Digitaler Wandel Arbeitnehmer sollen sich leichter fortbilden können

Drohnenkurse für Dachdecker, 3D-Drucker-Schulungen für Konstrukteure: Arbeitnehmer sollen sich besser auf den digitalen Wandel vorbereiten können. Der Bundestag stellt Mehrausgaben in Milliardenhöhe bereit.

Azubis lernen das Programmieren eines Produktionsroboters (Symbolbild)
DPA

Azubis lernen das Programmieren eines Produktionsroboters (Symbolbild)


Der Bundestag hat mit breiter Mehrheit beschlossen, die Weiterbildungsangebote für deutsche Beschäftigte auszubauen. Mit dem sogenannten Qualifizierungschancengesetz sollen mehr Arbeitnehmer für den digitalen Wandel in der Arbeitswelt fitgemacht werden.

Beschäftige sollen künftig unabhängig von Ausbildung, Alter und Betriebsgröße leichter in den Genuss von Qualifizierungsmaßnahmen kommen können. Förderung soll es auch für Menschen geben, die ihren geringen Lohn mit Hartz IV aufbessern. Bisher fördert die Bundesagentur für Arbeit (BA) überwiegend Kurse für Arbeitslose, geringqualifizierte und ältere Arbeitnehmer.

Kleine und mittelgroße Unternehmen profitieren von der neuen Regelung besonders: Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten können die Lehrgangskosten voll erstattet bekommen. Firmen mit zehn bis 250 Mitarbeitern erhalten einen Zuschuss über die Hälfte der Kosten - oder mehr, wenn der betroffene Mitarbeiter älter als 45 Jahre oder schwerbehindert ist. Bei größeren Unternehmen trägt die BA bis zu einem Viertel der Kursgebühren. Zudem beteiligt sie sich an den Lohnfortzahlungen für Beschäftigte, die eine Weiterbildung machen.

2,1 Millionen neue Jobs

Bis 2025 würden zwar rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze aufgrund von Digitalisierung und Strukturwandel wegfallen, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Gleichzeitig entstünden aber auch 2,1 Millionen neue Jobs. Es gelte nun, möglichst viele Menschen auf diesen Wandel vorzubereiten.

So solle es zum Beispiel Dachdeckern erleichtert werden, sich im Umgang mit Drohnen schulen zu lassen. Ingenieure in der Autoindustrie könnten künftig nicht mehr nur auf den Verbrennungsmotor setzen und Konstrukteure müssten lernen, wie man mit 3D-Druckern arbeitet. "Wir dürfen nicht zulassen, dass gute Qualifizierung im technischen Fortschritt entwertet wird", sagte Heil.

Für die Umsetzung des neuen Gesetzes sind im Haushalt der BA Mehrausgaben von bis zu rund 6,2 Milliarden Euro jährlich veranschlagt.

Kein Anspruch auf Weiterbildung

Die Grünen und die Linksfraktion kritisierten, dass das Gesetz keinen Anspruch auf Weiterbildung vorsehe, sondern lediglich bessere Möglichkeiten. Zudem seien Reformen bei der Bundesagentur für Arbeit erforderlich, sagte der Grünen-Sozialexperte Wolfgang Strengmann-Kuhn. FDP-Politiker Johannes Vogel monierte, dass Selbstständige nicht von den besseren Angeboten profitierten.

Der Bundestag beschloss im Rahmen des neuen Gesetzes auch, den Arbeitslosenbeitrag, der je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt wird, dauerhaft auf 2,6 Prozent zu senken. Zudem soll er per Verordnung zum 1. Januar 2019 um weitere 0,1 Punkte befristet bis Ende 2022 verringert werden. Dieser Schritt soll Arbeitnehmer und Unternehmen mittelfristig um jeweils rund 2,6 Milliarden Euro jährlich entlasten.

Arbeitslose sollen mit dem Gesetz auch leichter Arbeitslosengeld beziehen können. Künftig müssten sie dafür innerhalb von 30 Monaten mindestens zwölf Monate Beiträge gezahlt haben. Heute sind es mindestens zwölf Monate in den vergangenen 24 Monaten. Für das Gesetz stimmten die Koalitionsfraktionen sowie FDP und Grüne. Linke und AfD enthielten sich.

lov/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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Nordstadtbewohner 01.12.2018
1. Erschreckend
"Ingenieure in der Autoindustrie könnten künftig nicht mehr nur auf den Verbrennungsmotor setzen und Konstrukteure müssten lernen, wie man mit 3D-Druckern arbeitet. "Wir dürfen nicht zulassen, dass gute Qualifizierung im technischen Fortschritt entwertet wird", sagte Heil." Hubertus Heil zeigt mit seinen Aussagen, wie wenig er von der Privatwirtschaft versteht. 3D-Drucker sind dort bereits seit Jahren präsent und mit dem VW eGolf zeigt die deutsche Autoindustrie seit 2014, dass Ingenieure der Autoindustrie nicht nur auf den Verbrennungsmotor setzen. Ich frage mich ernsthaft, warum Politiker kaum auf Berufserfahrung in der Privatwirtschaft zurückgreifen können. Ich halte die im Artikel genannte Vereinfachung zur Erlangung von Arbeitslosengeld für falsch. Wer nichts oder nur kurz eingezahlt hat und das vor langer Zeit, der sollte auch keine Leistungen erhalten.
frietz 01.12.2018
2.
wieder eine Subvention für die Arbeitgeber. Wenn diese ausgebildete Kräfte wollen oder brauchen, dann sollen sie diese auch ausbilden. Ich sehe nicht ein, dass der Staat, also der Steuerzahler, jetzt auch noch den Firmen fertig ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung stellen soll. Dies ist nicht Aufgabe des Staates, sondern der Firmen, die die Arbeitskraft benötigen. Bei Arbeitslosen sieht die Sache anders aus.
Lykanthrop_ 01.12.2018
3.
Das liest sich ja wie ein verstecktes Subventionsprogramm für Arbeitgeber. Im Fokus sollte stehen den Arbeitskräftemangel in Branchen mit öffentlichen Interesse zu verringern. Der Staat sollte erst an das Gemeinwohl und dann die Arbeitnehmer denken. Diese Förderung sollte sich überbetrieblich orientieren, alles andere ist zu kurz gedacht und erzeugt riesen Mitnahmeeffekte. Die Lobby der Arbeitgeber scheint wieder am Gesetz mitgeschrieben zu haben.
p.u. baer 01.12.2018
4. Gilt das auch für Solo-Selbständige und nebenberuflich Selbständige?
Eine gute Initiative. Weiterbildung sollte unbedingt viel stärker verankert werden. Im Alltag bleibt dafür meistens viel zu wenig Zeit - und oft sind die Kosten hoch und der unmittelbare monetäre Nutzen nicht sofort erkennbar. Das gilt für Angestelte ebenso wie für Solo-Selbständige und Menschen, die beide Erwerbsformen flexibel kombinieren. Es wäre gut, wenn die SPD (und andere Parteien) endlich das reine Kategorie-Denken verlassen und auch für diese Gruppen einen EINFACHEN und UNBÜROKRATISCHEN Weg finden, solche Kurse gefördert zu bekommen. Es hilft nämlich nichts, wenn die Förder-Anträge soviel Zeit und Mühe kosten, daß man auch davon abgeschreckt wird oder sich die Förderung wegen des bürokratischen Aufwandes pulverisiert. Bürokratie können sich nämlich nur Großunternehmen leisten.
tgb 01.12.2018
5. Als Arbeitgeber in einem kleinen Unternehmen
begrüße ich diesen Schritt. Eine Weiterbildung mit damit verbundener Lohnfortzahlung bei gleichzeitigem Ausfall in der Wertschöpfung geht schnell ins Geld. In der heutigen Zeit sind sich viele Arbeitnehmer schlicht nicht mehr dessen bewusst, dass von nichts nichts kommt. Auch Weiterbildung müssen letztlich erwirtschaftet werden. Nur dass das bei einem KMU anders aussieht als bei einem Konzern.
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