Chef-Typologie Wer ist hier der Boss?

Auf den Führungsetagen von Unternehmen gibt es die schönsten Marotten zu besichtigen - wie diese acht Vorgesetzten-Charaktere zweifelsfrei beweisen. Eine kleine Chef-Typologie vom Despoten bis zur Nulllösung, von der Paranoikerin bis zur Motivationsmaschine.

Von Lisa Seelig und Elena Senft


  • Der Despot

Dirk Schmidt

Sein Büro erkennt man an den stets heruntergelassenen Jalousien. Dahinter tigert er fluchend auf und ab. Er hat ein Terrorregime in der Abteilung errichtet, täglich sieht man weinende oder verschreckte Mitarbeiter. Konferenzrunden sprengt er mit eisigem Schweigen oder Wutwallungen.

Seine neue Assistentin feuerte er nach wenigen Tagen und bewarf sie mit jenem Puddingplunder, den sie beim Bäcker statt der gewünschten Quarkkeulchen besorgt hatte. Ärger mit dem Betriebsrat gab es erst neulich wieder, nachdem er das Auto eines neuen Mitarbeiters, das fälschlicherweise auf seinem Parkplatz stand, zur Schrottreife gerammt hatte.

Typischer Satz im Vorstellungsgespräch: "Also ich sag ja immer: Man muss Menschen erst brechen, um sie aufzubauen."



  • Die Motivationsmaschine

Dirk Schmidt

Sie betritt das Großraumbüro mit elastisch wippendem Pferdeschwanz und beherztem Biss in einen grünen Apfel. Klar, dass sie heute wieder Smoothies für alle mitgebracht hat. Vor der wichtigen Präsentation zwingt sie die Mitarbeiter in einen Kreis, um sie mit schrillen Motivationsparolen hochzupeitschen: Tschakka, High-Five! Die Scham aller anderen ignoriert sie, was wissen die schon von Selbstoptimierung.

Nur einmal war sie krankgeschrieben, nachdem sie sich beim Skydiven (Teambuilding-Ausflug) beide Beine gebrochen hatte. Aber es war trotzdem echt ein geiler Adrenalin-Kick!

Typischer Satz: "Enjoy your job!"



  • Die Nulllösung

Corbis

Dieser Zufallsboss rätselt selbst, wie ausgerechnet er auf ausgerechnet dieser Position landen konnte. An Führungsqualitäten oder Sachkunde lag es sicher nicht. Die Nulllösung lungert am Kopierer herum, um wichtige Trends im Unternehmen aufzuschnappen, oder taucht hinter Zimmerpalmen auf, wenn der Büroprimus über die Branche philosophiert.

Seine erfahrene Sekretärin liefert das Schlagwortwissen, das er benötigt, um nicht aufzufliegen. Bald wird sie pensioniert, das bereitet ihm schon jetzt schlaflose Nächte. Beim Jour fixe lässt er sich reihum alle Mitarbeitermeinungen vortragen, um sie dann leicht abgewandelt nachzuplappern.

Typischer Satz: "Sie machen einen kompetenten Eindruck. Das kann ich in meiner Abteilung brauchen."



  • Der Patriarch

Dirk Schmidt

An seinem wuchtigen Antikschreibtisch raucht er Pfeife und signiert Dokumente mit dem Montblanc-Füller. Der alte Patriarch führt im Familienunternehmen ein strenges Regime, Loyalität steht bei ihm an oberster Stelle. So erhält jeder Mitarbeiter als Weihnachtspräsent ein Feuerzeug-Set mit Firmenlogo; wichtige Deals werden bei zehn Gläsern Rotwein geschlossen.

Kurz vor Feierabend patrouilliert der Patriarch mit seinem diamantbesetzten Spazierstock durch den Betrieb und schickt die Mitarbeiter nach Hause zu ihren Familien.

Typischer Satz: "Wo erfolgte die zweite Werksgründung, nachdem Karl die Geschäfte 1894 an seinen Halbbruder übertragen hatte?"



  • Der Kumpel

Corbis

Och menno - echt total doof, dass durch die Chefposition so ein Machtgefälle entstehen musste! Der Kumpel fühlt sich ständig außen vor. Seine Mitarbeiter gehen nach Feierabend Bierchen trinken: Warum fragt denn keiner, ob er auch mitkommen will?

Angemessene Distanz kennt er nicht. Wer nicht aufpasst, hat den Kumpel beim nächsten privaten Fest mit Grillschürze im Garten stehen. Oder muss zusehen, wie er sich beim gemeinsamen Konzertbesuch in Trance schwingt. Am nächsten Morgen haut der Chef dem peinlich berührten Mitarbeiter auf die Schulter und kräht: "Na, is' ja doch noch das eine oder andere Bierchen mehr geworden gestern, was?"

Typischer Satz: "Nebenan steht die Tischtennisplatte, wenn du nachher noch Lust auf einen Rundlauf hast?"



  • Die Eiskalte

Dirk Schmidt

Sie ist schon sehr lange im Geschäft und hat sich ihre Position hart erkämpft. Die Eiskalte schaut grundsätzlich nicht hoch, während sie mit Bleistiftrock, Stilettos und Oberarmen aus Stahl Mitarbeiter zur Audienz empfängt und mit leise schneidendem Ton zur Sau macht.

Betritt sie den Raum zum Morgen-Meeting, wird es augenblicklich still. Das Heben und Senken einer Augenbraue entscheidet, welcher Kopf als Nächstes rollt. In ihrem Büro hängt ein persönlich signiertes Poster von Anna Wintour.

Typischer Satz: "Seien Sie froh, dass ich überhaupt was zahle. Wenn Sie wüssten, mit welchem Gehalt ich angefangen habe!"



  • Die Paranoikerin

Corbis

Sie hat viel, nein: alles! dafür getan, um ganz oben anzukommen. Fortan agiert sie angstgesteuert und wittert überall Intrigen. In die Kantine geht sie nur mit, um durch ihre Präsenz das Aushecken von Putschplänen zu verhindern.

Mitarbeiter tun gut daran, ihr niemals ein Kompliment zu machen. Tags darauf bittet sie zum Vieraugengespräch, schließt die Bürotür doppelt ab und schreitet zum Verhör: "Ihr Kommentar bezüglich der 'frischen Farbe' meines Hosenanzugs... was steckte wirklich dahinter? Und lügen Sie mich nicht an, verdammt noch mal!"

Typischer Satz: "In Ihrer Bewerbung steht, Sie seien ehrgeizig. Wie genau ist das gemeint?"



  • Der Faulenzer

Dirk Schmidt

Sein Arbeitstag beginnt nie vor halb elf, bis dahin hat er im Café gegenüber gefrühstückt und Zeitung gelesen. Sein Lieblingssatz: "Ach, das kriegen Sie schon hin." Sein Tagesziel: den "Angry Birds"-Highscore zu knacken. Andauernd trudeln Pakete von Online-Versandhändlern für ihn ein; im Chefzimmer kann man leicht über ein Hindernis seines Minigolf-Parcours stürzen.

Seine Mitarbeiter arbeiten vor wichtigen Abgaben die Nächte durch und laufen morgens verquollen wieder auf; derweil verlässt er bester Laune um 17 Uhr die Firma und feixt noch frech über "Außentermine".

Typischer Satz: "Wir sind hier auf der Arbeit und nicht auf der Flucht."

Aus SPIEGEL JOB 1/2013
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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
pixie48 26.11.2013
1. nicht vergessen
Zitat von sysopDirk SchmidtAuf den Führungsetagen von Unternehmen gibt es die schönsten Marotten zu besichtigen - wie diese acht Vorgesetzten-Charaktere zweifelsfrei beweisen. Eine kleine Chef-Typologie vom Despoten bis zur Nulllösung, von der Paranoikerin bis zur Motivationsmaschine. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/chef-typologie-wer-ist-hier-der-boss-a-931909.html
den Typ, der immer freundlich und herzlich ist, um einen dann bein naechsthoeheren Chef anzuschwaerzen, der eigene Fehler und Fehlentscheidungen auf andere abzuwaelzen kann. Der Chef, der nach unten tritt und nach oben kriecht. Gar nicht so selten diese Type. Wie wollen wir diese den nennen?
celui-ci 26.11.2013
2. Wenn...
...man das "freundlich und herzlich" wegnimmt, findet man den Despoten wieder, der buckelt meiner Erfahrung nämlich auch gerne und stänkert nur dann, wenn er sich in der Machtposition dazu fühlt. Anstregend ist auch jener Typus, der von seinem Können sehr überzeugt ist (was auch stimmen mag), in Folge aber jeder Zuarbeit mistraut und gar nicht delegiert oder sich überall im Detail einmischt. Und bei aller Kritik sollte man nicht vergessen: Es gibt auch ziemliche viele Chefs, mit denen man wunderbar auskommen kann.
ralf_gabriel 26.11.2013
3. x
Zitat von sysopDirk SchmidtAuf den Führungsetagen von Unternehmen gibt es die schönsten Marotten zu besichtigen - wie diese acht Vorgesetzten-Charaktere zweifelsfrei beweisen. Eine kleine Chef-Typologie vom Despoten bis zur Nulllösung, von der Paranoikerin bis zur Motivationsmaschine. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/chef-typologie-wer-ist-hier-der-boss-a-931909.html
Gibt es nicht auch einfach ganz normale, die Morgens zu 99% pünktlich auf Arbeit sind und in der Regel als einer der letzten gehen, ohne stundenlang rumzusitzen nur damit sie nicht zu früh oder pünktlich gehen, sondern weil es wirklich was zu tun gibt...die nicht jeden Tag mit den Kollegen am Mittagstisch sitzen müssen, aber ab und zu schon mal mit gehen...die nicht dauernd paranoid alls hören und mitbekommen müssen...die ne eigene Meinung und auch Ahnung haben...die vernünftig mit den Untergebenen umgehen...nicht hätscheln aber auch nicht cholerisch sind und auch sonst einfach nur einen vernünftigen Job machen
ogg00 26.11.2013
4. #1
dieser Cheftyp wird "Radfahrer" genannt (oben buckeln, unten treten)
al2510 26.11.2013
5. Eine Gesellschaft Kritik
was müssen das für Pfeifen sein, die sich von solchen kranken Persönlichkeiten führen lassen. Eigentlich sollte die Belegschaft den Chef ja auch formen. Aber Ehrlichkeit ist ja wie immer fehl am Platz. Das Schlimmste ist das Geheuchel. Der Chef versucht den Job zu halte mit diesem oder jenem Mittel weil er nur als Chef frei ist, und die Belegschaft ist absolut hinterhältig. Eine nur schwer zu ertragende Umgebung von Angst und Misstrauen. Das müsste geändert werden, aber Vertrauen kann man nicht befehlen. Hier ist viel mehr Arbeit zu erledigen als am Band und diese Arbeit ist viel dringender.
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