler geradebiegen - schon gar nicht in einem dieser sinnlosen 'meetings'.
MartinS. 10.04.2015
3. ...
Kreativität ist ja was feines - und ganz egal, ob man in einer Runde nach neuen Ansätzen sucht, oder ob jemand alleine im stillen Kämmerlein eine Idee ausgebrütet hat... der Moment kommt, in dem man sich mit irgendwem darüber unterhalten muss. Das ist dann wohl oder übel eines dieser "sinnlosen Meetings". Und bei jeder noch so tollen Idee wird man sich Gedanken darum machen müssen, ob das jetzt tatsächlich umsetzbar ist, ob der Teufel nicht im Detail liegt, und im Endeffekt ists sogar teurer/riskanter/schlechter als vorher... (diese blöden Zahlen halt, die dann doch nicht stimmen). Ihr Kommentar klingt nach der schönen verordneten Kreativität, die bloß ohne Kommunikation (Meetings mit Business-Geplapper) und Kennzahlen (Kosten/Lieferzeit/Qualitätsprobleme) auskommen soll... hat man ja schon so oft gehört - das ist doch alles nur Unfug. ...und so warteten sie, bis irgendwann vielleicht jemand eine tolle Idee hat, und sie schnell als Zweizeiler in einer Mail an irgendwen verschickt... und wunderbarerweise erntet man daraufhin von allen Seiten Lob und Anerkennung und binnen von zehn Tagen werden ein neues Produkt, verbesserte interne Abläufe, oder eine Umstellung der Fertigung aus dem Boden gestampft, weil jedermann sofort erkennt, wie toll doch die Idee ist.
08005 10.04.2015
4. Ideen sprudeln nicht nur im Team
Hoffentlichkeit bekommt Frau Dahlkamp keinen Ärger mit den Donaldisten. Mit Dagobert Duck hatten Walt Disney und seine Methoden nichts zu tun. Die reichste Ente der Welt wurde von einem Comickünstler ("der gute Künstler") im stillen Kämmerlein erfunden und entwickelt.
air plane 10.04.2015
5. Brainstorming
Neulich an dieser Stelle ganz andere Ansichten gelesen: Die besten Ideen kommen nicht aus dem Team (TEAM: Toll, Ein Anderer Macht's) heraus; der Starke ist sozusagen am mächtigsten allein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.