Coaching in Unternehmen Dieser Weg wird kein leichter sein

Ein anderer Job, ein Aufstieg, plötzlich Chef - da muss man hinzulernen. Packt ein Mitarbeiter neue Aufgaben an, kommt es oft zu Konflikten. Viele Führungskräfte können sich auf Firmenkosten coachen lassen. Fast immer geht's um den Umgang mit Veränderungen.

Von Bärbel Schwertfeger

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Hannes Z. leitet ein kleines Team im Einkauf eines Autozulieferers. Dort hat man ihn als "Potentialträger" identifiziert, sprich: Man traut ihm die Leitung einer größeren Abteilung zu. Der Ingenieur hat bereits ein Assessment Center durchlaufen, seine Stärken und Schwächen wurden in zahlreichen Übungen durchleuchtet. Ergebnis: Wenn der 34-Jährige einen Fachvortrag vor seinen Kollegen hält, ist er zu detailorientiert. Er wirkt unsicher, es gelingt ihm nicht, Kontakt zu seinen Zuhörern aufzubauen.

Sein Arbeitgeber bot ihm daher ein Coaching an. "Wir haben daran gearbeitet, wie er überzeugender auftreten kann", sagt Karin von Schumann, die Hannes Z. gecoacht hat. Vor der Videokamera trainierte er, seine Stimme und seinen Blickkontakt zu optimieren. Er lernte, in Stresssituationen gelassener zu bleiben, weniger auf Details und mehr auf den strategischen Aspekt zu achten.

Wie Hannes Z. können Mitarbeiter sich zunehmend auf Firmenkosten coachen lassen. "Unternehmen betrachten Coaching als eine sinnvolle und effektive Methode, Probleme zu lösen und ihre Mitarbeiter zu unterstützen", sagt Wolfgang Looss, der vor gut 20 Jahren als erster in Deutschland Maßstäbe für die damals neue Form der Beratung setzte.

"Coaching ergibt sich oft aus dem Feedback in einem Mitarbeitergespräch oder Assessment Center", sagt Karin von Schumann. Sie arbeitet als Coach für mehrere Unternehmen und sagt, der Schwerpunkt habe sich deutlich geändert: Galt Coaching früher häufig als eine Art Reparaturmaßnahme für leistungsschwache Mitarbeiter, so sei es heute in der Regel eine Unterstützung der besten Mitarbeiter oder Talente. "Gerade aufstrebende Jungmanager bekommen immer mehr Projekte übertragen und sehen dann irgendwann kein Land mehr", so die Psychologin. Im Coaching gehe es darum, wie man Prioritäten setzt und auch mal nein sagt.

Personaler wissen inzwischen, worauf es ankommt

Das bestätigt auch die vor kurzem veröffentlichte dritte Marburger Coaching-Studie, bei der fast 1000 Coaches und 133 Unternehmen befragt wurden. Die Reflexion über das eigene Führungs- sowie Problemlösungsverhalten, das sind demnach die häufigsten Coaching-Anlässe. Hauptzielgruppe ist das mittlere und gehobene Management.

Während sich auf dem Anbietermarkt immer mehr fragwürdige Coaches tummeln, haben sich die Unternehmen bei der Auswahl deutlich professionalisiert. Viele haben einen Coach-Pool aufgebaut und stellen ihren Mitarbeitern passende Berater zur Verfügung. Bevor ein Coach dort aufgenommen wird, prüfen Personalentwickler ihn meist auf Herz und Nieren. Zum Standard gehören eine fundierte Coaching-Ausbildung, langjährige Erfahrung, Referenzen und eigene Fortbildung.

Da etliche Personaler inzwischen selbst eine Coaching-Ausbildung absolviert haben, wissen sie, worauf es ankommt. "Wenn ein Coach sagt, dass er mit dem systemischen Ansatz arbeitet, dann muss er schon sehr genau erklären können, wie er bei einem Fallbeispiel vorgehen würde", sagt Elke Sulz, Leiterin der Organisations- und Personalentwicklung beim Münchner Triebwerkshersteller MTU Aero Engines.

Coaching wird dort bei Führungskräften aller Ebenen eingesetzt, in seltenen Fällen auch bei Fachexperten. Häufigste Anlässe sind Veränderungsprozesse, etwa die Vorbereitung auf neue Aufgaben oder eine berufliche Standortbestimmung, aber auch Beziehungs- und Konfliktfragen. Dem Mitarbeiter werden zwei Coaches vorgeschlagen, dann folgt das Auftragsklärungsgespräch mit dem Personalentwickler, dem Vorgesetzten, dem Coach und dem Mitarbeiter. Dabei geht es um die Ausgangssituation, Zielsetzung sowie die Kriterien zur Zielerreichung als Grundlage für eine Coaching-Vereinbarung. Und am Ende des Coachings treffen sich alle Beteiligten zum Abschlussgespräch über die Weiterentwicklung des Mitarbeiters.

Sparringpartner für Manager

Coachings vereinbaren können zum Beispiel auch die 2800 Führungskräfte der bayerischen Landeshauptstadt München. Meist geht es um Veränderungen und Konflikte, wenn jemand eine neue Aufgabe übernimmt. Künftig bekommen frisch gebackene Führungskräfte im Anschluss an ihr einjähriges Trainingsprogramm sogar automatisch einen Coaching-Gutschein, um "weiter an der Umsetzung des Gelernten zu arbeiten", so Alexander Lendner, Leiter der zentralen Fortbildung. Zunehmend setzt die Stadt auch auf internes Coaching. Inzwischen sind bereits acht Mitarbeiter auch als Coach tätig, müssen allerdings dieselben strengen Auswahlkriterien wie die 25 externen Coaches erfüllen.

Lendner betont, dass es ausschließlich um berufsbezogene Themen gehe. Ebenso wollen Unternehmen vermeiden, dass sich Hobby-Psychologen auf vermeintliche psychische Probleme stürzen. "Mein Job als Coach ist es nicht, tief schlummernde Traumata hervorzuholen, sondern auf der Verhaltensebene zu arbeiten und den Klienten in seinem Job zu stärken", sagt Karin von Schumann.

Oft suchen Manager auch einen Sparringspartner: "Zunehmend gefragt ist die Begleitung von Führungskräften in schwierigen Situationen", sagt Achim Mollbach von Kienbaum Management Consultants. Dazu brauche ein Coach zusätzlich fundierte Kenntnisse über das unternehmerische Umfeld und müsse mit Themen wie Managementprozessen, Controlling oder internen Kommunikationsstrukturen vertraut sein. Psychologe Mollbach: "Ich kann ja auch keinen Fußballer coachen, wenn ich nicht weiß, wie Fußball funktioniert."

  • Foto: Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München.



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
ozi 02.12.2013
1.
So weit ich das sehe, greifen "Coaches" jede Menge Geld ab, fertig. Ähnlich wie Unternehmensberater vor knapp 20 Jahren. Auch hier: viel Rauch um nichts.
donnerfalke 02.12.2013
2. "Muss man hinzulernen"?
Wer sagt das Bitte "dass man hinzulernen muss"? Die Herrschaften sind absolut beratungsresistent, ein "Muss" ist hier wohl fehl am Platze.
Tahlos 02.12.2013
3. Coaching
bzw Coaches ist eins der Unwörter im Arbeits- und Privatleben. Die Leute, die im allgemeinen dahinter "stehen" sind in der Masse einfach unfähig den Job, den sie mit dieser Bezeichnung machen sollen auszuführen. Alledings merken die Auftraggeber das im allgemeinen einfach nicht, sondern denken auch noch sie würden irgendwem womöglich etwas "gutes" tun. Das stimmt jedoch nur für das Bankkonto des "Coaches". Mit Auftraggebern ist in diesem Zusammenhang auch ganz besonders die Arbeitsagentur gemeint. Hier geht es zwar nicht um Chefposten, allerdings ist die Berufsbezeichnung die gleiche.
pepe_sargnagel 02.12.2013
4.
Zitat von sysopCorbisEin anderer Job, ein Aufstieg, plötzlich Chef - da muss man hinzulernen. Packt ein Mitarbeiter neue Aufgaben an, kommt es oft zu Konflikten. Viele Führungskräfte können sich auf Firmenkosten coachen lassen. Fast immer geht's um den Umgang mit Veränderungen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/coaching-in-unternehmen-begleitung-bei-veraenderungen-a-936464.html
Statt in Zukunft persönlich miteinander reden zu müssen engagiert man "teure Gesprächsexperten". Wo steuern wir nur hin? Soll ich meinem Lehrling in Zukunft noch sagen, dass er etwas falsch macht, oder soll ich eher einen Kommunikationsexperten zu Rate ziehen? Wenn ein Kind beim Spielen mal eine Scheibe kaputtschießt macht es sich entweder auf zum Kommunikationsexperten der es dem Geschädigten (schonend) beibringt oder es oläuft davon und vergisst es ganz zu berichten. Auch nicht schlimm: Die erste Regel ist ja davonlaufen - danach dann kann man ja schon mal vergessen, dem Kommunikationsexperten bescheid zu geben... Leider scheint mir das die heutige Realität zu sein: Wer den Schaden verursacht läuft so schnell es geht davon und leider vergessen auch viele dem Experten bescheid zu geben, dass man einem anderen Schaden zugefügt hat. Das ist schon entschuldbar - nur werden dann die Ehrlichen immer seltener und -wunder was- geht die Gesellschaft den Bach runter, weil Eigentumsrechte (eine zentrale Eigenschaft dieses Systems, ohne die es nicht existenzfähig ist) "auf dem Weg zum Gesprächsonkel" vergessen werden. Wichtiger ist ja, dass es schonend mitgeteilt wird - nicht, dass es überhaupt noch mitgeteilt wird. Kein Wunder, dass auch die Diskussionskultur in Deutschland den Bach runter geht. Keiner darf ja die Wahrheit noch ungeschminkt ausdrücken - ich muss eindringlich davor warnen! Wir alle gehen damit zwar einigem Streit bzw. einigen Gewittern aus dem Weg, aber der Sache dient das alles nicht. Im Endeffekt ist doch ein reinigendes Gewitter für beide Seiten der Beste -wenn auch unangenehme- Weg. Wenn man diesen Weg auch wieder gehen "darf", dann lernen beide Seiten von der Ehrlichkeit des Anderen und können Ihr Verhalten auch anpassen - dann stimmt auch die Harmonie wieder! Die Schein-Harmonie von heute mag zwar ein Medikament sein, mit erheblichen Nebenwirkungen: Wahrheiten werden nicht mehr ausgesprochen Fehler werden nicht mehr angesprochen, Diskussionen dürfen nicht konträr sein,... Wenn das noch 2 Generationen so weiter geht braucht es einen Diktator, der alle Meinungen vorgibt - nur um nicht mehr streiten und diskutieren zu müssen.
chris_s 02.12.2013
5. Typischer Schwertfeger-Artikel...
Wie wäre es denn, wenn mal nicht ständig Coaching, Training und Beratung vermischen, sondern die Dinge sauber beim Namen nennen würde? Aber dann könnte man wohl nicht mehr mit dem Knüppel der ewig-gestrigen Diplom-Psychologin auf diejenigen eindreschen, die sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt haben. Die Welt dreht sich halt weiter, auch wenn gewisse Autoren damit nicht klarkommen. Und noch ein kleiner Tipp: Ja, man kann einen Fussballer coachen, auch wenn man nicht weiß, wie Fussball funktioniert. Man könnte ihn nur nicht trainieren...
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