Gender-Pay-Gap Frauen verdienen nach wie vor ein Fünftel weniger als Männer

Die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen ist unverändert groß. Vieles davon lässt sich mit schlechter bezahlten Jobs erklären, in denen Frauen arbeiten. Aber nicht alles.

Frauen verdienen weniger als Männer (Symbolbild)
imago / Westend61

Frauen verdienen weniger als Männer (Symbolbild)


Während Männer im vergangenen Jahr auf einen Stundenlohn von durchschnittlich 21 Euro brutto kamen, waren es bei Frauen 16,59 Euro - und damit 21 Prozent weniger. Somit war die Einkommenslücke nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts genauso groß wie ein Jahr zuvor.

Große Unterschiede beim unbereinigten Gender-Pay-Gap gibt es nach wie vor zwischen Ost und West: Während der Verdienstunterschied im früheren Bundesgebiet bei 22 Prozent liegt, ist er in den ostdeutschen Ländern mit sieben Prozent deutlich niedriger. Im Westen ging der Wert 2017 gegenüber dem Vorjahr leicht um einen Prozentpunkt zurück, im Osten blieb er unverändert.

Rund drei Viertel dieses Verdienstunterschiedes lassen sich den Statistikern zufolge durch unterschiedliche Branchen und Berufe erklären, in denen Frauen und Männer arbeiten. Zudem sind Frauen häufiger als Männer in schlechter bezahlten Teilzeitjobs tätig und seltener in Führungspositionen.

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Werden Frauen und Männer mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verglichen, ist der Lohnunterschied kleiner. Dieser bereinigte Gender-Pay-Gap wird allerdings nur alle vier Jahre erhoben. Im Jahr 2014 lag diese Lücke bei sechs Prozent. Die Statistiker gehen jedoch davon aus, dass sich die Faktoren, die die tatsächliche Einkommenslücke beeinflussen, seither kaum verändert haben.

Daten zu Erwerbspausen etwa für die Kindererziehung lagen dem Statistischen Bundesamt nicht vor. Deshalb sei der ermittelte Wert von sechs Prozent eine Obergrenze. Er wäre geringer ausgefallen, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren zur Verfügung gestanden hätten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte eine bessere Bezahlung in frauendominierten Berufen. Die neue Bundesregierung müsse schnell für mehr Gleichstellung sorgen, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, sagte DGB-Vize Elke Hannack. Dazu zählten das geplante Rückkehrrecht aus Teilzeit in Vollzeit und die angekündigten Verbesserungen von Arbeitsbedingungen und Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege.

lov/AFP/dpa

insgesamt 86 Beiträge
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corvus cornix 15.03.2018
1. ...
Laßt endlich diese reißerischen Überschriften, wenn der Autor im Artikel dannzugeben muß, daß selbst die bereinigten 6% eher eine Obergrenze darstellen!!! Eine falsche Aussage wird davon nicht wahrer, daß sie laut und oft in den Raum gestellt wird, im Gegenteil, dieses ständige Hervorheben der unwahren 20% vergrätzt nach und nach jeden, der sich vielleicht noch sachlich damit beschäftigen will. Eine Frau ohne GenderGap
Theya 15.03.2018
2. Panikmache
"Deshalb sei der ermittelte Wert von sechs Prozent eine Obergrenze. Er wäre geringer ausgefallen, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren zur Verfügung gestanden hätten." -- Diese zwei im hinteren Teil des Artikels versteckten Sätze erzählen also die tatsächliche Wahrheit, abseits von Entrüstungsbeißreflexen. Nicht 21 Prozent wie beim Vergleichen von Äpfeln mit Birnen "errechnet" wird, sondern höchstens 6 Prozent bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit (alles andere zu vergleichen ergibt nun wirklich wenig Sinn). Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass irgendwann der Unterschied in der Bezahlung zwischen Mann und Frau exakt Null betragen wird. Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit immer eine Seite leicht über der anderen liegen. Sollten die Frauen die Männer einmal überholen, bin ich mal gespannt, ob der Aufschrei dann ähnlich laut und wiederkehrend ist. Wenn die Diskussion um die Benachteilung von Jungs in Schulen als Vorbild herangezogen werden kann, dann wohl eher nicht.
spon_3175452 15.03.2018
3. bereinigt 6% sind doch ok
6% sind es auch innerhalb der Geschlechter. In tarifvertraglich gebundenen Betrieben sind es übrigens 0 %, bereinigt, wenn man nicht Äpfel und Birnen vergleicht.
slashmaxx 15.03.2018
4. Täglich grüßt das Statistische Bundesamt
Wer sich bißchen mit Statistik befasst, sollte diese Statistik ohne Probleme richtig einsortieren. Wer noch nicht, kann sich gerne den folgenden Artikel zu Erhebung der Statistik reinziehen und seine Schlüsse selber ziehen: https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html?seite=all
heinrichhaine 15.03.2018
5. Gut bedient
Mit einem Fünftel weniger sind sie m.E. gut bedient. Man kann ja nicht alles reglementieren - irgendwo sind die Damen dann auch selbst für ihr Einkommen verantwortlich. Wenn sie meinen sie sind ein Gehalt X wert, dann sollen sie es bitte bei ihrem Vorgesetzten einfordern. Wenn dieser der gleichen Meinung ist, dann wird er das Gehalt akzeptieren. Ist er anderer Meinung, dann kann die Frau akzeptieren oder ihre Konsequenzen daraus ziehen. Männer und Frauen sind de facto in ihren Stärken und Schwächen unterschiedlich...und diese Unterschiede machen sich eben auch beim Gehalt bemerkbar. Eine Chefin bezahlt ihre weiblichen Angestellten auch nicht besser als ein Chef das tut. Und gehen Frauen zum Friseur, dann geben sie für einen Friseur mehr Geld aus als für eine Friseurin. Diese Heuchelei, seitens der Damen, geht mir so langsam auf den Keks. Ebenso wie so mancher enteierte Geschlechtsgenosse.
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