Falscher Arzt im Krankenhaus Krankenkasse muss OPs von Hochstapler bezahlen

Er operierte Hunderte Patienten - ohne Abschluss in Medizin. 370.000 Euro rechnete die Klinik, die ihn als Arzt angestellt hatte, dafür mit den Kassen ab. Zu Recht, urteilte nun ein Gericht.

Angehende Chirurgen beim Training
DPA

Angehende Chirurgen beim Training


Jahrelang arbeitete ein angeblicher Arzt in der Allgemeinchirurgie eines Krankenhauses in Düren. Er operierte Hunderte Patienten erfolgreich im Bauchraum - doch als ein Kollege seine Doktorarbeit lesen wollte, kam heraus: Er hatte das Medizinstudium nie abgeschlossen. Seine Approbationsurkunde hatte er durch gefälschte Studienbescheinigungen und Zeugnisse bei der zuständigen Bezirksregierung erschlichen.

2016 wurde der damals 41-Jährige wegen Körperverletzung in über 300 Fällen und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Doch der Fall beschäftigt Juristen noch immer.

Drei Krankenkassen hatten für die Operationen des Hochstaplers insgesamt rund 370.000 Euro gezahlt - und zogen vor Gericht, um dieses Geld zurückzufordern. Die Argumentation: Das Krankenhaus habe ärztliche Leistungen abgerechnet, die aber gar nicht von einem Arzt erbracht worden seien.

In drei Urteilen (Aktenzeichen S 13 KR 262/17, S 13 KR 466/16, S 13 KR 114/17), die nun veröffentlicht wurden, kommt das Sozialgericht Aachen zu dem Schluss, dass die Krankenkassen keinen Anspruch auf Entschädigung haben.

Zum einen habe der "falsche Arzt" nicht allein operiert, sondern habe einen "echten Arzt" als Assistenten dabei gehabt - schon allein deshalb sei die Abrechnung als "ärztliche Leistung" gerechtfertigt. Zum anderen habe sich der Mann bei dem Krankenhaus mit einer echten - wenn auch erschlichenen - Approbationsurkunde beworben. Und im Ergebnis hätten seine Behandlungen "den Regeln der Kunst" entsprochen. Den Krankenkassen sei kein finanzieller Schaden entstanden.

vet



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