Burnout-Selbstprüfung Riecht's schon brenzlig?

Wenn Arbeit und Privatleben aus dem Gleichgewicht geraten, droht ein Burnout. Wie belastbar sind Sie, wie steht es um Ihre seelischen Reserven? Worauf müssen Sie achten in Job und Alltag? Eine Selbstprüfung hilft dabei, Warnsignale früh zu erkennen.

Corbis

Von Matthias Burisch


Nach einigen Jahren im Beruf bemerken viele Arbeitnehmer und Führungskräfte, dass sie zunehmend gereizt reagieren und nach der Arbeit nur noch schwer abschalten können. Jede und jeder kennt jemanden, den angeblich ein Burnout erwischt hat. Und fragt sich oft selbst: Was ist mit mir los? Bin ich nur ein bisschen überarbeitet, oder ist das schon Burnout?

Für das Burnout-Syndrom gibt es keine exakte, verbindliche Definition. Es lässt sich auch durch Symptome nicht klar eingrenzen, der Verlauf kann sehr individuell ausfallen. Zu den typischen Kernsymptomen zählen emotionale Erschöpfung, subjektiver Leistungsabfall und eine negative bis aggressive Einstellung zu Mitmenschen, insbesondere zu Kunden, Mitarbeitern und Kollegen. Spätestens in fortgeschrittenen Stadien kommt ein tiefer Widerwille gegen die Arbeit oder die Arbeitsumstände hinzu.

Stressphasen im Beruf haben die meisten Menschen schon erlebt. Wer aber über längere Zeit an seine Grenzen oder darüber hinausgeht, wer sich übermäßig auf Leistungsziele fixiert und ihnen alles unterordnet, läuft Gefahr, irgendwann umzukippen. In frühen Burnout-Stadien lässt sich die Abwärtsspirale noch stoppen - indem man innehält, sich Zeit zum Nachdenken nimmt und sein Arbeitsverhalten ändert, bevor es wirklich dramatisch wird.

In einer Burnout-Broschüre bietet CConsult, ein Projekt der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, Tipps zur Stressprävention für Führungskräfte. "Viele Ausbrenner leben von außen nach innen statt umgekehrt; sie sind Getriebene", schreibt darin der Hamburger Burnout-Experte Matthias Burisch und rät: "Erinnern Sie sich immer wieder daran, dass Sie Ihrem Arbeitgeber zwar einen Teil Ihrer Zeit und Energie vermietet, aber nicht Ihr ganzes Leben verkauft haben. Das gibt Ihnen Autonomie, ein Gefühl von Freiheit zurück."

Für das SPIEGEL-Wissen-Heft "Das überforderte Ich" hat Matthias Burisch einen Check zu Warnsignalen für eine Burnout-Gefährdung entwickelt. Die Selbstprüfung ersetzt keine medizinische Diagnose, sie kann aber bei der Einschätzung helfen, ob Sie der Erschöpfung durch Stress und psychische Belastungen am Arbeitsplatz nahe sind. Wer einen präziseren wissenschaftlichen Test für das persönliche Risiko sucht, findet ihn auf der Website des Burnout-Instituts, mitsamt ausführlichen Tipps zur Burnout-Bewältigung.



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
Asirdahan 24.05.2011
1. ohne
Schlimm ist es, wenn Firmen ihre Mitarbeiter in einem unbarmherzigen Leistungswettbewerb derart überfordern, dass sie krank werden. Ich möchte nicht wissen, was sich hinter den spiegelblanken Kulissen unserer so tollen Leistungsgesellschaft für Dramen abspielen. Auf der einen Seite Burn-out, auf der anderen "faule" H4-Empfänger. Da bin ich lieber H4-Empfänger, als mich kaputt machen zu lassen. Aber natürlich liegt die Lösung immer in der Mitte.
autopoiesis 24.05.2011
2.   
Zitat von sysopWenn Arbeit und Privatleben aus dem Gleichgewicht geraten, droht ein Burnout. Wie belastbar sind Sie, wie steht es um Ihre*seelischen Reserven? Worauf müssen Sie achten in Job und Alltag? Eine Selbstprüfung hilft dabei, Warnsignale früh zu erkennen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,764586,00.html
Ich "freue" mich schon auf die zahlreichen Kommentare von Neoliberalen und Sozialdarwinisten, die das Burn-out-Syndrom als Erfindung der Psychiater und der Phrma-Lobby bezeichnen und den Betroffenen mangelnden Leistungswillen unterstellen werden. Wir kennen diese Reaktionen ja bereits aus Strängen mit ähnlichen Themen...
b_russel 24.05.2011
3. Burnout und H4
Zitat von AsirdahanSchlimm ist es, wenn Firmen ihre Mitarbeiter in einem unbarmherzigen Leistungswettbewerb derart überfordern, dass sie krank werden. Ich möchte nicht wissen, was sich hinter den spiegelblanken Kulissen unserer so tollen Leistungsgesellschaft für Dramen abspielen. Auf der einen Seite Burn-out, auf der anderen "faule" H4-Empfänger. Da bin ich lieber H4-Empfänger, als mich kaputt machen zu lassen. Aber natürlich liegt die Lösung immer in der Mitte.
Ich glaube, der "faule" H4-Empfänger, der hunderte Bewerbungen schreibt und mit einer Bürokratie kämpfen muss, die Kafka zum weinen gebracht hätte, ist Burnout-gefährdeter, als die meisten Arbeitnehmer, die mit ihren Kollegen gut klarkommen und einen Job machen, der ihnen Spaß macht. Auch wenn sie nach Feierabend noch so sehr über den Chef schimpfen, das gehört halt auch dazu ;-)
Tizzle 24.05.2011
4. danke
Zitat von autopoiesisIch "freue" mich schon auf die zahlreichen Kommentare von Neoliberalen und Sozialdarwinisten, die das Burn-out-Syndrom als Erfindung der Psychiater und der Phrma-Lobby bezeichnen und den Betroffenen mangelnden Leistungswillen unterstellen werden. Wir kennen diese Reaktionen ja bereits aus Strängen mit ähnlichen Themen...
Natürlich ist dies eine Erfindung der Psychologen und Pharma-Industrie. Wenn Burnout nicht mal die nobelste Form von Faulheit ist. Allerseits: einfach mal zusammenreissen, wie sollen wir denn sonst unserer Wachstumsprognose gerecht werden. Wer sich etwas Gedanken macht wird zum Schluss kommen, dass es Burnout doch gar nicht gibt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wir leben ja schliesslich in einer Leistungsgesellschaft! Hallo, da wird geleistet.!?
distributer 24.05.2011
5. Immer mal langsam...
3xA und 5xC, das bedeutet ich habe gewonnen oder? Im Grunde haengt das doch auch sehr von der Tagesstimmung ab. Manchmal schafft man viel und manchmal eher weniger...
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