Büroalltag Smalltalk, keine große Kunst

Smalltalk soll eigentlich ganz zwanglos sein - aber viele müssen sich dazu zwingen. Dabei gehört das lockere Gespräch zwischendurch in den meisten Berufen zum Handwerkszeug. Eigentlich kann nicht viel schiefgehen. Managementberater Rüdiger Klepsch erklärt die Grundregeln.

Smalltalk: Sehen Sie es als Entspannungsübung!
Corbis

Smalltalk: Sehen Sie es als Entspannungsübung!


Sie stehen auf der Messe in der Kaffeeecke - allein. Sie würden gerne Kontakte knüpfen. Aber es passiert… nichts! Ihre Gedanken kreisen um eine kleine Gruppe in Hörweite: Die stehen da und kennen sich schon. Ich will mich nicht aufdrängen. Aber warum spricht mich niemand an?

Gut möglich, dass Sie zum Typus des Smalltalk-Vermeiders gehören. Schade, denn Smalltalk hilft in vielerlei Hinsicht. Er trägt zur Entspannung bei, stärkt das Miteinander und hilft, Kontakte zu knüpfen.

Es ist eine verbreitete Annahme, dass Gespräche Tiefgang und Substanz haben müssen. Smalltalk dagegen ist laut Duden die "leichte, beiläufige Konversation". Smalltalk-Vermeider nutzen das als Schutzbehauptung: Er sei oberflächlich und unnütz, sagen sie. Dabei ist die Kunst des scheinbar belanglosen Gesprächs eine der wichtigsten Voraussetzungen für den privaten und beruflichen Erfolg.

In jedem Fall ist Smalltalk der Eisbrecher bei Verhandlungen. Menschen, die authentisch plaudern können und nicht jeden gleich mit ihrer Sachkompetenz überfallen, bleiben in angenehmer Erinnerung. Fachliche Kompetenz ist für die Karriere sicher unerlässlich. Aber nichts ist langweiliger als einfach alles zu sagen, was man weiß. Wer Karriere machen will, muss in der Lage sein, ein freundliches Gespräch über fast jedes denkbare Thema zu führen.

Woran denken Sie gerade?

Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie aus dem Stand besonders geistreich und originell sind. Eine freundliche und ernst gemeinte Bemerkung über die Luftverhältnisse im Raum, in dem Sie stehen, ist allemal besser als undurchdringliches Schweigen.

Haben Sie bei der Wahl des Gesprächsthemas keine Angst vor dem Belanglosen und Offensichtlichen. Alle Themen sind geeignet: Das Besondere ist, dass Sie, bevor Sie in den Smalltalk einsteigen, sich selbst befragen: Was beobachte ich? Wie geht's mir gerade? Im Aufzug: Woran denke ich gerade? Auf der Messe: Wie finde ich dieses oder jenes Produkt? Auf der Party: Was fällt mir hier auf? Erzählen Sie etwas von sich, nicht unbedingt über sich. Und signalisieren Sie Interesse durch genaues Zuhören.

Ungefähr 75 Prozent der Informationen zwischen zwei Gesprächspartnern werden über Blickkontakt, Mimik, Gesten und Stimmklang transportiert. Es ist also nicht so schlimm, wenn der gesprochene Inhalt tatsächlich mal belanglos ist. Wichtig ist der freundliche Eindruck, den Sie vermitteln wollen. Dafür müssen Sie sich auch nicht verrückt machen und auf alle möglichen Körpersignale achten. In unserem Kulturkreis gibt es ein zentrales Element bei der Kontaktaufnahme: den Blickkontakt. Wer seinen Gesprächspartner freundlich anschaut und möglichst unbefangen spricht, hat beim Smalltalk also schon das Wichtigste richtig gemacht.

Was Sie unbedingt vermeiden sollten

  • Krankheiten und andere private Katastrophen wie Ehe- oder Partnerschaftsprobleme. Das ist schwere Kost, mit der sich vor allem unbekannte Gesprächspartner nicht beschäftigen möchten. Leicht erwecken Sie damit den Eindruck, Sie hätten kein Gefühl für die Situation.
  • Lästern über Abwesende. Das ist zwar wohlfeil, löst aber die Sorge aus: Das nächste Läster-Opfer bin bei anderer Gelegenheit ich. Eine unbefangene Konversation wird so erschwert.
  • Kritik am Essen oder den Gastgebern führt leicht dazu, dass nicht alle Gesprächsteilnehmer wirklich entspannt sind. Erst wenn das Gespräch sich vertieft, können solche Themen geeignet sein.

Wie Sie das Gespräch am Laufen halten

Über Fragen können Sie das Gespräch aufrechterhalten. Als Faustregel gilt: Wer fragt, führt, wer zu viel fragt, führt ein Verhör. Mit den W-Fragen liegen Sie am Anfang immer gut im Rennen: "Wie sind Sie auf diese Messe gestoßen?" - "Was interessiert Sie besonders an dieser Veranstaltung?" Die Kunst beim Smalltalk besteht darin, einerseits durch Fragen nicht indiskret zu wirken, andererseits gegenüber dem Gesprächspartner Interesse zu bekunden. Geben Sie ihm die Plattform, über sich zu sprechen; denn das tun die meisten Menschen gern.

Wie Sie den Smalltalk beenden

Sie haben das Gespräch begonnen, und nun stellen Sie fest, dass Ihr Gesprächspartner schwer zu ertragen ist. Wie beenden Sie nun das Gespräch? Der Klassiker ist, jemanden am anderen Ende des Raumes zu sehen und ihm unbedingt Hallo sagen zu müssen. Ebenso lässt sich der Toilettenbesuch oder der Weg zum nächsten Getränk nutzen. Ein respektvoller Ausstieg ist dabei Pflicht: "Es hat mich gefreut, Sie kennengelernt zu haben! Einen schönen Abend noch."

Jetzt heißt es: üben

Am Anfang werden Sie nervös sein. Dann kommen all die Schutzphantasien, die Sie bisher immer abgehalten haben, wie: "Der guckt so komisch!" oder: "Smalltalk ist sowieso zu nichts nütze!" Lassen Sie sich nicht irritieren. Die meisten Menschen reagieren freundlich und offen auf ein Gesprächsangebot. Im Gegenteil, die Gesprächspartner sind dankbar, dass Sie es ihnen abnehmen, den ersten Schritt zu gehen.

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Jeder kennt sie, die kleinen Ärgernisse des Büroalltags. Die Kollegen tratschen, statt zu arbeiten, der Chef hat von Tuten und Blasen keine Ahnung - und für Sauberkeit in der Kaffeeküche fühlt sich keiner zuständig.

Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann schildern Sie uns Ihre Bürosorgen per E-Mail , gern auch anonym. Managementberater Dr. Rüdiger Klepsch nimmt sich des Problems an - und gibt Tipps, wie Sie die Situation am besten meistern.



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