Fluent English On the Ladies!

What did Mario Götze do so in 2014? Kolumnist Peter Littger blickt zurück auf die lustigsten Denglisch-Patzer des Jahres - und warnt vor allzu forschen rhetorischen Annäherungsversuchen auf Silvesterpartys.

Na dann Prost: Denglisch-Patzer gab es auch 2014 reichlich
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Na dann Prost: Denglisch-Patzer gab es auch 2014 reichlich


English - made in Germany. Auch im Jahr 2014 hat es unser selbstgestricktes Englisch wieder in aller Welt in die Hauptprogramme von Funk und Fernsehen geschafft. Und natürlich ins Netz: Dort schoss Weltmeisterschütze Mario Götze im Oktober den Vogel ab - Briten sagen: It took the biscuit, Amerikaner sagen: It took the cake. Auf seiner Facebook-Seite informierte Götze im Bademantel über seinen Saunabesuch und fragte die Fans: "What do you do so?"

Nicht schlimm, lieber Herr Götze! Sie hätten den Satz gar nicht nachträglich in das pseudo-slangige "What are u up to?" ändern zu brauchen. Schließlich ist Ihr "What do you do so" 1A Filserenglisch! Und das war schon vor Ihrer Geburt ein deutsches Markenzeichen, das in den berühmten "Filserbriefen" der "Süddeutschen Zeitung" kultiviert wurde.

Unvergessen ist der Politiker Lothar Späth, der sich als "Lothar Late" bezeichnete. Oder Richard von Weizsäcker, der sich als Bundespräsident absichtlich einen Brief zusammenfilserte: "I know what I am worth since Queen Elizabeth has presented me to her royal horses. But what too much is is too much. Nothing for ungood." Dann unterschrieb er mit Füller - no kidding, ohne Scheiß: "Higheightingsfull, your Federal Richard."

Nun erleben wir zwei Entwicklungen zur selben Zeit: Einerseits scheinen sich unsere Englischkenntnisse von Jahr zu Jahr zu verbessern. Das sagt jedenfalls die neueste Studie der Sprachschule EF, die die Deutschen auf dem zehnten Platz weltweit und in Europa einstuft.

Andererseits erlebe ich ständig Menschen, die ein wenig Angst haben und fragen: "Muss ich in dem Meeting wirklich Englisch sprechen?" Der Pole Donald Tusk, der seit dem 1. Dezember den Europäischen Rat leitet, hat diese Angst auf den Punkt gebracht. Seinen Antritt garnierte er mit dem Scherzchen: "I will polish my English." Es war das Spiel mit einem Wort, das mal "polnisch" (pou-lisch) und mal "auffrischen" (pollisch) bedeutet.

Oft denke ich, dass Englisch gar keine Fremdsprache mehr für uns ist, sondern eine Muttersprache - ohne Mutter! Von klein auf kennen wir einen riesigen englischen Wortschatz, der uns überfordert, so dass wir alles durcheinander werfen. Wenn ich nur daran denke, dass wir mit Quartett-Spielen groß geworden sind, die "Top Ass" heißen. Erst im letzten Jahr haben meine Kinder ein solches Kartenspiel im Restaurant "Block House" gespielt - ohnehin schon ein El Dorado für eigenwilliges Englisch ("Country Potatoes"). Meine Kinder sagen seitdem immer: "Komm, wir spielen eine Runde Oberarsch".

Auch im vergangenen Jahr haben wieder eine Reihe prominenter Deutscher um den Titel des Filserkönigs konkurriert:

  • Filsern, um zu lernen: Keiner kann es besser als der Fußballtrainer Jürgen Klopp. Er nutzt jede Gelegenheit im englischen Sprachraum, um Englisch zu üben. So auch, als sein Verein BVB Dortmund im November gegen FC Arsenal in London spielte. Damals wollte Klopp die Schwächen seiner Mannschaft mit der Phrase "da kommt eins zum anderen" erklären - und sagte: "when one comes to the other." Noch während er es rauskloppte, lachte er laut und bat den Dolmetscher um Hilfe. Antwort: "When one thing comes to the other …" Der Patzer war also weit weniger dramatisch als die 0:2-Schlappe des BVB am selben Tag.

  • Filsern, um zu verwirren: Anfang 2014 interviewte die BBC den Chef von Rolls Royce Motorcars - einen Deutschen. Sie haben richtig gelesen: Wir sind Rolls Royce! Doch nicht nur das: Der Lordsiegelbewahrer der britischen Automobilindustrie trägt mehr Umlaute in seinem Namen, als sich "Brüno"-Darsteller Sacha Baron Cohen jemals hätte ausdenken können - und wenn, dann hätte er das Unternehmen wohl gleich "Rölls Röyce" getauft. Der Mann heißt Torsten Müller-Ötvös. In dem Interview sprach Müller-Ötvös über seine typischen ultrareichen Kunden: "Those people are growing. The statistics are that they should grow two to three percent by year by year by year." Womöglich eine versteckte Warnung an alle Ottonormalverbraucher: Normalos der Welt, kauft euch Stelzen! Ihr werdet immer kleiner, selbst wenn ihr das gar nicht bemerkt.

Bevor wir uns nun Stelzen - Englisch: "stilts" - zulegen, sollten wir erst einmal in Ruhe das Ende des Jahres feiern. Das ist übrigens ein guter Anlass, noch schnell an den Urvater des Filserns zu erinnern: Uraltbundespräsident Heinrich Lübke. Über sein Englisch wird heute noch wahnsinnig viel gelästert, aus der Mode gekommen ist es trotzdem nicht. Lübkes legendären Trinkspruch "On the ladies" hört man in allen möglichen Varianten auf Empfängen und Partys - als wollten wir uns ständig gegenseitig bespringen! Mein Rat: Überlegen Sie sich Silvester genau, was Sie wollen. Und wenn Sie den Damen bloß zuprosten wollen, dann sagen Sie: "To the ladies!"

  • KarriereSPIEGEL-Autor Peter Littger sammelt in seiner "Fluent English"-Kolumne die schönsten Englisch-Patzer und Beispiele für sprachliche Kreativität. Ihn beschäftigt seit der Schulzeit, wie wir Deutschen im Ausland ankommen und mit fremden Sprachen und Sitten umgehen. Er ist Co-Herausgeber der soeben in englischer Sprache erschienenen Essaysammlung "Common Destiny vs. Marriage of Convenience. What do Britons and Germans want from Europe?"

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
cededa 29.12.2014
1. Da war Lübke
aber sehr fortschrittlich, um nicht zu sagen überemanzipiert.
scooby11568 29.12.2014
2. Manche Anekdoten sind sicherlich lustig...
aber nach so ca. 35 Jahren Erfahrung mit Englisch inkl. eines Studiums an einer amerikanischen Universität unterlaufen mir immer noch permanent Fehler. Und wisst Ihr was? Es ist völlig wurscht. Mir und meinen Gegenübern. Bisher hat noch jeder verstanden, was ich meinte. Und jeder hat sich gefreut, dass er nicht Deutsch mit mir sprechen musste. Klar sind uns andere Landsleute, wie z.B. Skandinavier, etwas voraus. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist üben, üben und üben. Aus Fehlern lernen und sich nicht durch solche Artikel den Mut nehmen lassen.
Calenberg 29.12.2014
3. Warum sollten wir nicht auch 'mal andere bereichern?
Meine Cousine, seit Jahrzehnten in Südengland ansässig, wollte ehedem ihre neue Wohnung einrichten und hatte das englische Wort für "Schrank" vvergessen. Sie benutzte die anglifizierte Form (Shränk; mit rollendem Englisch-R). Seitdem weiß man in dem kleinen Örtchen südöstlich von London, dass "Schrrränk" ein "cabinet" ist.
el_jefe 29.12.2014
4.
Einfach "bottoms up" sagen. Und wer darauf hin den Hintern in die Luft hebt, that's the one you go on.
licorne 29.12.2014
5. Grammatikfehler nimmt keiner übel.
Wenn ein Fremdsprachler im Deutschen sagen würde ' ich fahre mit die Bus', würde keiner über seine Sprachkenntnisse die Nase rümpfen. Schwieriger ist es, wenn man sich im Ton vergreift, weil man das Sprachgefühl nicht hat. Wenn z.B. jeder geduzt wird und man mit allen wie mit seinen Studentenfreunden spricht, wenn ein junger Mann zur Frau des Unidirektors sagt : Du siehst heute geil aus! Das passiert auch viel im Französischen, wenn Leute mit ihren Sprachkenntnissen glänzen wollen, die nicht in den Schulbüchern stehen, und bei jeder Situation Argot (Umgangssprache) benutzen. Solche Fehler werden nicht automatisch als Fremdsprachprobleme erkannt und verziehen und können zu sehr peinlichen Situationen führen. Gutes Training: Filme und Serien in Originalsprache schauen. Das machen die Skandinavier und Niederländer, wo nicht synchronisiert wird.
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