Code-Knacken als Bewerbung Geheimdienst sucht Nachwuchs per Online-Rätsel

Der britische Geheimdienst GCHQ hat ein Nachwuchsproblem - deshalb sucht er jetzt Bewerber per Online-Rätsel: Wer kann den kryptischen Code knacken? Mitmachen kann jeder.

Wer's knackt, kann sich bewerben: Der britische Geheimdienst sucht neue Mitarbeiter
canyoucrackit.co.uk

Wer's knackt, kann sich bewerben: Der britische Geheimdienst sucht neue Mitarbeiter

Von


Noch vor Jahren beklagten Krimifreunde den Verfall der Geheimdienste weltweit. Die Coolness, das geheimniskrämerische Stilbewusstsein, kurz: alles, was man aus James-Bond-Filmen kennt, schien dahin. Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hatte plötzlich einen Pressesprecher und einen Fanshop, der israelische Mossad eine öffentlich zugängliche Internetseite. Und amerikanische Dienste gingen dazu über, Mitarbeiter per Zeitungsannonce zu suchen statt in zwielichtigen Hinterzimmern.

Inzwischen aber beschreitet mancher Geheimdienst originelle Wege bei der Anwerbung. Ein gutes Beispiel dafür liefert gerade der britische GCHQ (Government Communications Headquarters). Das jüngste Jobangebot: Die Fernmeldeaufklärer suchen Mitarbeiter mit herausragenden Computer- und Entschlüsselungstalenten. Es ist Stellenanzeige und Assessment Center zugleich.

Wer nämlich die Seite CanYouCrackIt.co.uk aufruft, bekommt einen ellenlangen Code zur Entschlüsselung präsentiert. Dazu keinerlei helfende Hinweise, nur ein Eingabefeld für das Passwort, auf das man in den Zahlen- und Buchstabenreihen stoßen soll.

Können Sie diese Codes knacken?

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Schön für Krimifreunde: Die Seite ist rechtschaffen geheimnisvoll gestaltet, schwarz und nicht einmal mit einem Hinweis auf den Absender versehen. Ein wenig billig dagegen sind die drei Buttons unten links, mit denen man die Seite auf Facebook, Twitter oder Google+ posten kann.

Hacker ja, illegal nein

Aus Sicht des GCHQ ist das aber der Clou an der Aktion. Das Bewerbungsspiel soll sich viral im Internet verbreiten und so Menschen erreichen, die sonst wohl kaum auf die Idee kämen, sich beim Geheimdienst zu bewerben: Hacker und jede Art von Computernerd. "Unsere Zielgruppe fühlt sich normalerweise nicht von traditionellen Stellenangeboten angesprochen und weiß teilweise nicht einmal, dass der GCHQ solche Stellen zu besetzen hat", sagte ein Geheimdienstsprecher der BBC.

Das Bewerbungsspiel ist seit 3. November online. Wer den Code knackt und das Schlüsselwort eingibt, wird laut BBC auf die GCHQ-Bewerbungsseite umgeleitet. Dort beginnt dann der normale Bewerbungsprozess mit persönlichen Gesprächen und zahlreichen Personenüberprüfungen.

So darf kein Hacker, so gut er auch sein mag, an illegalen Datentricksereien beteiligt gewesen sein. Eine andere Einstellungsvoraussetzung ist allerdings leicht zu verifizieren: die britische Staatsbürgerschaft.

Geheimdienstarbeit soll Spaß machen

Der GCHQ rühmt sich, dies sei die erste Aktion eines Geheimdienstes, die mit solch einem Online-Spiel um Hacker wirbt. Das ist ein Superlativ zu PR-Zwecken. Bereits vor drei Jahren veranstaltete der Dienst Hack-Wettbewerbe unter dem Motto: "Knack unsere Seite und bekomme einen Top-Job!" Und schon vor elf Jahren schmückten die GCHQ-Seite diverse Worträtsel, um Linguisten und IT-Experten zu ködern.

Auch heute bietet der Web-Auftritt der Behörde Spielereien an, die dem Besucher signalisieren: Geheimdienstarbeit macht Spaß, und wir sind ein offener Arbeitgeber (zumindest, bis es richtig zur Sache geht).

Einige der schönsten GCHQ-Worträtsel für Einsteiger hat KarriereSPIEGEL in diesem Quiz zusammengefasst. Qualifizieren kann man sich damit allerdings nicht. Die Worträtsel aus der Recruiting-Aktion im Jahr 2000 waren so komplex, dass selbst die besten Kandidaten an der Lösung 48 Stunden lang frickelten.

Viele Nachrichtendienste haben in den vergangenen Jahren den Zugang erleichtert. Befragt nach den Gründen für diese neue Offenheit, geben die Spionagebehörden unumwunden zu: Es ist nicht leicht, gute Leute zu bekommen.

Zu wenig Homosexuelle beim MI5

Der CIA ermöglichte deshalb Einblicke in seine Arbeit per Ferienjob - allerdings erst, nachdem die Praktikanten penibel durchleuchtet wurden. 2008 ließ sich der britische Inlandsaufklärer MI5 damit zitieren, dass er zu wenig Homosexuelle in seinen Reihen habe. Und der israelische Mossad, sonst als geheimster aller Geheimdienste gefürchtet, führte in den frühen 2000ern die Möglichkeit zur Online-Bewerbung ein.

Den Slogan "Der Mossad ist offen" nahm 2003 ein Bewerber allerdings zu wörtlich: Er hackte sich sogleich in die Server des Dienstes. Und behauptete später vor Gericht, er habe nur sehen wollen, wie sicher die Daten seiner Online-Bewerbung beim Mossad wirklich seien. Ob dieser aufdringliche, aber zweifellos talentierte IT-Spezialist vielleicht doch noch angeheuert wurde, ist nicht bekannt.

Dagegen hängt der deutsche BND an Formalien. "Online-Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden", heißt es auf der Website der Pullacher. Als Zugeständnis an die digitale Revolution kann man den Personalbogen als PDF herunterladen - "in zweifacher Ausfertigung".

Am kreativsten bei der Mitarbeitergewinnung treten aber die Briten auf. 2007 machte der GCHQ Schlagzeilen, als er Werbeplätze in Computerspielen buchte. So tauchten in den Nahkampfwelten von "Splinter Cell: Double Agent" Plakate auf, die für "Careers in British Intelligence" warben. Schlapphutreklame findet sich auch in Xbox-Spielen wie "Call of Duty" oder "Assassin's Creed".

Das aktuelle Online-Spiel zum Codeknacken läuft noch bis zum 12. Dezember und findet im Netz großes Echo - ganz im Sinne der Erfinder. Was aber, wenn sich auf diesem Weg auch das Schlüsselwort verbreitet und absolute Computerlaien bei den Geheimpersonalern anklopfen? Nicht so schlimm, findet der GCHQ: Je mehr über den Dienst im Internet gesprochen wird, desto mehr gute Bewerber gibt es.

insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
freethefreedomofpress, 01.12.2011
1. Gareth Williams
Erst letztes Jahr wurde, Gareth Williams, ein Top Code-Knacker des britischen Geheimdienstes MI6 tot in einer Sporttasche in seinem Badezimmer aufgefallen. Ich würde die Finger lassen von dem Job und dem gesamten künstlichen Glamour dieser verlogenen und hinterhältigen Geheimdienstszene.
Redigel 01.12.2011
2. Dr.
Zitat von freethefreedomofpressErst letztes Jahr wurde, Gareth Williams, ein Top Code-Knacker des britischen Geheimdienstes MI6 tot in einer Sporttasche in seinem Badezimmer aufgefallen. Ich würde die Finger lassen von dem Job und dem gesamten künstlichen Glamour dieser verlogenen und hinterhältigen Geheimdienstszene.
MI6 killed Gareth Williams war schonmal nicht das passwort... ich hoffe, die verfolgen mich jetzt nicht deswegen ;-)
Giraffenzebra 01.12.2011
3. Hehe :-)
Zitat von RedigelMI6 killed Gareth Williams war schonmal nicht das passwort... ich hoffe, die verfolgen mich jetzt nicht deswegen ;-)
"test" war es auch nicht. ;-) MfG
avollmer 01.12.2011
4. Spoiler
Die Zeichenfolge ist ein Linux-Programm das aus zwei vierstelligen Strings das Passwort errechnet. Viel Spaß.
tettomat 01.12.2011
5. Ziemlich einfach!
Man muss nur die 64 folgen in der png kennen und dann ab der zweiten stufe, was ein ecmascript ist, weitermachen. Andernfalls kann man auch einfach soyoudidit.asp an die URI dranhängen und aufrufen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.