Deutsche Siri "Wer sich in eine Computerstimme verliebt, tut mir leid"

Im Hollywood-Film "Her" verliebt sich ein Mann in eine Computerstimme. Das passiert auch im richtigen Leben, sagt die deutsche iPhone-Stimme Heike Hagen. Im Interview spricht sie darüber, wie sie mit Komplimenten umgeht und warum sie sich selbst nicht gern hört.

Sprecherin Heike Hagen war lange die deutsche iPhone-Stimme Siri
Heike Hagen

Sprecherin Heike Hagen war lange die deutsche iPhone-Stimme Siri

Von Anja Tiedge


Zur Person
Heike Hagen (44) ist professionelle Sprecherin. Sie synchronisiert unter anderem TV-Serien und Filme, ihre Stimme ist zudem in Navigationsgeräten und Computerspielen zu hören. Hagen wurde als deutsche Siri geoutet. Sie gab der Spracherkennungssoftware von Apples iPhone in den Versionen iOS 5 und 6 ihre Stimme.
KarriereSPIEGEL: Frau Hagen, im Film "Her", der heute in die Kinos kommt, verliebt sich ein Mann in eine Computerstimme wie Ihre. Ist Ihnen das auch schon passiert?

Hagen: So direkt hat mir das noch niemand gesagt. Es kommt aber vor, dass Leute in Foren schreiben, sie hätten sich in meine Stimme verliebt oder fänden sie toll.

KarriereSPIEGEL: Und, wie finden Sie das?

Hagen: Ich fühle mich geschmeichelt, aber es gehört irgendwie auch dazu, wenn Sie Ihren Job gut machen. Das ist ähnlich wie beim Bäcker, dem Sie ein Kompliment für seine Brötchen machen. Er wird sich über das Lob freuen, aber nicht gleich ausflippen.

KarriereSPIEGEL: Glauben Sie, es gibt Menschen, die für eine Computerstimme schwärmen oder wie im Film sogar eine Art Beziehung mit ihr führen?

Hagen: Davon bin ich überzeugt. Es gibt ja auch Männer, die Sex mit Kunststoffpuppen haben. Genauso wird es Leute geben, die sich in eine Computerstimme verlieben. Mir tun diese Menschen leid. Das grenzt ja an Psychose.

KarriereSPIEGEL: Erkennen Menschen Ihre Stimme, wenn Sie privat unterwegs sind?

Hagen: Im Job verstelle ich meine Stimme, weil ich Rollen spiele. Privat klinge ich deshalb anders. Aber es kommt vor, dass mich in einer Dönerbude alle mit großen Augen angucken, wenn ich etwas bestelle, weil ihnen meine Stimme so bekannt vorkommt. Das gleiche passiert mir des Öfteren am Telefon. Ich arbeite unter anderem für Fernsehsender, synchronisiere Filme, Serien und Computerspiele. Und ich habe für eine Airline die Sicherheitshinweise eingesprochen. Deswegen erkennen mich einige wieder.

KarriereSPIEGEL: Warum sind Sie Sprecherin geworden?

Hagen: Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen und war von klein auf von Klängen aller Art umgeben. Mein Vater war sehr erpicht darauf, meine Stimme zu schulen. Er ließ mich Texte sprechen und Lieder singen. Sobald ich einen Fehler gemacht habe, musste ich von vorn anfangen. Klar hat mir das damals nicht gepasst, aber ich habe dadurch früh Disziplin und Gehör gelernt. Das sind sehr wichtige Eigenschaften für den Beruf.

KarriereSPIEGEL: Was braucht man noch?

Hagen: Ganz viel ist Talent, man braucht eine angenehme Stimme. Außerdem sehr viel Übung, wie bei einem Instrument. Man muss Atemvolumen und Sprachwerkzeuge trainieren, also Lippen, Zunge und Kehlkopf. Das Sprechen ist körperlich anstrengend, deshalb braucht man auch Ausdauer. Außerdem sind schauspielerische Fähigkeiten wichtig, weil man sich in verschiedene Rollen hineinversetzen muss.

KarriereSPIEGEL: Haben Sie die gelernt?

Hagen: Ja, während meines Volontariats beim Radio hatte ich auch Schauspielunterricht, das gab es damals beim Hörfunk noch. Einer unserer Lehrer hat mein Talent entdeckt und mir extra Stimm- und Schauspielunterricht gegeben. Später habe ich auch Schauspielunterricht genommen.

KarriereSPIEGEL: Kann man vom Sprechen leben?

Hagen: Ich bin mit der Bezahlung zufrieden.

KarriereSPIEGEL: Die meisten Menschen mögen nicht gern ihre eigene Stimme vom Band hören. Wie ist das bei Ihnen?

Hagen: Das geht mir privat auch so. Nicht, weil es mir unangenehm wäre, sondern weil ich abschalten will. Wenn ich im Flugzeug sitze und meine Stimme höre, gibt's zwei Möglichkeiten: Entweder ich halte mir die Ohren zu, oder ich höre ganz genau hin und will wissen, ob ich meinen Job gut gemacht habe.

  • Das Interview führte Anja Tiedge (Jahrgang 1980), freie Journalistin in Hamburg.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
blauhelmchen 27.03.2014
1. Film nicht verstanden.
Wer sagt, in "Her" habe sich ein Mann in eine Computerstimme verliebt, hat den Film nicht gesehen. Oder sehr massive Verständnisschwierigkeiten.
Amerikanski1234 27.03.2014
2. optional
" Es gibt ja auch Männer, die Sex mit Kunststoffpuppen haben." Spontaner Gedanke, es gibt auch Frauen die Sex mit Kunststoffpenissen haben :D
tetaro 27.03.2014
3. Psychosen
Ist es nicht ebenso krank, dass sich zigtausende Menschen in Lichtflecken verlieben, deren Form Menschen lediglich nachempfunden ist? Wie soll man es sonst betrachten, wenn Leute für Filmstars schwärmen die sie nie getroffen haben? Oder was soll man von Kosmetik halten, warum gehen Leute nicht so aus dem Haus, wie sie morgens aus dem Bett steigen um so geliebt zu werden wie sie wirklich sind? Wozu diese ganzen chemischen Düftchen, Farben und edle Kleidung? Das Leben ist virtueller als so mancher denkt....
brehn 27.03.2014
4. naja
Bei Betrachtung der (ehe-)Partner so mancher Leute würde ich ebenso an der geistigen Gesundheit derjenigen zweifeln...also was solls. Es gibt durchaus auch Frauen, welche sich in Berümtheiten verlieben, ohne mehr als das Trugbild zu kennen, mit welchem sich diese in der Öffentlichkeit verkleiden.
Alfons Emsig 27.03.2014
5. Schöne Stimme
Keine Frage - wenn sie mich dann noch irgendwann mal versteht, könnte es was werden mit uns ;)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.