DGB-Umfrage Knapp die Hälfte der Beschäftigten hat Angst vor ihren Vorgesetzten

Die Kommunikation stimmt nicht, Informationen gehen verloren, der Ton ist unangemessen: Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, offen mit ihrem Chef zu reden, wenn es nicht läuft.

Angst am Arbeitsplatz (Symbolbild)
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Angst am Arbeitsplatz (Symbolbild)


Wenn Angestellte Probleme mit Kollegen, Vorgesetzten oder im Betrieb haben, trauen sich viele nicht, diese offen zur Sprache zu bringen. Knapp die Hälfte aller Mitarbeiter (44 Prozent) hat Angst davor, Schwierigkeiten bei den Chefs oder der Geschäftsführung anzusprechen. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt.

Bei Mitarbeitern, die 55 Jahre und älter sind, liegt der Anteil derjenigen, die Angst haben, sogar bei 52 Prozent. Bei jüngeren Beschäftigen nimmt knapp jeder Dritte (30 Prozent) ein angstbesetztes Betriebsklima wahr.

DGB-Umfrage zum Betriebsklima
Von wem stammt die Umfrage?
Die Umfrage zum Betriebsklima beruht auf den Daten der bundesweit repräsentativen Beschäftigtenbefragung zum Index Gute Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Damit werden Arbeitnehmer nach der Qualität ihrer Arbeitsbedingungen befragt. Gegenstand der Interviews sind die Belastungs- und Einkommenssituation sowie die Ressourcenausstattung auf der Arbeit.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die jährliche telefonische Erhebung beruht auf einer repräsentativen Zufallsstichprobe abhängig Beschäftigter mit einer Wochenarbeitszeit von zehn Stunden und mehr.
Wie wurden die Daten ausgewertet?
Für die Auswertung wurden die Antworten auf drei Fragen zum Betriebsklima aus dem Jahr 2018 analysiert. Die verwendete Stichprobe umfasst eine Fallzahl von 8.011 befragten abhängig Beschäftigten (ohne Auszubildende) aus allen Branchen, Einkommens- und Altersgruppen, Regionen, Betriebsgrößen und Beschäftigungsverhältnissen, gewerkschaftlich Organisierte wie Nicht-Mitglieder.

Auch die Größe eines Unternehmens spielt hierbei eine Rolle. Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten werden hinsichtlich des Betriebsklimas etwas positiver bewertet als mittlere und größere Unternehmen. Allerdings hat auch hier rund jeder Dritte (34 Prozent) Angst davor, seine Meinung offen zu sagen.

Wenn Beschäftigte sich nicht trauen, Probleme anzusprechen, dann denken sie eher darüber nach, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Etwa jeder Zehnte überlegt in so einem Fall, das Unternehmen zu verlassen.

Zu wenig Wertschätzung

Die DGB-Umfrage ergab auch, dass jeder Dritte Beschäftigte (32 Prozent) das Gefühl hat, zu wenig vom Chef wertgeschätzt zu werden. Je anspruchsvoller indes die ausgeübte Tätigkeit ist, desto häufiger berichten Beschäftigte davon, von ihren Vorgesetzten wertgeschätzt zu werden. Bei Mitarbeitern, die hochkomplexe Tätigkeiten ausführen, liegt der Anteil bei 77 Prozent, bei Beschäftigen, die Hilfstätigkeiten ausüben, beträgt er 56 Prozent.

Kollegen unterstützen sich untereinander laut der Umfrage allerdings oft: 85 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen ihre Kollegen in hohem Maße helfen. In den Unternehmen, in denen Kollegialität gefördert wird, berichten 94 Prozent der Befragten von Hilfen durch Kollegen. Dort, wo es diese Förderung nicht gibt, sind es nur 70 Prozent.

kha



insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
zauberer2112 24.01.2019
1. Jeder ist ersetzbar
So wird in diesen Unternehmen gedacht. Ich war auch in welchen, in denen ich Kritik geäußert habe, was ebenfalls nicht gut ankam. Da bin ich dann halt gewechselt. Und seit über 10 Jahren jetzt in einem Unternehmen, in dem man mit den Vorgesetzten sehr gut reden kann. Leider haben wir neulich fusioniert und seitdem hat sich leider einiges zum Schlechten verändert. Ab einem gewissen Alter (und entsprechend langer Betriebszugehörigkeit) kann man das aussitzen, aber mit um die 30 geht das nicht.
vincent_freeman 24.01.2019
2. Kaum einer will es hören
Welcher Vorgesetzte möchte Probleme berichtet bekommen? Die wenigsten! Bedeutet es doch, dass es unbequem und mühevoll werden könnte. Noch geringer ist leider der Anteil jener Chefs, die es als Chance zur Verbesserung im Team und im Miteinander sehen. Glücklicherweise gibt es doch einige. Diesen gilt es als Mitarbeiter zu finden.
Edgard 24.01.2019
3. In meinem bisherigen Berufsleben...
... d.h. seit rd. 40 Jahren habe ich gute und schlechte Vorgesetzte gehabt (und war auch selbst einer) und zwar sowohl militärisch als auch zivil.. Mein Eindruck ist daß es auch mit allen Erkenntnissen und Schulungen schlimmer geworden ist. Mein letzter Vorgesetzter entlarvte seine angebliche Führungsstärke als Fake - und sein Spruch "ich bin ein guter Schauspieler" machte mir endgültig klar daß auch seine angebliche Sozialkompetenz falsch und opportunistisch war. Hier zeigt sich - mit guter Kompetenz kann man auch in meinem Alter einen neuen Job bekommen - sogar in einer anderen Branche als Quereinsteiger. Und so kann ich - sollten wir uns je wieder begegnen - mit einem Lächeln Götz von Berlichingen zitieren.
Hamberliner 24.01.2019
4. Re: Jeder ist ersetzbar
Zitat von zauberer2112So wird in diesen Unternehmen gedacht. Ich war auch in welchen, in denen ich Kritik geäußert habe, was ebenfalls nicht gut ankam. Da bin ich dann halt gewechselt. Und seit über 10 Jahren jetzt in einem Unternehmen, in dem man mit den Vorgesetzten sehr gut reden kann. Leider haben wir neulich fusioniert und seitdem hat sich leider einiges zum Schlechten verändert. Ab einem gewissen Alter (und entsprechend langer Betriebszugehörigkeit) kann man das aussitzen, aber mit um die 30 geht das nicht.
Die Betriebszugehörigkeit hat doch mit dem Alter nichts zu tun. Man kann ja vorher woanders gearbeitet haben. Es geht auch ohne lange Betriebszugehörigkeit. Wo ich arbeite wurde ich von Anfang an um die zugesagte Position betrogen. Knapp 10 Jahre lang. Jetzt, wo die Täter nach und nach das Unternehmen verlassen haben, bin ich dank Aussitzen tatsächlich Hauptverantwortlicher des Fachgebiets und Geschäftszweigs wie von Anfang an vorgesehen, und alles ist gut. Ich empfehle das zur Nachahmung, denn wer dauernd von Arbeitgeber zu Arbeitgeber vagabundiert fängt jedesmal wieder ganz von vorne an und kann sich viel schlechter zu einem begehrten seltenen Spezialisten entwickeln.
max-mustermann 24.01.2019
5. Im Westen nichts Neues
Es hat sich nun mal in den Köpfen vieler Unternehmer das ewige Mantra der BWLer festgesetzt das Arbeitnehmer ein unnützer Kostenfaktor sind derer mann sich möglichst bei jeder sich bietenden Gelegenheit entledigt. Also wieso sollte mann diese AN dann auch anständig behandeln oder, Gott beware, anständig bezahlen ? Aber lauthals Fachkräftemangel schreien, das können sie die "Leistungsträger".
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