Gerichtsurteil Sturz bei Glatteistest ist kein Arbeitsunfall

Ein Mann wollte eines Wintermorgens besonders umsichtig sein. Um einen Unfall auf dem Arbeitsweg zu vermeiden, prüfte er die Straße auf Glätte - und stürzte. Die Unfallkasse zahlte nicht. Zu Recht, urteilte ein Gericht.

Rettungswagen im Einsatz (Archivbild)
DPA

Rettungswagen im Einsatz (Archivbild)


Es ist teilweise haarsträubend, wie akribisch die Grenzen gezogen werden, wenn es um Arbeitsunfälle geht: Was gehört zum Arbeitsweg, was zum Privatbereich? In manchen Fällen haben schon wenige Zentimeter den Ausschlag gegeben.

Ein aktueller Fall erscheint da fast schon ironisch, weil der betreffende Arbeitnehmer seinen Unfall überhaupt nur hatte, weil er einen Unfall verhindern wollte. Der Wetterbericht hatte vor Glätte gewarnt, und bevor sich der Mann in sein Auto setzte, um zur Arbeit zu fahren, prüfte er zunächst die Fahrbahn.

Seine Arbeitstasche legte er nach eigenen Angaben erst in den Wagen - auch solche Details können entscheidend sein, wenn es um eine Unfallrente geht. Dann ging er wenige Meter, um zu testen, ob die Fahrbahn glatt ist. Auf dem Rückweg knickte er am Bordstein um, stürzte und brach sich den Arm.

Arbeitsunfall oder nicht? Das Bundessozialgericht entschied nun als höchste Instanz: Wer vor der Fahrt zur Arbeit die Straße vor der Wohnung auf Glatteis prüft, tut dies auf eigenes Risiko. Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung besteht dabei nicht (Aktenzeichen B 2 U 3/16 R).

Arbeitsunfall oder nicht?

Es folgte damit der Sicht der Unfallkasse. Die wollte nicht zahlen, weil der Mann sich ja bei dem Sturz nicht auf dem direkten Arbeitsweg befunden habe. Der Abstecher zur Straße sei nicht notwendig, weil er so nicht herausfinden könne, wie der Fahrbahnzustand auf dem gesamten Arbeitsweg sei. Damit seien die paar Schritte zur Straße im rechtlichen Sinn sein Privatvergnügen.

mamk

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