Haustiere am Arbeitsplatz Abgeordnete sind auf den Hund gekommen

15 Bundestagsabgeordnete wollen ihre Hunde mit ins Büro bringen. Im Wahlkampf wird selbst aus diesem harmlosen Wunsch ein Parteienstreit. Dabei sind Tiere auf der Arbeit kein Problem - wenn sie stubenrein sind und kein Kollege allergisch reagiert.

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Endlich Freitag: Die meisten Hunde fügen sich gut in den Büroalltag ein
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Endlich Freitag: Die meisten Hunde fügen sich gut in den Büroalltag ein


Fast bemerkte man Othello kaum, den Hund der Abteilungsleiterin. Meist lag er in seinem Körbchen, Kollegen, die er schon lange kannte, begrüßte er mit einem Schwanzwedeln. Mittags kam die Gassi-Frau, eine Studentin, die sich ein paar Euro dazuverdiente. Wer mit der Chefin Smalltalk halten wollte, war nie um ein Thema verlegen.

Das Haustieridyll in einem Frankfurter Kleinverlag nahm erst ein Ende, als das Unternehmen in ein neues Gebäude am Stadtrand zog. Dort waren Hunde verboten, und auch die Abteilungsleiterin konnte daran nichts ändern. Das Klima in der Abteilung war plötzlich nicht mehr dasselbe. Einem Kollegen, der eigentlich kein großer Hundefreund war, entfuhr es: "Irgendwie fehlt mir Othello."

15 Bundestagsabgeordnete wollen nun auch ihre Vierbeiner ins Hohen Haus mitbringen. In ihre Büros, wohlgemerkt, nicht ins Plenum. Sie haben einen Brief an Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) aufgesetzt, denn einfach so mitbringen dürfen sie die Tiere nicht. Dazu ist eine Änderung der Hausordnung nötig, die bislang nur Blindenhunde zulässt.

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Schlaue Tiere: Was die alles können...
"Wir wollen die Bedeutung von Heimtieren im Arbeitsalltag fördern, auch im Deutschen Bundestag", sagte Heinz Paula (SPD), der Sprecher der Gruppe, der "Bild"-Zeitung. Paula betont, dass er im Namen vieler Abgeordneter spreche. Mitstreiterin Silvia Schmidt (SPD) sagte der Zeitung: "Mein Hund ist mein Freund. Er braucht meine Nähe, und ich brauche seine."

Nicht nur die direkten Herrchen und Frauchen sind zufriedener, wenn sie ihre Tiere um sich haben. Es gilt als sicher, dass Haustiere das Arbeitsklima verbessern können. Die wohl bekannteste Studie zum Thema stammt von der Universität Buffalo. Demnach reicht schon die Anwesenheit eines Tieres im Büro, damit der Blutdruck aller Mitarbeiter sinkt.

Ist der Kollege stubenrein?

Allerdings müssen ein paar Bedingungen erfüllt sein. Wenn ein Kollege allergisch auf Hundehaare reagiert oder große Angst vor den Tieren hat, ist ihm kein Hund zuzumuten. Außerdem kommen nur wohlerzogene Viecher in Frage. Ein Kläffer, der Besucher anbellt und anspringt oder der Telefonate mit Jaulen begleitet, sollte besser zu Hause bleiben. Stubenreinheit versteht sich von selbst.

Die Entscheidung liegt allein beim Chef, der die Arbeitsumstände im Prinzip frei bestimmen darf. Kein Angestellter hat einen Anspruch auf Haustiere am Arbeitsplatz. Das leiten Arbeitsrechtler aus dem Paragrafen 106 der Gewerbeordnung ab - mehr geben Gesetzestexte zu dem Thema nicht her. Der Arbeitgeber muss den Arbeitsfrieden sichern und ist deshalb gut beraten, wenn er vor seiner Erlaubnis die betroffenen Mitarbeiter fragt, ob sie sich von einem Tier belästigt fühlen.

Hamster im Plenarsaal

Im Fall der Abgeordneten wird aus der Angelegenheit gleich ein Politikum. Die 15 Unterzeichner des hundefreundlichen Briefes an Lammert gehören allesamt der Opposition an. Erwartungsgemäß meldet sich ein CDU-Mann mit Kritik. "Den Anfang machen die Hunde", sagte der Cloppenburger Abgeordnete Franz-Josef Holzenkamp. "Irgendwann stehen dann die Hamsterkäfige im Plenarsaal oder streunen die Katzen durch den Bundestag?"

Das liegt im Ermessen des Parlamentspräsidiums, das sich zu dem Vorstoß zunächst nicht äußern wollte. Nur weil ein Arbeitgeber Hunde im Betrieb zulässt, gilt das noch lange nicht für andere Tiere. Der Deutsche Tierschutzbund, der einmal jährlich mit dem Aktionstag "Kollege Hund" für Vierbeiner am Arbeitsplatz wirbt, hält Hunde sowieso dafür am besten geeignet.

Katzen etwa sind leicht von der Fahrt zum Arbeitsplatz gestresst und stören sich an erzwungenen Ortswechseln. Hunde dagegen schätzen das Leben im Bürorudel. Das dürfte sogar für Hunde von CDU und FDP gelten.

Mit Material von dpa



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insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
1969heiner 14.06.2013
1. Endlich
werden mal die wirklich wichtigen Dinge angegangen.
Plasmabruzzler 14.06.2013
2.
Zitat von sysopDPA15 Bundestagsabgeordnete wollen ihre Hunde mit ins Büro bringen. Im Wahlkampf wird selbst aus diesem harmlosen Wunsch ein Parteienstreit. Dabei sind Tiere auf der Arbeit kein Problem - wenn sie stubenrein sind und kein Kollege allergisch reagiert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bundestag-forderung-nach-hunden-am-arbeitsplatz-a-905736.html
Ich fände es äußerst ekelig in einem Büro zu arbeiten, in dem ein Hund liegt, der zuvor oder währenddessen mit wachsender Begeisterung seinen Anus abgeleckt hat. Vom Geruch von Hunden ganz zu schweigen...
mursilli 14.06.2013
3. Schön
Zitat von sysopDPA15 Bundestagsabgeordnete wollen ihre Hunde mit ins Büro bringen. Im Wahlkampf wird selbst aus diesem harmlosen Wunsch ein Parteienstreit. Dabei sind Tiere auf der Arbeit kein Problem - wenn sie stubenrein sind und kein Kollege allergisch reagiert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bundestag-forderung-nach-hunden-am-arbeitsplatz-a-905736.html
Schön, das sind unsere Vertreter und ihre Probleme. Singles, auf den Hund gekommen und ohne Betreuung, denn KItas gibt es dafür ja kaum - abgesehen von den Hundekolonnen, die im Berliner Hundeauslaufgebiet ausgeführt werden, was soll man davon halten? Abgeordnete des Deutschen Bundestags sollten eigentlich besser in der Gesellschaft verankert sein, Familie und Beruf und Lebenserfahrung haben, statt in Gesellschaft eines Vierbeiners und aus dieser Perspektive ihren wahrlich anspruchsvollen Auftrag wahrzunehmen.
hansulrich47 14.06.2013
4. Das passt perfekt!
Das Image von Politikern ist so oder so auf den Hund gekommen. Das Debatten-Niveau wird ein Hund mit Sicherheit heben. Sicher gibt es dann auch Schappi in der Kantine?
spon_1873159 14.06.2013
5. Mein Gott....
Ihr sollt ENDLICH mal eure Arbeit machen! Haustiere im Bundestag....wird wirklich Zeit das gewählt wird!
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