Auswahlverfahren Diese Frauen wollen die erste deutsche Astronautin werden

2020 soll zum ersten Mal eine Frau aus Deutschland ins All fliegen. In Hamburg haben jetzt die Auswahltests begonnen. Fünf Kandidatinnen erzählen, warum sie unbedingt zur ISS wollen.

DLR

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Elf Astronauten hat Deutschland bisher ins All geschickt, alle elf waren Männer. Eine private Initiative will nun die erste deutsche Frau ins All bringen. Bis März 2017 sollen zwei Kandidatinnen feststehen, die ihre Ausbildung im kommenden Jahr beginnen. 2020 soll eine von beiden zur Internationalen Raumstation ISS fliegen und dort zehn Tage verbringen.

Mehr als 400 Frauen haben sich beworben. 86 haben es in die nächste Runde geschafft und werden nun in Hamburg vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen Tag lang auf die Probe gestellt: Wie gut können sie sich konzentrieren? Wie steht es um Merkfähigkeit und räumliche Vorstellungskraft?

Für die besten 30 Bewerberinnen geht es im Januar in Köln weiter. In Interviews und Gruppenaufgaben müssen sie zeigen, wie belastbar und motiviert sie sind. Zehn Frauen werden danach zu umfassenden medizinischen Tests eingeladen. Externe Gutachter aus der Raumfahrtmedizin entscheiden im letzten Schritt darüber, wer fit genug ist fürs All.

Die Auserwählte fliegt allerdings nicht als Berufsastronautin zur ISS, sondern als "kommerzielle Astronautin" - mit anderen Worten: als Weltraumtouristin. Ihr Flug wird mit privatem Geld finanziert, die Initiative kalkuliert mit rund 40 Millionen Euro. Die Summe soll von Sponsoren kommen, die im Gegenzug von der PR der Astronautin, aber auch von ihren Experimenten im All, profitieren könnten.

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Deutsche im All: Elf Männer, bisher keine Frau

Die Kosten für das Auswahlverfahren trägt das DLR. Es wertet die Daten aus den Eignungstests aus, erhofft sich aber auch neue Erkenntnisse von der Astronautin selbst. Die hormonellen Veränderungen bei Frauen in der Schwerelosigkeit seien bisher zum Beispiel wenig erforscht, sagt DLR-Ärztin Claudia Stern. Auch das Sehvermögen und der Hirndruck veränderten sich im All bei Männern und Frauen unterschiedlich.

Hinter der Initiative steckt Claudia Kessler, Top-Managerin einer auf die Raumfahrtbranche spezialisierten Personalvermittlung, die unter anderem die Europäische Weltraumorganisation (Esa) mit Fachkräften versorgt. Eine Astronautin könnte zum Vorbild für junge Frauen avancieren, die sich für naturwissenschaftliche und technische Themen interessieren, hofft sie.

Ihr erstes Ziel hat sie schon erreicht: Sie hat gezeigt, dass es genügend interessierte und qualifizierte Frauen für den Job einer Astronautin gibt. Wir stellen fünf von ihnen vor:

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zeichenkette 24.10.2016
1. Tja
Da waren die Amerikaner, die Russen und die Chinesen mal wieder viel schneller als Europa.
schlüsselkind 24.10.2016
2. Warum...
...drückt man diesen schon unabhängig vom Auswahlverfahren ersichtlich in ihren jeweiligen Bereichen hochqualifizierten Personen für's Foto einen _Spielzeug_-Astronautenhelm in die Hand? Hätte man da nicht ein echtes Utensil verwenden können?
ted211 24.10.2016
3. Playload Integration Manager bei Airbus?
Ich nehme an, die Dame integriert die Payload bei Airbus. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
Senf-Dazugeberin 24.10.2016
4. Mädels, ich bin stolz auf euch
Meiner Tochter im Kindergartenalter versuche ich so viel Gleichberechtigung und Du-kannst-alles-werden-was-du-willst wie möglich zu vermitteln. Natürlich unterstütze ich sie trotzdem auch bei allen Mädchen-Interessen, die sie aktuell hat. Ich freue mich schon drauf, eine von euch als Vorbild präsentieren zu können und vielleicht weckt eine deutsche Astronautin ja später auch mal ihr Interesse an naturwissenschaftlichen Themen. Wobei ihr Berufswunsch grade noch Prinzessin, Tanzlehrerin oder "Auto-Reparateurin" ist aber das kann sich ja noch ändern...
waldschrat_72 24.10.2016
5. Möge die Macht..
..mit Euch sein. Mal ernst: Es ist längst höchste Zeit für eine Deutsche im All. Und eigentlich ziemlich schäbig, daß dieses sehr sinnvolle Unternehmen aus privatem Sponsoring heraus bezahlt werden soll/muss. Wir geben in unserem Land für ganz andere Sachen so viel unsinnig viel Geld aus. Viel Erfolg allen Kandidatinnen ! Und schade (und sehr hart finde ich), dass von den verbleibenden 2 Finalistinnen dann nur eine wirklich fliegen darf.
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