CEOs und ihr Erfolgsgeheimnis "Höre nicht auf das, was deine Kunden sagen"

Wie wird man ein guter Manager? Sechs internationale Firmenlenker beantworten die gleichen zwölf Fragen - und verraten so, wie sie ihre Aufgaben meistern. Einig sind sie sich nur in einem Punkt.

Muneaki Masuda: Medienhändler mit ungewöhnlichem Management-Ansatz
Fotografie: mit freundlicher Genehmigung von Gestalten, aus The Monocle Guide to Good Business, Copyright Gestalten 2014

Muneaki Masuda: Medienhändler mit ungewöhnlichem Management-Ansatz


Geschäftemachen ist also eine große Kunst: Diesen Eindruck vermittelt allein schon der feine Leinenband des aktenordnerschweren Trumms "The Monocle Guide to Good Business". In diesem Ratgeber hat das internationale Wirtschaftsmagazin "Monocle" zusammengetragen, was Manager von Welt kennen und haben sollten: Lampen von Artemide, Regalsysteme von USM Haller, Schreibtischstühle von Vitra. Zumindest, was die Inneneinrichtung angeht, ist das Diktum des Lifestyle-Führers eindeutig - es gibt einen Hang zur internationalen Gleichmacherei.

Doch spannender als Designkonzepte, Markenkataloge und Rankings über Top-Geschäftsstädte (Zürich, São Paolo, Sydney) dürften wohl die Interviews mit sehr unterschiedlichen Gründern, Machern und Geschäftsführern sein. Die Autoren haben Führungspersönlichkeiten von Hermès bis hin zu JP Morgan immer die selben Fragen gestellt. Das Ergebnis: Es gibt viele Wege zum Erfolg, nur keine leichten und schon gar nicht die gleichen. Bloß in einem Punkt waren sich die Befragten einig: Es ist schön, gemocht zu werden, aber Respekt ist wichtiger.

KarriereSPIEGEL zeigt eine Auswahl der spannendsten Gespräche:

Pierre-Alexis und Axel Dumas, Paris
Fotografie: mit freundlicher Genehmigung von Gestalten, aus The Monocle Guide to Good Business, Copyright Gestalten 2014

Die beiden Cousins leiten das berühmte Modehaus Hermès in Paris: Pierre-Alexis als künstlerischer Direktor und Axel Dumas als Geschäftsführer. Sie sind nur zwei von zehn Familienmitgliedern, die alle in dem Luxus-Imperium mitmischen. Insgesamt beschäftigen sie 11.000 Menschen.

Wann sitzen Sie morgens am Schreibtisch?

Axel Dumas: Um 8.50 Uhr, nachdem ich meinen Sohn in die Schule gebracht habe.

Wie sieht Ihr Management-Stil aus?

Axel Dumas: Ich versuche, so viel wie möglich zu delegieren und zugleich darauf zu achten, dass alle mit unserer Strategie auf einer Linie sind. Ich rede viel - was hoffentlich hilft, dass unsere Werte lebendig bleiben.

Sollten schwierige Entscheidungen am besten von einer Person getroffen werden?

Axel Dumas: Entscheidungen, die schwierig sind oder etwa mit sich bringen, dass jemand hinterher schlechter dasteht, fälle ich lieber persönlich als sie zu delegieren. Ich bringe ungern andere dazu, sich statt meiner für diese Aufgabe zu opfern.

Lesen Sie Management-Bücher?

Axel Dumas: Ja und nein. Pflichtbewusst kaufe ich sie, lege sie auf meinen Nachttisch und nehme sie irgendwann mit Romanen und Essays mit in den Urlaub. Aber die "Harvard Business Review" lese ich wirklich.

Wo kann man sich am besten auf Führungsrollen vorbereiten: an einer MBA-Schule oder im Job?

Pierre-Alexis Dumas: Suchen Sie sich immer Mentoren. Meine waren Stanley Marcus, Jean-Louis Dumas, Joseph Ettedgui und viele mehr.

Wie managen Sie ein Team?

Pierre-Alexis Dumas: Indem ich selbst Hand anlege.

Wollen Sie lieber gemocht oder respektiert werden?

Pierre-Alexis Dumas: Ich würde mich als Traumfänger bezeichnen.

Wie sieht Ihr Support-Team aus?

Pierre-Alexis Dumas: Es ist ein Dream-Team.

Welche Geräte nehmen Sie mit auf eine Business-Reise?

Pierre-Alexis Dumas: Einen Kuli, einen Bleistift, gutes Papier, einen Radiergummi und meine Leica.

Wichtigster Management-Tipp?

Pierre-Alexis Dumas: Umgib dich immer mit Menschen, die besser sind als du.

Rod Eddington, Melbourne
Fotografie: mit freundlicher Genehmigung von Gestalten, aus The Monocle Guide to Good Business, Copyright Gestalten 2014

Sir Rod Eddington ist Aufsichtsratsmitglied der australischen und neuseeländischen Niederlassung von JP Morgan, eines der größten Finanzunternehmen weltweit. Zuvor war er Geschäftsführer bei verschiedenen Fluglinien, zuletzt von British Airways.

Wann sitzen Sie morgens am Schreibtisch?

Zurzeit gegen 8 Uhr. Zu meinen Zeiten als CEO eher um 7.30 Uhr.

Wo kann man sich am besten auf Führungsrollen vorbereiten: an einer MBA-Schule oder im Job?

Praktische Erfahrung ist wirklich elementar - aber egal, ob man einen MBA macht oder nicht, es ist wichtig, den aktuellsten Stand der Wissenschaft zu kennen.

Wie sieht Ihr Management-Stil aus?

Ich arbeite integrativ. Um wirklich wichtige Entscheidungen treffen zu können, braucht man Input aus der ganzen Firma.

Sollten schwierige Entscheidungen am besten von einer Person getroffen werden?

Manchmal muss man das alleine machen. Aber wenn es die Zeit erlaubt, sollte man die eigene Haltung von anderen überprüfen lassen.

Wollen Sie lieber gemocht oder respektiert werden?

Um erfolgreich zu sein, muss man respektiert werden. Aber es ist schwierig, respektiert zu werden, wenn man nicht gemocht wird.

Wie sieht Ihr Support-Team aus?

Klein. Als ich noch bei British Airways gearbeitet habe, hatte ich einen persönlichen Assistenten und einen Fahrer, weil ich viel unterwegs war.

Welche Geräte nehmen Sie mit auf eine Businessreise?

Einen Blackberry, ein weiteres Mobiltelefon und oft ein iPad.

Lesen Sie Management-Bücher?

Ich hole mir gute Ideen, wo immer ich sie finden kann.

Gehen Sie morgens laufen? Trinken Wein zum Mittagessen? Unternehmen nach Feierabend etwas mit Ihrem Team?

Manchmal gehe ich morgens spazieren. Ich genieße es, mit Leuten, mit denen ich arbeite, zu Veranstaltungen zu gehen. Aber die Tage, an denen ich mittags Wein trinken kann, sind vorbei.

Wichtigster Management-Tipp?

Hör nie auf zu lernen.

Eva Hamilton, Stockholm
Fotografie: mit freundlicher Genehmigung von Gestalten, aus The Monocle Guide to Good Business, Copyright Gestalten 2014

Die gelernte Journalistin ist Chefin der öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehgesellschaft SVT mit Sitz in Stockholm. Der Sender beschäftigt 2100 Angestellte und überträgt jedes Jahr die Nobelpreis-Verleihung.

Wann sitzen Sie morgens am Schreibtisch?

Um 9 Uhr. Aber davor habe ich schon 45 Minuten im Auto telefoniert.

Wo kann man sich am besten auf Führungsrollen vorbereiten: an einer MBA-Schule oder im Job?

Ohne Frage: im Job. Aber ohne entsprechende Ausbildung wird heutzutage keiner mehr für einen Top-Level-Job in Erwägung gezogen.

Wie sieht Ihr Management-Stil aus?

Ich bin das Gegenteil eines einsamen Wolfs, arbeite am besten in einem Team. Ich muss in Kontakt sein mit dem Unternehmen und meinem Management-Team, dem ich voll vertraue.

Sollten schwierige Entscheidungen am besten von einer Person getroffen werden?

Sie müssen vom CEO gefällt werden. Ich muss in der Lage sein, komplett dahinterzustehen, falls sie auf Widerstand stoßen. Ich spreche vor wichtigen Entscheidungen immer mit meinem Management-Team.

Wollen Sie lieber gemocht oder respektiert werden?

Beides! Aber wenn ich wählen müsste, würde ich sagen: respektiert. Wer vom Wunsch geleitet wird, geliebt zu werden, der wird ein sehr schlechter Manager.

Wie sieht Ihr Support-Team aus?

Mein engstes Team besteht aus zwölf Leuten. Wir haben ein wöchentliches Meeting, darüber hinaus treffe ich mich mit jedem Einzelnen alle zwei Wochen.

Welche Geräte nehmen Sie mit auf eine Businessreise?

Mein iPad und mein Smartphone.

Lesen Sie Management-Bücher?

Früher ja, aber mittlerweile denke ich, ich weiß es selbst am besten.

Gehen Sie morgens laufen? Trinken Wein zum Mittagessen? Unternehmen nach Feierabend etwas mit Ihrem Team?

Wein gibt es weder zum Lunch noch mit dem Team nach der Arbeit. Eher zu Hause zum Abendessen. Ich laufe auch nicht morgens, sondern trainiere einmal in der Woche mit einem Personal Trainer.

Wichtigster Management-Tipp?

Unterschätze nie das Bedürfnis deiner Mitarbeiter, gesehen und wahrgenommen zu werden. Es ist wichtiger zu loben als zu kritisieren - denn in Selbstkritik sind die meisten selbst ganz gut.

Muneaki Masuda, Tokio
Fotografie: mit freundlicher Genehmigung von Gestalten, aus The Monocle Guide to Good Business, Copyright Gestalten 2014

Der Manager, Unternehmer und Investor gehört zu den 50 reichsten Japanern und lebt in Tokio. Seine Management-Methoden sind ungewöhnlich, sein Erfolg spricht Bände, buchstäblich: 1983 gründete Masuda die landesweite Kette Tsutaya, zu der neben Buchhandlungen auch Videotheken gehören.

Wann sitzen Sie morgens am Schreibtisch?

Ich habe keinen Schreibtisch und auch kein Büro. Mein Arbeitsplatz ist überall dort, wo ich Zugang zu Informationen habe. Meetings habe ich unterwegs, in meinem Auto.

Wo kann man sich am besten auf Führungsrollen vorbereiten: an einer MBA-Schule oder im Job?

Eine Führungsfigur kann man weder im Seminarraum noch im Konferenzraum heranziehen. Man lernt nur aus Erfahrung vor Ort.

Wie sieht Ihr Management-Stil aus?

Ich gebe keine Anweisungen oder Befehle. So arbeite ich nicht gern. Jeder weiß selbst am besten, was ihn glücklich macht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand gerne herumkommandiert wird. Darum ist Freiheit - selbst zu entscheiden oder zu scheitern - so elementar.

Sollten schwierige Entscheidungen am besten von einer Person getroffen werden?

Es ist die Aufgabe des Managements, Entscheidungen zu fällen. Ich neige dazu, Dinge sofort zu beschließen. Wichtige Dinge aufschieben ist ein Problem.

Wollen Sie lieber gemocht oder respektiert werden?

Jemand, der in diesem Business arbeitet, muss einnehmend und sympathisch sein.

Welche Geräte nehmen Sie mit auf eine Businessreise?

Ein iPad Air, mein iPhone, den Laptop. Aber wichtiger sind ein Notizblock und ein Bleistift, um schnell mal etwas festzuhalten.

Lesen Sie Management-Bücher?

Ich schreibe Bücher. Ich lese sie nicht. (Masuda hat fünf Bücher geschrieben, Anm. d. Red.)

Gehen Sie morgens laufen? Trinken Wein zum Mittagessen? Unternehmen nach Feierabend etwas mit Ihrem Team?

Ich renne abends. Die Nächte sind meine wichtigsten Arbeitszeiten. Mein eigentlicher Job beginnt, wenn ich das Büro verlasse. Dann treffe ich Geschäftspartner. Mit meinen Mitarbeitern komme ich auch mal privat ins Gespräch bei Barbecue-Partys oder in meinem Ferienhaus in Karuizawa.

Wichtigster Management-Tipp?

Hör nicht auf das, was dir deine Kunden sagen. Überlege stattdessen, wie du in ihrem Sinne arbeiten kannst.

Christian Struck, Nürnberg
Fotografie: mit freundlicher Genehmigung von Gestalten, aus The Monocle Guide to Good Business, Copyright Gestalten 2014

Als Director International Brand Management ist Christian Struck bei der Grundig Intermedia GmbH in Nürnberg verantwortlich für das internationale Marken-Management. In den neun Niederlassungen des 1945 gegründeten Konzerns arbeiten weltweit 1750 Angestellte.

Wann sitzen Sie morgens am Schreibtisch?

Da ich oft bis spätabends arbeite, komme ich mormalerweise um 9 Uhr ins Büro. In Istanbul eher um 8 Uhr.

Wo kann man sich am besten auf Führungsrollen vorbereiten: an einer MBA-Schule oder im Job?

Im Job. Als ich studierte, waren Management-Kurse nicht so verbreitet. Außerdem sind Firmen komplex - man muss sich anpassen.

Wie sieht Ihr Management-Stil aus?

Offen, nahbar und empathisch.

Sollten schwierige Entscheidungen am besten von einer Person getroffen werden?

Sie sollten von Logik getroffen werden. Ob von einer Person oder einer Gruppe, ist nicht so wichtig - auch wenn bei manchen Dingen einer die Führung übernehmen muss.

Wollen Sie lieber gemocht oder respektiert werden?

Es ist schön, gemocht zu werden, aber Respekt ist das Wichtigste. Ich versuche gleichfalls, so respektvoll wie möglich mit meinen Kollegen umzugehen.

Wie sieht Ihr Support-Team aus?

Ich habe weder eine Sekretärin noch einen persönlichen Assistenten.

Welche Geräte nehmen Sie mit auf eine Businessreise?

Mein iPhone - und ich fürchte, ich bin abhängig von meinem iPad.

Lesen Sie Management-Bücher?

Ja. Auch wenn ich sie mitunter sehr eintönig und redundant finde. Deswegen überspringe ich oft ganze Kapitel.

Gehen Sie morgens laufen? Trinken Wein zum Mittagessen? Unternehmen nach Feierabend etwas mit Ihrem Team?

Jogging ist langweilig - ich fahre am Wochenende Rad. Vor 18 Uhr trinke ich keinen Wein. Ich würde gerne mehr mit meinen Mitarbeitern unternehmen, bin aber oft der Letzte im Büro.

Wichtigster Management-Tipp?

Setzen Sie sich ein und seien Sie offen. Und: Nehmen Sie Ratschläge an, wenn sie Ihnen angeboten werden.

Übersetzung aus dem Englischen: Anne Haeming



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Greyjoy 25.02.2015
1.
"Um 9 Uhr. Aber davor habe ich schon 45 Minuten im Auto telefoniert." (Eva Hamilton) Warum tut man sich eine Anreise von 45 Minuten in dieser Position an? Es sollte doch genug Geld fließen, um eine entsprechend komfortabel gelegene Wohnung zu finden. Abends muss man ja eventuell auch wieder zurück. Das sind 1,5 Stunden die man am Tag im Auto verbringt. Ja klar, mancher lebt lieber im Grünen und fährt dann in die Stadt (und verstopft diese). Ich finde das grauenhaft und würde mir mehr Komfort gönnen.
smartphone 25.02.2015
2. Smartphone
Der Ansatz : " deligiere und umgib dich mich mit Menschen , die besser sind als du " ist genau das , was 99% der deutschen Firmen fehlt . Die (Absage)Sprüche im Stile BoschRexroth : Guten Leuten muß man absagen etc sind geradezu legendär . De facto hat man höchste Ansrüche , ist eher unfähig ein sachlichprofessionelles Einstellungsgespräch zu führen und filtert somitgenau die raus die offenkundig dem zB Abteilungsleiter gefährlich werden könnten - also eine seit xx Jahren laufende effektive Deelitisierungin den Führungsgremien . Wer nur noch mit Lohnzurückhaltung und Entlassung ( der wiederum Falschen ) agiert braucht sich keine weiteren Gedanken zu machen. Die MINT Elite ist entweder ausgewandert oder bezieht schon längst Hartz4
sowasnettes 25.02.2015
3.
In einer Zeit des crowdgesourcten Wissens und in der Unternehmer stolz sind, wenn 80% der Wünsche und Produktideen von ihren Kunden stammen, gibt es halt immer ein paar Anachronisten. Es lebe der Besserwisser. Ein Glück hat Leute um sich, die intelligenter sind.
cabeza_cuadrada 25.02.2015
4. Dann schauen sie sich mal an wo die großen Konzerne
Zitat von Greyjoy"Um 9 Uhr. Aber davor habe ich schon 45 Minuten im Auto telefoniert." (Eva Hamilton) Warum tut man sich eine Anreise von 45 Minuten in dieser Position an? Es sollte doch genug Geld fließen, um eine entsprechend komfortabel gelegene Wohnung zu finden. Abends muss man ja eventuell auch wieder zurück. Das sind 1,5 Stunden die man am Tag im Auto verbringt. Ja klar, mancher lebt lieber im Grünen und fährt dann in die Stadt (und verstopft diese). Ich finde das grauenhaft und würde mir mehr Komfort gönnen.
ihre Standorte haben. Gut wenn man sich den Komfort leisten kann nicht in unmittelbarer Nähe zu wohnen.
01099 25.02.2015
5.
Der Punkt "Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?" hätte ich gern auch einmal von den "Untergebenen" beantwortet gesehen. Nicht jeder, der sich als empathisch und nahbar begreift, ist es auch. Aber es ist schön zu sehen, dass es ein Umdenken in den Chefetagen gibt und man die Zusammenarbeit schätzt, anstatt den Despotismus zu zelebrieren. Weiter so!
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