Erfolgsgeschichten von Karrierefrauen "Die alte Garde von Despoten dankt ab"

Das Privatfernsehen der Achtziger war eine Männerbranche. Diana Iljine kämpfte sich nach oben, als Managerin bei RTL2. Obwohl sie es ohne geschafft hat: Heute wünscht sie sich eine Frauenquote.

Film- und Fernsehmanagerin Diana Iljine: Kamera läuft!
Sonja Calvert

Film- und Fernsehmanagerin Diana Iljine: Kamera läuft!


Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und sagen, worauf es dabei ankommt. Heute: Diana Iljine, Star in Eigenregie und Geschäftsführerin. Sie leitet das Filmfest München, einen der wichtigsten internationalen Treffpunkte für die Branche wie für die Fans.

"Nach meinem Studium der Kommunikationswissenschaften arbeitete ich parallel zu meinem ersten Job in der Programmplanung bei Premiere und an einem Buch über Filmproduktion. Abends kam ich nach Hause und schrieb bis 3 Uhr morgens. Samstags habe ich erst einmal ausgeschlafen, dann aber wieder bis in die Nacht geschrieben. Meine Freunde, die am Wochenende feiern gingen, sahen mich höchstens einmal zum Frühstück. Aber es lohnte sich: Meine Abschlussarbeit wurde zum Buch. 'Der Produzent' steht heute als Standardwerk in allen Fachbibliotheken.

Anfang der Neunzigerjahre wechselte ich zu RTL2 - zunächst als Filmeinkäuferin, später wurde ich Leiterin des Programmeinkaufs. Es war die Zeit, in der die privaten TV-Sender sich vergrößerten und immer wichtiger wurden. Wir verbrachten Monate in Hollywood und sichteten schon damals die neuesten Serien.

Alle Chefs in dieser Zeit und auch noch später waren Männer. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass bei RTL2 kein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht wurde. Wir hatten alle die gleichen Chancen. Das brachte mir damals viel Selbstsicherheit ein. Man musste allerdings einen großen Einsatz zeigen: 70-Stunden-Wochen waren eine Selbstverständlichkeit. Das Privatleben war ad acta gelegt.

Zwischendurch noch Wirtschaft studiert

Nach drei Jahren wurde ich von einem Headhunter für die Telekom rekrutiert. Ich fing dort als Content-Managerin bei T-MediaNet an und kümmerte mich um den Aufbau von TV-Sendern im Kabelnetz. Nach sieben Jahren Telekom kam ich zu dem internationalen Vertrieb Telepool und baute den Programmeinkauf für den Bayerischen Rundfunk auf.

Ich war Ende 30 und hatte noch 20 Jahre meines Berufslebens vor mir. Seit vielen Jahren war ich in Führungspositionen im Medienbereich. Geschäftsführer werden aber immer die, die Wirtschaft oder Jura studiert haben, selten die, die aus dem Bereich der Geisteswissenschaften kommen. Das brachte mich zum Umdenken und ich beschloss noch einmal zu studieren - und zwar Wirtschaft. Ich erhielt ein Stipendium für einen MBA an der renommierten Steinbeis Hochschule in Berlin.

Seit 2011 leite ich als Geschäftsführerin die Internationale Münchner Filmwochen GmbH, und bin damit Chefin vom Filmfest München und vom Internationalen Festival der Filmhochschulen. Mein Traumjob! Alle Puzzleteile meiner beruflichen Karriere fließen hier wie selbstverständlich zusammen.

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Weiberwirtschaft: Männliche Macht, weiblicher Mumm
Wenn ich in der Männerwelt scheu war oder meinte, mir hätte jemand auf die Füße getreten, rief ich empört meinen Vater an und holte mir bei ihm Rat. Er verweigerte mir eine weiblich empfindliche Sicht und meinte, ich solle Dinge sportlich nehmen und nicht persönlich.

Es ist allgemein wichtig - auch in der Karriere -, erfahrene Menschen um Hilfe und Rat zu bitten und auch Danke sagen zu können. Außerdem muss man auf Menschen und Situationen zugehen. Die kommen nicht von selbst hereinspaziert, nur weil man gut ist oder fleißig.

Eine dicke Schicht von Männern

Obwohl ich persönlich sehr gute Erfahrungen auf dem Karriereweg gemacht habe, halte ich es dennoch mit Laura Liswood, einer der großen Frauen bei Goldman Sachs: 'There's no such thing as a glass ceiling for women. It's just a thick layer of men.'

Das kann einen manchmal ermüden. Deutschland könnte meiner Meinung nach weiter sein. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass es für beruflich erfolgreiche Frauen schwer sein kann, Kinder zu kriegen. Das Private kommt oft zu kurz. Ich bin jeden Tag dankbar für unsere wunderbare Tochter und dafür, dass ich Familienleben und Karriere kombinieren kann.

Ich trete für eine Frauenquote ein. Anscheinend braucht es sie, um die entsprechenden Strukturen zu schaffen und Frauen in Deutschland die Wahl zu geben.

Wenn ich die nächsten Generationen sehe, habe ich viel Hoffnung. Sie sind lockerer und emanzipierter - Männer wie Frauen. Außerdem legen sie Wert auf ihr Privatleben. Ich finde es wichtig, beides zu wollen - Karriere und Privatleben. Die alte Garde von despotischen Chefs dankt langsam ab. Frauen werden in den nächsten Jahren sehr gute Chancen haben. Frau muss sie dann nur ergreifen!"

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

insgesamt 51 Beiträge
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Criticz 16.01.2015
1. Es sind immer die gleichen Denkfehler...
da erklärt Frau Illjina dass es nie eine Ungleichheit bei den Chancen gab und meint zudem, dass die junge Generation "emanzipierter" sei. Warum dann aber eine Frauenquote? Nur weil Männer überrepräsentiert sind (oft erklärbar - wer hat denn all die Sender gegründet? Ähnliches ja in der IT-Branche) - dann müsste man in Schulen auch Männerquoten einführen. Nur davon hört man nichts. Genau diese junge - emanzipierte - Generation von Männern wird die männerdiskriminierende Quote treffen. Die alten "Despoten" (man stelle sich vor ein Mann schreibt so über Frauen....) haben da längst ihre Schäfchen im trockenen. Letztlich werden junge Männer in Kollektivhaft genommen und sollen sich wegen Vorgängergenerationen benachteiligen lassen. Ein modernes Geschlechter- und Gerechtigkeitsverständnis sieht anders aus, Frau Illjina.
roenga 16.01.2015
2. Verwirrend
"Alle Chefs in dieser Zeit und auch noch später waren Männer. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass bei RTL2 kein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht wurde. Wir hatten alle die gleichen Chancen." "Die alte Garde von despotischen Chefs dankt langsam ab." Sind das dann dieselben Chefs die Ihr, wie Sie selbst sagt, alle Chancen zum Aufstieg gegeben haben? So komm es halt, wenn Frau auf Teufel komm raus das uralte Klischee vom bösen despotischen Frauen verachtenden Chef (Mann) gegenüber der sanften, klugen, gerechten Chefin (Frau) verbreiten will, ohne zu bemerken, dass Sie sich dabei in Widersprüchen verheddert. Menschen die um fast jeden Preis, auch um den eines Privatlebens in 70 tunden Wochennach oben kommen wollen, sind mehr oder wenige vom selben Phänotyp - ausgeprägte Ellenbogen gekoppelt mit großem Ego und eher wenig Sozialkompetenz. Je mehr Frauen in Führungspositionen kommen, umso deutlicher wird, dass es hier eher wenig Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, auch wenn uns dies die Genderexpertinnen immer wieder weismachen wollen.
vonromberg 16.01.2015
3. Kein Unterschied! Männlein und Weiblein hatten die gleichen Chancen
Na so was: in den 90ern bereits... hatten Männer und Frauen nach Erfahrung dieser Dame alle die gleichen Chancen! Was sagt uns das nun? Dass wir eine Quote brauchen doch wohl nicht, oder? Den Grund für diese Affinität zur Quote nennt Frau Iljine nicht.Ein Rätsel also.... Könnte es sein, dass Karriere von unglaublich viel Arbeit kommt, und von den richtigen Entscheidungen bezüglich des dazu erforderlichen Fachstudiums? Und könnte es daran liegen, dass im Geschäftsleben eben betriebswirtschaftliche Kenntnisse den Ausschlag geben? Für Frau Iljine waren, wie sie selbst schreibt, 70 Stunden die Woche rabotten angesagt. Die Dame hat ursprünglich irgendwas mit Kommunikation gelernt...Erst nachdem sie BWL dazu studierte ging es dann ab mit der Karriere. Es sind also die klassischen Entscheidungen der Frau selbst, die den Aufstieg oder Nichtaufstieg bestimmen. Arbeite wie ein Tier, und habe dafür keine Zeit für Privatleben. Und mach nicht irgendwas mit Sprache, oder irgendwas mit Medien, sondern knallhart Betriebswirtschaft, wenn du Manager werden willst. Aber warum nun die unbegründete irgendwie esoterische Forderung nach einer Quote?
h-i-2224 16.01.2015
4. Es kommt darauf an, wie man es sieht.
"Frauen werden in den nächsten Jahren sehr gute Chancen haben. Frau muss sie dann nur ergreifen!" Wenn dem so ist, warum wird dann eine Frauenquote gefordert, welche von Haus aus rassistsich verbrämt ist? Denn Quote heißt immer zu Lasten Anderer. Im Übrigen stimmt die Aussage wonach in den 80ern nur Männer als Despoten die Führungspositionen inne hatten nicht, die allgemeine Bezeichnung der Männer als Despoten an sich schon beleidigend ist, dies wohl eher nur für den damaligen westdeutschen Teil zutreffend gewesen ist. Was immer wieder auffällt, die Dame selbst gibt die Antwort darauf, warum Frauen in ihrer Karriere oft "hängen bleiben" und warum Frauen sich oft genug selbst im Wege stehen und es einer Quote tatsächlich nicht bedarf. Diese würde nämlich in ungerechtfertigter Weise auch jene Frauen diskrimminieren, welche allzuoft hinter den dann benachteiligten Männern stehen, also deren Partnerinnen. Die Dame selbst beschreibt den Weg einer "Karriere". Anders verläuft eine "Karriere" bei Männern auch nicht. Auch Männer sind nicht perse nach dem Studium etc. gleich Chefs und müssen ähnlich dem dieser Dame, diesen Posten über die Jahre sich hart erarbeiten. Abgesehen davon, dass es in Deutschland mittlerweile Bereiche gibt in dem die Männer nicht nur unterrepräsentiert sind, sondern fast nicht mehr zu finden sind. Demzufolge müsste es dann Quoten auch für Männer geben. Warum fordern solche Frauen die Quoten aber immer nur für Frauen? Der pure Egoismus, die einzige Erklärung. Und noch etwas. Ich selbst arbeite viel mit Frauen zusammen und muss immer wieder erkennen, dass Frauen im Allgemeinen, scheinbar über ein ausgeprägtes Korrektusgen verfügen. Nun gibt es sicherlich Situationen und Bereiche in denen ein absolut korrektes Arbeiten wichtig, ja sogar überlebenswichtig ist, dass absolut "korrektes Arbeiten" aber oft selbst die unwichtigsten Angelegenheiten ergreift, führt oft genug zur Stress und Zeitnot. Und oft genug machen sich Frauen die Arbeit der "Anderen", aus welchem Grund auch immer, zu eigen. Eine durchschnittliches "fleißges Bienchen" ersetzt vom Fleiß her, meiner Beobachtung nach, 2 durchschnittliche Männer, vielleicht auch mehr, aber sind ständig ausgebrannt und schaffen in ihrer Arbeit zum Schluss auch nicht wesentlich mehr als es Männer tun. Vielzuoft versagen diese Frauen dann später in Amts- und Chefpositionen. Und hier muss ich mit einem Vorurteil der Frauen gegenüber Männern hart ins Gericht gehen, nachdem Frauen multitaskingfähig veranlagt seien und damit dem Mann gegenüber "bevorteilt" wären. Diesen "Vorteil" machen Männer scheinbar wett, in dem diese offensichtlich schneller über die Erkenntnis des Wesentlichen verfügen. Eine nicht zu unterschätzende und unabdingbare Eigenschaft für einen erfolgreichen Chefposten, wenn es vor allem um schnelle und mutige Entscheidungen geht. Gute Männer und Frauen in Chefpositionen verfügen meistens über beide Eigenschaften. Und dann sind diese nicht zu toppen.
FocusTurnier 16.01.2015
5. Schon irgendwie komisch
Da hat es eine Frau geschafft, eine Führungsposition zu erreichen (und zeigt somit, daß es möglich ist), wünscht sich aber trotzdem, daß männliche Mitbewerber diskriminiert werden dürfen. Eine solche Chefin möchte ich nicht geschenkt haben, da eine Anerkennung des weiblichen Geschlechts über einer Leistungsanerkennung steht. Frau Iljine ist somit nicht besser, als die "bösen weißen Männer", über die sie sich beklagt. Daß dieser Widerspruch nicht aufgelöst wird, kann man sicherlich mit der Mitgliedschaft der Protokollantin bei FiDar und ProQuote erklären. Neutrale Berichterstattung sieht anders aus. Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte: "Junge Frauen streben in Deutschland einer Studie zufolge seltener als Männer eine Führungsposition an. Lediglich 29 Prozent der weiblichen Befragten wünschen sich eine leitende Stellung, wie aus einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hervorgeht. Bei den Männern sind es demnach 46 Prozent. " http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article136408392/Junge-Frauen-streben-seltener-Fuehrungspositionen-an.html Die "alte Garde" dankt langsam ab und ich denke, daß Menschen wie Iljine Teil der alten Garde sind. Quotendenken ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.
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