Büroalltag "Schön, dass Sie das ansprechen"

Tadeln ist unangenehm, für alle Beteiligten. Eine Rüge sagt nämlich manchmal mehr über den Kritiker aus als über den Kritisierten. Managementberater Rüdiger Klepsch verrät, wie Sie am besten auf Schelte vom Chef oder den Kollegen reagieren - und wann man sie einfach ignorieren darf.

Was haben Sie denn da gemacht? Wer gerügt wird, sollte sich seine Reaktion genau überlegen
Corbis

Was haben Sie denn da gemacht? Wer gerügt wird, sollte sich seine Reaktion genau überlegen


Kritik anzunehmen fällt oft schwer - und jeder von uns hat sich dabei schon einmal getroffen gefühlt. Ganz ehrlich: Niemand reißt sich darum, von anderen kritisiert zu werden. Der souveräne Umgang mit Kritik ist aber wichtig für unser seelisches Wohlbefinden, für den beruflichen Erfolg und für gute soziale Beziehungen.

Wirklich verletzt und gekränkt reagiert man dann auf Kritik, wenn sie ins Schwarze trifft: Wenn sie Fehler und Schwächen benennt, für die wir uns selbst ablehnen. Unsere Reaktion ist auch davon abhängig, wie Kritik vorgetragen wird.

Konstruktive Kritik, die wohlwollend geäußert wird und mit dem Ziel, uns zu unterstützen, lässt sich leicht annehmen. Und in einem solchen Fall ist es auch wichtig, das Gesagte wirken zu lassen. Dahinter steckt die Haltung: Wir sind dem anderen nicht gleichgültig. Durch solche Hinweise erhalten wir die Chance, blinde Flecken unserer Selbstwahrnehmung auszugleichen.

Wenn wir kritisiert werden, dann ist es wichtig, uns vor Augen zu halten, dass es sich um eine Meinung handelt. Der andere hat das Recht auf seine Sicht. Am Ende entscheiden Sie selbst, wie ernst sie das Gesagte nehmen. Destruktive Kritik tut nicht gut und verdient es nicht, berücksichtigt zu werden.

Je nach Situation kann es wichtig sein, gute von schlechter Kritik schnell zu unterscheiden. Immer dann, wenn Kritik

  • die gesamte Person infrage stellt,
  • unangemessen und übertrieben ist,
  • unsachlich und verletzend vorgetragen wird,
  • darauf angelegt ist, klein zu machen,

ist es wichtig, dass wir Strategien kennen, sie zu entkräften, ihre Wirkung abzupuffern oder zu neutralisieren. Die wichtigsten dieser Strategien:

1. Verzichten Sie darauf, sich zu verteidigen.

Das klingt zunächst paradox. Aber es ist nicht hilfreich, auf Kritik mit Ablehnung des Angreifers zu reagieren, etwa mit Gegenkritik oder Schmollen. Zumindest, wenn die Kritik unsachlich ist, ergibt es wenig Sinn, dagegen zu argumentieren. Sie vergeuden Energie, steigern sich hinein und erreichen Ihr Ziel doch nicht. Wahrnehmungen lassen sich nicht ausreden. Bitten Sie den Kritisierenden vielmehr, seine Kritik ausführlicher zu erläutern. Wichtig: Stellt sich dabei heraus, dass Sie tatsächlich im Unrecht sind, gestehen Sie Fehler unumwunden ein. Das ist ein Zeichen persönlicher Größe.

2. Schauen Sie sich Ihr Gegenüber genau an.

Welche Persönlichkeit und welche Wertvorstellungen hat er? Die Kritik sagt mehr über die Person des Kritikers aus als über Sie. Wollen Sie wirklich so sein wie er und sich verhalten, wie er es für richtig hält? Entscheiden Sie, ob Sie sich seine Kritik zu Herzen nehmen wollen. Wenn seine Meinung nicht wichtig für Sie ist und Sie dadurch keine Nachteile befürchten müssen, können Sie sich die Freiheit nehmen, sie einfach als seine unbedeutende Meinung stehen zu lassen.

3. Suchen Sie nach dem Motiv.

Welches Ziel könnte der Kritiker mit seiner unsachlichen Kritik verfolgen? Welchen Vorteil hat er davon, Sie abzuwerten? Will er seinen Ärger loswerden, sich machtvoll und kompetent fühlen? Oder will er sich nur amüsieren? Indem Sie erkennen, dass der Kritiker in Wirklichkeit nicht Ihnen, sondern sich selbst helfen will, können Sie sich von seinen Aussagen distanzieren. Er braucht Sie vielleicht, um sein Selbstwertgefühl zu retten.

4. Experten können sich auch irren.

Lassen Sie sich nicht vom Rang und Namen des Kritikers blenden. Übernehmen Sie seine Kritik nicht vorbehaltlos. Auch wenn er Wissen und Erfahrung in dem Bereich haben sollte, zu dem er Sie kritisiert: Das rechtfertigt nicht seine abwertende Art, die Kritik vorzutragen.

5. Bedanken Sie sich bei Ihrem Kritiker.

Selbstverständlich brauchen Sie sich nicht für wahllose Angriffe zu bedanken, sondern lediglich dafür, dass jemand seine Meinung äußert. Ist Kritik unangebracht oder unfair, dann sagen Sie deutlich: "Danke, dass Sie das Ansprechen, aber ich bin nicht Ihrer Meinung". In den anderen Fällen teilen Sie mit, dass Sie über das Gesagte nachdenken wollen.

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Jeder kennt sie, die kleinen Ärgernisse des Büroalltags. Die Kollegen tratschen, statt zu arbeiten, der Chef hat von Tuten und Blasen keine Ahnung - und für Sauberkeit in der Kaffeeküche fühlt sich keiner zuständig.

Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann schildern Sie uns Ihre Bürosorgen per E-Mail , gern auch anonym. Managementberater Dr. Rüdiger Klepsch nimmt sich des Problems an - und gibt Tipps, wie Sie die Situation am besten meistern.



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