Abgemahnt, gefeuert, geklagt Die Arbeitsrechts-Urteile der Woche

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4. Teil: Hautkrebs eines Dachdeckers - eine Berufskrankheit?


Dachdecker: Ein Berufsleben lang jedem Wetter ausgesetzt
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Dachdecker: Ein Berufsleben lang jedem Wetter ausgesetzt

Was genau eine Krankheit verursacht hat und ob nur ein Faktor sie auslöste, ist medizinisch oft schwierig zu klären. Das kann zu langwierigem Streit zwischen Arbeitnehmern und Berufsgenossenschaften führen. Im Falle eines Dachdeckers hat das Sozialgericht Aachen jetzt klar entschieden: Hier ist ein sonnenbedingter Hautkrebs als Berufskrankheit einzustufen.

Ob Winter oder Sommer, ob Eiseskälte oder glühende Hitze - Dachdecker müssen bei jedem Wetter 'raus, dabei haben sie eh schon einen der riskantesten Jobs überhaupt. 40 Jahre lang war ein Dachdecker bei der Arbeit unter freiem Himmel ungeschützt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, es hatte sich eine Vorstufe bösartiger Veränderungen der Kopfhaut gebildet, im Fachbegriff: aktinische Keratose. Diese Schädigung der verhornten Haut kann in Hautkrebs übergehen.

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Die Berufsgenossenschaft hatte eine Anerkennung als Berufskrankheit abgelehnt, denn die fehle bislang im Katalog der Berufskrankheiten-Verordnung. Die Aachener Richter sahen aber einen Ausnahmetatbestand und "keine vernünftigen Zweifel" an der Sonneneinstrahlung als Grund für die bösartigen Hautveränderungen: Der Dachdecker sei viele Jahre exponiert gewesen und die erhöhte Gefährdung eines "Outdoor-Worker" durch UV-Strahlung wissenschaftlich belegt (Aktenzeichen S 6 U 63/10). Berufung gegen das Urteil ist allerdings möglich.

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insgesamt 4 Beiträge
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AndyDaWiz 01.04.2012
1. Hat irgendjemand...
....was anderes erwartet ??? "Das Hessische Finanzgericht ließ das nicht zu: Auch der Musiker kann die Entfernungspauschale nur einmal pro Tag geltend machen. Damit liege zwar eine Ungleichbehandlung im Vergleich zu anderen Arbeitnehmer vor. Rechtlich sei das aber nicht zu beanstanden - es handele sich um einen Sonderfall, der nicht speziell geregelt werden müsse (Aktenzeichen 4 K 3301/09)."
Artgenosse 01.04.2012
2.
Seit wann entscheiden Verwaltungsgerichte über die Wirksamkeit von Kündigungen oder die Gewährung von PKH für Kündigungsschutzprozesse? Das tut schon weh. Ansonsten habe ich nichts gegen die Berichterstattung einzuwenden, es scheinen mir die wesentlichen Gesichtspunkte zu den einzelnen Fällen genannt zu sein, und ich finde es auch gut, dass es diese Sparte "Arbeitsrechturteile" hier gibt. Danke dafür.
bendragon 03.04.2012
3. Verwaltungsrechtsweg
Zitat von ArtgenosseSeit wann entscheiden Verwaltungsgerichte über die Wirksamkeit von Kündigungen oder die Gewährung von PKH für Kündigungsschutzprozesse? Das tut schon weh. Ansonsten habe ich nichts gegen die Berichterstattung einzuwenden, es scheinen mir die wesentlichen Gesichtspunkte zu den einzelnen Fällen genannt zu sein, und ich finde es auch gut, dass es diese Sparte "Arbeitsrechturteile" hier gibt. Danke dafür.
das wurde verkürzt dargestellt, es ging bei dem Rechtsstreit wohl um eine Zustimmung der Behörde zur außerordentlichen Kündigung der Schwangeren (durch Hauptfürsorgestelle, Integrationsamt etc - ist je nach Bundesland anders benannt). Dafür ist der Verwaltungsrechtsweg eröffnet.
heftiger 26.10.2012
4. Duschen dagegen geht.....
In einem Urteil (Jan 2012) in Speyer wird ein Rutschunfall auf dem Weg zur Dusche hingegen als Arbeitsunfall gesehen???? Hier ist eine Liste zu Urteilen bei Rutschunfällen. Die Richter scheinen sich nicht einig zu sein: http://www.grip-antislip.com/referenzen/rutsch-urteile-stuerze.html
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