Später Feierabend Angestellte machen im Schnitt vier Überstunden pro Woche

Zu wenig Zeit für zu viel Arbeit: Knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland schiebt Überstunden. Eine Berufsgruppe ist davon besonders betroffen - mit gefährlichen Folgen.

Parkplatz bei Hannover (Archiv)
imago/Rust

Parkplatz bei Hannover (Archiv)


Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr im Schnitt etwa vier Überstunden pro Woche angehäuft. Vor allem in der Industrie und im Handwerk arbeiten die Mitarbeiter lange, wie aus einer Befragung zur Arbeitszeit von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), hervorgeht.

Besonders betroffen waren demnach aber auch Fahrer von Lieferwagen und Lastwagen, die im Schnitt 7,2 Stunden Mehrarbeit in der Woche leisten. Die Experten der BAuA weisen vor allem auf Belastungen für Paketzusteller durch den Boom des Onlinehandels hin und warnen vor den Folgen: "Da die Gruppe im Straßenverkehr beschäftigt ist, können Fehler besonders weitreichende und teilweise tödliche Auswirkungen haben."

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Die Forscher nennen zudem Fachkräfte in der Pflege sowie Beschäftigte in Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufen als Gruppen, die viele Überstunden leisten. Generell macht knapp die Hälfte aller befragten Angestellten Überstunden. Vollzeitbeschäftigte kommen im Schnitt auf fast fünf Überstunden pro Woche.

Details zur Erhebung
Wer wurde wie und wann befragt?
Befragt wurden 10.000 Beschäftige ab 15 Jahren in Form von computergestützten telefonischen Interviews. Diese fanden zwischen Mai und September 2017 statt.
Wer wurde für die Befragung beauftragt?
Mit dem Führen der Interviews wurde das Institut für angewandte Sozialwissenschaft beauftragt
Ist die Befragung repräsentativ?
Um systematischen Verzerrungen hinsichtlich der Repräsentativität der Befragung entgegenzuwirken, wurden die Daten anhand des Mikrozensus gewichtet.

Ein Drittel der befragten Arbeitnehmer gab bei der Befragung an, sie hätten das Gefühl, "dass die Arbeit im vorgesehenen Zeitraum nicht zu schaffen" sei. Ein weiterer Grund für zusätzliche Arbeit sind den Ergebnissen zufolge "betriebliche Gründe". Viele Beschäftigte arbeiten aber auch mehr als vereinbart, um etwas dazu verdienen zu können.

Die Mehrarbeit steigt mit der Verantwortung - so machen vor allem Unternehmenschefs öfter Überstunden. Außerdem sind der Untersuchung zufolge jüngere Beschäftigte eher bereit, Überstunden zu leisten. Etwa ein Viertel der Befragten gab zudem an, von ihnen werde erwartet, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein.

Positiv vermerkten die Autoren, dass es immer mehr Möglichkeiten gebe, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Insgesamt aber habe sich die Zahl der Überstunden im Vergleich zur ersten Befragung vor drei Jahren kaum verändert. Die BAuA mit Sitz in Dortmund ist beim Bundesarbeitsministerium angesiedelt.

kha/AFP

insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
user124816 26.10.2018
1.
4 Stunden kann ich bestätigen. Dafür gehe ich aber heute um 12:00 nach hause, und den Rest spare ich mir für Gleittage die ich an den Urlaub hänge. Mit anderen Worten: Ich habe eine 4,5 Tage Woche und zwei mal im Jahr einen ganzen Monat frei.
hajueberlin 26.10.2018
2. Kraftfahrer allgemein
Hallo, ihr habt vergessen, die Busfahrer zu erwähnen(bin Busfahrer). Dort gibt es genauso einen Fahrermangel. Egal ob im Ortsverkehr, regional oder international. Und der wird genauso mit Überstunden kompensiert. Nicht uninteressant, oder? ;-))
hajueberlin 26.10.2018
3. Kraftfahrer allgemein
Hallo, ihr habt vergessen, die Busfahrer zu erwähnen(bin Busfahrer). Dort gibt es genauso einen Fahrermangel. Egal ob im Ortsverkehr, regional oder international. Und der wird genauso mit Überstunden kompensiert. Nicht uninteressant, oder? ;-))
frankfurtbeat 26.10.2018
4. das ...
das fällt auch unter "Menschen in Arbeit gebracht" wie man es von der Politik immer wieder zu hören bekommt. Paketzusteller müssen die Stunden bringen da sie sonst als Sub nicht über die Runden kommen. LKW-Fahrer sind dem Druck des Wettbewerbs aus Osteuropa ausgesetzt. Aber auch in vielen jobs - 40h Vertrag - werden die MA angehalten Überstunden zu machen um das AV nicht zu gefährden. Wenn mir heute einer sagt das heutzutage aufgrund der Digitalisierung alles viel einfacher geworden ist, frage ich mich inwieweit man früher auch das Arbeitsvolumen von 2-3 Mitarbeitern geliefert hat. Defintiv nein! Heute wird zwar vieles digital und daher schneller und gegebenenfalls einfacher verarbeitet aber die zu erbringende Leistung hat sich ver-x-facht. Wo früher 2-3 Mitarbeiter nötig waren sitzt heute ein zumeist überlasteter Mitarbeiter - so sieht es aus - alles andere sind Geschichten vom Amt :-)
kastenmeier 26.10.2018
5.
Zitat von user1248164 Stunden kann ich bestätigen. Dafür gehe ich aber heute um 12:00 nach hause, und den Rest spare ich mir für Gleittage die ich an den Urlaub hänge. Mit anderen Worten: Ich habe eine 4,5 Tage Woche und zwei mal im Jahr einen ganzen Monat frei.
... dann sind Sie mit "vier Überstunden pro Woche" auch sicher nicht gemeint.
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