Alle Otto-Mitarbeiter dürfen den Chef duzen Sagt einfach "Hos" zu mir

Die Otto Group hat weltweit 53.000 Mitarbeiter - Vorstandschef Hans-Otto Schrader hat nun allen das Du angeboten. Unter einer Bedingung.

Der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader - genannt "Hos" - im Foyer der Firmenzentrale in Hamburg
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Der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader - genannt "Hos" - im Foyer der Firmenzentrale in Hamburg


Die Vorstandsetage des Handelskonzerns Otto Group will ihre Mitarbeiter stärker einbinden. Um dafür die richtige Stimmung zu schaffen, hat der Chef nun seinen weltweit 53.000 Mitarbeitern das Du angeboten.

"Wer die Vorstände duzen will, der kann das tun", sagte Vorstandschef Hans-Otto Schrader gegenüber der "Wirtschaftswoche". Es gebe aber keinen Duz-Zwang. Das Angebot sei "eine Art verbaler Startschuss für unser Projekt Kulturwandel 4.0", so Schrader.

Allerdings möchte er dann bitte auch bei seinem Spitznamen gerufen werden: "Meine Bedingung für den Duz-Vorschlag war, dass mein Kurzname Hos - für Hans-Otto Schrader - verwendet wird. Der klingt doch frischer als Hans-Otto. Und Hos höre ich jetzt tatsächlich öfter."

Kleiner Humor-Knigge - was tun, was besser lassen?



Selbstironie: Do! Sich selbst auf den Arm zu nehmen, kommt besser als Scherze auf Kosten anderer. Wer über sich lachen kann, beweist Souveränität und stärkt ganz nebenbei das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team.



Sexismus: Don't! Blondinenwitze gehören in die unterste Schublade und sollten auch in einer reinen Männerrunde nicht rausgelassen werden. Das gilt allgemein für "unanständige" Witze.



Schlagfertigkeit: Do! Gekonnt kontern ist eine Kunst, die bösen Bemerkungen die Spitze nimmt. "Na, machst du wieder als erster Feierabend?" - "Klar, Schönheit geht vor!"



Politik: Don't! Sie wissen nie, welche Partei Ihr Kollege wählt. Deshalb sind politische Witze heikel. Vor allem im Ausland ist das vermintes Gelände.



Taktischer Einsatz: Do! Nichts löst Spannungen in einem Meeting besser als ein netter Scherz. Auch festgefahrene Verhandlungen mit Kunden kommen so wieder in Gang.



Beleidigen: Don't! Anspielungen auf körperliche Merkmale wie Übergewicht, abstehende Ohren oder Glatze sind gar nicht lustig. Wer so auf einen Lacher spekuliert, lacht meist allein.



Üben: Do! Es gibt Menschen, die vermasseln jede Pointe. Deshalb den Witz zunächst im Stillen erzählen, dann erst den Mund aufmachen. Unschön ist es auch, anderen die Pointe zu klauen.



Anbiedern: Don't! Je vertrauter Menschen miteinander umgehen, desto mehr Humor vertragen sie. Im Umkehrschluss heißt das: Dem neuen Chef sollen Sie nicht als Erstes einen Kalauer auftischen.



Kritisch sein: Do! Kein Witz verpflichtet zum Mitlachen. Geht der Schuss daneben, zum Beispiel unter die Gürtellinie, dürfen Sie Ihr Missfallen ausdrücken. Das hat nichts mit Spaßbremse zu tun.



Schneeballeffekt: Don't! Humor ist etwas für die direkte Kommunikation. Mails mit lustigen Videos, Fotos oder Texten aus dem Internet verbreiten sich unkontrolliert und landen oft beim Falschen. Wird die Spur zurückverfolgt, kann es für den Erstversender ungemütlich werden. Problematisch sind auch Verstöße gegen das Urheberrecht.



Komplimente: Do! Die schönste Verpackung für Humor ist eine freundlich gemeinte Übertreibung. "Sie sind der Controller der Herzen!" bereitet mehr Freude als ein knappes "Gut gemacht!"

Wirtschaftlich ist die Otto Group wieder in der Spur und schreibt Gewinne. "Unser Geschäftsjahr, das am 29. Februar endet, werden wir mindestens mit einer schwarzen Null vor Steuern abschließen", sagte Schrader dem Blatt. Im Vorjahr hatte das Unternehmen 125 Millionen Euro Verlust vor Steuern gemacht.

Zudem wachse der Konzern wieder stärker: "Die Otto Group wird 2015/16 ein Plus von mehr als vier Prozent erreichen und den Umsatz auf rund 12,5 Milliarden Euro steigern", sagte er. Probleme der französischen Tochter und die anhaltende Russland-Krise hätten noch höhere Umsatzzuwächse verhindert.

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Kleine Team-Typologie: Zwerge, Ketzer, Duracell...

lgr/dpa



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
hans-rai 26.02.2016
1. Das ist wohl die dümmste...
...Aktion, die ein Chef machen kann in einem Unternehmen mit traditioneller Struktur. Mag bei Startups und IT-Game-Firmen gehen. Aber er tut vielen Mitarbeitern bestimmt keinen Gefallen, die sich wahnsinnig unwohl fühlen werden, wenn sie nun auf ihn treffen, was bei über 50 000 Mitarbeitern aber wohl auch selten sein wird. Als PR-Gag aber gelungen.
xaindsleena 26.02.2016
2. Peinlich.
Von oben oktroyierter Kulturwandel 4.0: "Wir sind jetzt alle per Du, ich bin der HOS.". Egal, ob man da mitmacht oder nicht (ist ja freiwillig): Eine solche "Ansage" klingt stark nach "gut gemeint ist nicht gut gemacht". Ich find's peinlich und glaube auch nicht, dass sich durch solche Maßnahmen irgendwas verbessert.
kildo 26.02.2016
3. Warum ist das eine Spon Meldung wert?
Was ist denn daran jetzt so wahnsinnig voll toll? Ich habe als Student den Vorstandsvorsitzenden eines TecDax Unternehmens auch duzen dürfen. Wie alle anderen auch. Hat Otto da vielleicht was verpasst, so dass dazu nun auch eine PR Mitteilung raus muss: Hallo Welt, wir tuns jetzt auch....
fraenki999 26.02.2016
4. Ich finds gut.....
Bin selber Chef und das duzen schon seit Jahrzenten gewohnt. Auch in den Firmen, in denen ich vorher als Angestellter gearbeitet habe. Als ehem. Pfadfinder habe ich eh schon immer ein ungutes Gefühl beim Siezen gehabt....
at.engel 26.02.2016
5.
Ich persönlich duze Leute, mit denen ich irgendetwas teile; entweder privat oder beruflich. Ansonsten ist es wesentlich einfacher beim "Sie" zu bleiben; und vor allem wesentlich weniger demagogisch.
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