Bundesarbeitsgericht zu Kettenverträgen "Der Alte"-Schauspieler scheitern mit Klage gegen Rauswurf

Jahrelang spielten Pierre Sanoussi-Bliss und Markus Böttcher in der ZDF-Serie "Der Alte" zwei Kommissare. Dann war Schluss - und sie zogen vor Gericht.

Markus Böttcher (links) und Pierre Sanoussi-Bliss bei Dreharbeiten zu "Der Alte" (Archivfoto)
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Markus Böttcher (links) und Pierre Sanoussi-Bliss bei Dreharbeiten zu "Der Alte" (Archivfoto)


Wenn ein Schauspieler in einer Dauerserie mitspielt - ist das dann ein Engagement wie jedes andere oder doch eher ein fester Job? Pierre Sanoussi-Bliss, 55, und Markus Böttcher, 53, haben dagegen geklagt, dass man sie aus der ZDF-Serie "Der Alte" hinausgeschrieben hat. Und nun vor der höchsten Instanz, dem Bundesarbeitsgericht, verloren.

Für beide fiel in dem Serien-Dauerbrenner 2014 die letzte Klappe. Sie seien in der folgenden Staffel nicht mehr dabei, wurde ihnen damals mitgeteilt. Und es waren schon Drehbücher vorbereitet, die das Ausscheiden erklärten: Sanoussi-Bliss' Figur, Kommissar Axel Richter, geht in seiner letzten Folge in die USA, Böttchers Alter Ego, der Kommissar Werner Riedmann, wechselt ins BKA nach Wiesbaden.

Zuvor hatten die beiden Schauspieler eine kleine Ewigkeit an der Dauerserie mitgewirkt: Sanoussi-Bliss 18 Jahre lang, Böttcher sogar rund 28 Jahre. In der Öffentlichkeit machten sie ihrem Ärger Luft, sprachen von einem "Verjüngungswahn" - ausgerechnet bei "Der Alte". Und sie klagten gegen die Münchner Produktionsfirma.

Schließlich, so ihr Hauptargument, bestehe mit der kein gültiger Fristvertrag, und nach all den aneinandergereihten befristeten Verpflichtungen könne auch gar nichts mehr befristet werden.

"Grundlage der wirtschaftlichen Lebensführung"

Vor dem Landesarbeitsgericht in München und nun auch vor dem Bundesarbeitsgericht hatten die beiden damit allerdings keinen Erfolg. Die Richter werteten die Befristungen für die Schauspieler als wirksam und sachlich gerechtfertigt.

Die beiden Schauspieler, die bei der Verhandlung in Erfurt anwesend waren, reagierten enttäuscht, wollten sich aber zu der Entscheidung nicht weiter äußern.

"Das ist schon ein besonderer Fall", hatte die Anwältin von Böttcher, Kathrin Berger, vor der Verhandlung gesagt. "Mein Mandant hat immerhin ein Arbeitsleben mit der Rolle verbracht. Insgesamt waren es bei ihm etwa 280 Folgen."

Die beiden Schauspieler hatten mit der Produktionsfirma nach Gerichtsangaben Verträge geschlossen, die sich auf einzelne Folgen oder die Folgen des Kalenderjahres bezogen und eine Pauschalvergütung vorsahen. Im Fall von Sanoussi-Bliss zunächst 21.500 Euro, später 18.000 Euro pro Folge.

Kommissar im Film - Beamter im Leben?

Trotzdem, sagt Sanoussi-Bliss' Anwalt, von einer Befristung sei im letzten Vertrag keine Rede gewesen. In der langen Zeit sei die Tätigkeit zur "Grundlage seiner wirtschaftlichen Lebensführung" geworden und der wesentliche Inhalt seiner künstlerischen Tätigkeit. Viel Spielraum daneben habe er nicht gehabt, er habe sich sogar verpflichten müssen, keine starken Veränderungen an seinem Äußeren vorzunehmen, um nicht die Rollenfigur zu beschädigen.

Dafür habe er ein festes kollegiales Umfeld gehabt, genau wie jeder andere Angestellte. Deshalb müsse man ihn aber auch vertraglich so behandeln, mit Kündigungsfrist und dem Verbot, ohne Sachgrund beliebig oft befristete Verträge abzuschließen. Damit forderte der Jurist eine Art Bestandsschutz, die sich aus der langen Rollenverpflichtung ergeben sollte.

Die Anwälte der Produktionsfirma betonten dagegen das Recht, die Serie frei zu gestalten. Die Befristung ergebe sich schon aus der "Eigenart der Tätigkeit", wie es im Juristendeutsch heißt. Oder kurz: So ist es halt mit der Schauspielerei.

Das Bundesarbeitsgericht entschied nun, dass das Interesse des Senders überwiegt, die Serie auch kurzfristig fortzuentwickeln - und er damit auch Umbesetzungen vornehmen darf. Das Landgericht hatte noch angemerkt: "Der Kläger wusste von vornherein, dass die Entwicklung seiner langjährig verkörperten Rolle des Kommissars nicht zwingend auch die Lebenszeitbeamtenstelle erhalten würde, die ein Kommissar im realen Leben innehat."

mamk/dpa

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