DGB-Report Jeder zehnte Azubi wird gar nicht ausgebildet

Angehende Mechatroniker sind zufrieden, Maler und Hotelfachkräfte nicht: Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds schwankt die Qualität der Ausbildung stark.

Zwei angehende Mechatroniker
DPA

Zwei angehende Mechatroniker


Bier holen, Babysitten oder den Büroboden wischen - jeder zehnte Azubi muss regelmäßig Tätigkeiten übernehmen, die nicht zur Ausbildung gehören. Was dazu gehört und was nicht, wissen manche gar nicht: Einem Drittel der Auszubildenden liegt kein betrieblicher Ausbildungsplan vor. Das geht aus dem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds hervor, für den mehr als 13.000 Lehrlinge befragt wurden.

13 Prozent der Befragten gaben an, nie oder nur selten von einem Ausbilder angeleitet zu werden. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Die Zahl der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden machen muss, ist von 42,2 Prozent im Jahr 2009 auf 34,8 Prozent zurückgegangen. Nur 14,4 Prozent erhalten keinen Ausgleich für diese Mehrarbeit - 2010 hatte dieser Wert noch bei 20 Prozent gelegen.

Befragt wurden Azubis der 25 häufigsten Ausbildungsberufe. 72 Prozent sagten, sie seien insgesamt mit ihrer Ausbildung zufrieden - es gibt aber erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen: Mechatroniker, Industriekaufleute und Zerspanungsmechaniker bewerten ihre Ausbildung überwiegend sehr gut, Fachverkäufer des Lebensmittelhandwerks, Zahnmedizinische Fachangestellte, Malerinnen und Auszubildende in Hotels und Gaststätten überwiegend schlecht.

"Seit mehr als zehn Jahren stellen wir erhebliche Missstände in der Ausbildungsqualität fest, ohne dass es relevante Verbesserungen gegeben hätte", schimpft DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. "Es ist ein Armutszeugnis, wenn Druck, Stress und schlechte Ausbildungsbedingungen für sehr viele junge Menschen schon am Anfang ihres Arbeitslebens stehen."

Fast 60 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, auch krank zur Arbeit zu gehen. Jeder Zweite sagte, er fühle sich durch schlechte Arbeitsbedingungen oder hohe Anforderungen stark belastet, jeder Fünfte sieht sich hohem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt.

Und 44 Prozent der Auszubildenden im dritten Lehrjahr wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden.

vet/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cabeza_cuadrada 01.09.2016
1. fällt da niemandem was auf?
In den besagten Fällen werden die Azubis nicht ausgebildet sondern angelernt. Es sind offensichtlich eben Anlerntätigkeiten die keine Ausbildung erfordert. Im ernst, mal abgesehen von Sterneküche, welche Restaurantfachkraft lernt 3 Jahre was viele schon neben dem Studium als Job gemacht haben. Man nannte es kellnern. Früher konnte jeder bei einer Fastfoodbude einfach jobben, heute trifft man da Azubis zum Systemgastronom an. Verrückte Welt.
accessfreeze 01.09.2016
2.
das ist aber ein bisschen Kurz gedacht, ich habe auch zuerst in der Gastronomie gerlernt, und glauben sie mir es gibt dort einiges zu lernen. Das ist mit dem "kellnern" in der Kneipe um die Ecke (was ich heute auch noch tue) bei weitem nicht zu vergleichen.
exHotelmanager 01.09.2016
3. Kellnern kann nicht jede/r
Diese Ausbildung umfasst tiefe Sachkenntnis über die Produkte, Lebensmittelhygiene, über die Arbeitsergonomie sowie über Lagerhaltung, Einkauf, Arbeitsplanung und Abrechnung. Wer glaubt, dass das nur in der Sterneküche notwendig ist, sollte einfach mal selbst in der Branche arbeiten.
cobaea 01.09.2016
4. was soll denn das?
Zitat von cabeza_cuadradaIn den besagten Fällen werden die Azubis nicht ausgebildet sondern angelernt. Es sind offensichtlich eben Anlerntätigkeiten die keine Ausbildung erfordert. Im ernst, mal abgesehen von Sterneküche, welche Restaurantfachkraft lernt 3 Jahre was viele schon neben dem Studium als Job gemacht haben. Man nannte es kellnern. Früher konnte jeder bei einer Fastfoodbude einfach jobben, heute trifft man da Azubis zum Systemgastronom an. Verrückte Welt.
Wie kommen Sie zu dieser Behauptung? Befragt wurden Lehrlinge im 3. Lehrjahr - und nicht zufrieden sind neben Hotel- und Gaststättenberufen auch Azubis der Maler und zahnmedizinische Fachangestellte. Das sind Ihrer Meinung nach alles "Anlerntätigkeiten, die keine Ausbildung erfordert"? Welche "Restaurantfachkraft lernt 3 Jahre"? z.B. KöchInnen (mit Lebensmittelrecht), Hotel-Fachangestellte (die neben "kellnern" auch alles andere lernen, was man im Hotel-/Restaurantgewerbe so braucht - vom Empfang bis zum Zimmerdienst). Nicht jedes Restauarnt ist eine Fastfoodbude, in der man nur die Pommes über den Tresen reicht - und die möglichst noch aus zwei Wochen altem Frittierfett. Und was ein Maler gelernt hat, merken Sie spätestens, wenn die Tapete an der Wand nicht hält. Die nur angelernte Zahnmedizinische Fachangestellte ....
RainerCologne 01.09.2016
5. Überstunden?
"Die Zahl der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden machen muss, ist von 42,2 Prozent im Jahr 2009 auf 34,8 Prozent zurückgegangen. Nur 14,4 Prozent erhalten keinen Ausgleich für diese Mehrarbeit - 2010 hatte dieser Wert noch bei 20 Prozent gelegen." Und das, obwohl Azubis gar keine Überstunden leisten dürfen. Wieso ist es kein Thema, das knapp 35% Überstunden leisten, obwohl diese für Azubis gar nicht vorgesehen sind?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.