Ein Jugendfußballtrainer erzählt "Viele Eltern haben zu hohe Erwartungen"

Wenn Kinder Fußball spielen, sind Eltern oft emotionaler als ihr Nachwuchs. Ein Jugendtrainer erzählt, warum er elterliche Spiel-Nachbesprechungen ablehnt - und sich einen Führerschein für Trainer wünscht.

Jugendliche beim Fußball
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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Es müsste einen Führerschein speziell für Jugendfußballtrainer geben. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen eine besondere Ansprache und besonderen Schutz. Und doch erlebe ich immer wieder Kollegen, die schon Fünfjährige anbrüllen, mit vor der Brust verschränkten Armen. Wer Kinder trainiert, um Macht auszuüben, hat hier meiner Meinung nach nichts verloren.

Ich bin eigentlich Lehrer. Im Jugendfußball engagiere ich mich ehrenamtlich, weil ich das Gefühl habe, dass der Teamgedanke in unserer Gesellschaft verloren geht. Viele Menschen haben verlernt, zusammenzuhalten. Sie stellen sich immer selbst in den Mittelpunkt, vergessen die Gefühle ihrer Mitmenschen.

Fußball war schon immer meine Leidenschaft. Ich spiele im Verein, seit ich sechs Jahre alt bin. Meine Trainer waren damals meine Vorbilder. Sie haben mich bis heute geprägt und mir beigebracht, dass es wichtig ist, zusammenzuarbeiten. In der Jugend habe ich im Profifußball trainiert, als Trainer übernahm ich meine erste Mannschaft mit 18 Jahren.

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Mittlerweile bin ich für den gesamten Jugendbereich unseres Vereins verantwortlich, insgesamt sind das 22 Mannschaften. Außerdem trainiere ich zweimal wöchentlich eine U9- und eine U6-Mannschaft. Allein dafür investiere ich mit Vor- und Nachbereitung der Spiele 15 Stunden pro Woche. Auch am Wochenende bei Turnieren stehe ich am Spielfeldrand.

Den Kindern, die mir anvertraut wurden, möchte ich einen Schutzraum geben, in dem sie sich entwickeln können. Sie dürfen sich ausprobieren, auch mal einen Fehler machen, an dem sie wachsen können. Als Trainer stehe ich hinter ihnen, aber nicht vor oder neben ihnen. Ich nehme ihnen Entscheidungen nicht ab und versuche, mich möglichst wenig einzumischen.

Kinder wollen Dinge richtig machen und niemanden enttäuschen. Wenn dem Torwart mal der Ball aus der Hand rutscht oder jemand im Strafraum hinfällt und deshalb der Ball ins Aus geht, versuche ich zu stärken. Schimpfen macht die Situation nicht besser, sondern erzeugt nur Frust.

Aber ich brauche auch die Unterstützung der Eltern, damit die Mannschaft funktioniert. In unserem Verein achten wir sehr darauf, dass der Ehrgeiz nicht überhandnimmt. Aber ich habe auch schon Eltern erlebt, die wegen eines verlorenen Spiels wütend auf den Platz rannten und Kind und Trainer anbrüllten. Das verwirrt die Kinder nur und erzeugt noch mehr Druck.

Seit es am Spielfeldrand Coachingzonen für Trainer gibt, die Eltern nicht betreten dürfen, ist das Miteinander an Spieltagen entspannter geworden. Nur bei Hallenturnieren sind sich Eltern und Spieler oft noch zu nah. Und besonders schwierig wird es, wenn Eltern die Spiele zu Hause mit den Kindern nachbesprechen und ihnen Vorwürfe machen, wie 'Hättest du den Ball nur abgespielt...' Viele haben einfach zu hohe Erwartungen an ihre Kinder.

Auch ich als Trainer überschätze meine Spieler manchmal. Einmal, bei der Teambesprechung während der Halbzeitpause, sagte ich zu meiner U9-Mannschaft: 'Passt gut auf. Der Gegner ist heiß wie Frittenfett.' Nach dem Spiel, das mit 2:0 für uns gut ausging, kam ein Junge zu mir und fragte, wer denn jetzt dieser Heinz Frittenfett sei. Ich begriff: Hier war ich in meiner Sprache von der Kinderebene auf die Erwachsenenebene gerutscht."

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richard-x 19.07.2018
1. Illusion
so manche Eltern glauben dass Ihr Kind später Profifußballer wird und schicken es trotz der extremen Gesundheitsgefahren zum Fußballtraining. Die Chance dass ein Jugendlicher mit kaputtem Knie erwachsen wird und schmerzhaft durchs Leben geht ist größer als dass er Profi wird. Ich habe sogar mal Eltern gesagt die sich aufgeregt haben, dass der Trainer nur seine eigenen Kinder im Turnier spielen lässt, die sollen das ganze nicht zu ernst nehmen, die Chance dass Ihr Kind Arzt wird ist größer als dass es vom Fußball leben kann. Die haben mich mit Riesenaugen ungläubig angeschaut. Tatsächlich ist diese Chance ungefähr 100 Mal höher. Nur um das ganze etwas zurechtzurücken
oliver_behre 19.07.2018
2. "Trainerschein", schön und gut ...
... aber leider sieht der Alltag eher so aus, dass sich keiner findet, der´s machen will oder kann. 15 Stunden die Woche plus Spiele jedes Wochenende, dazu meist an Zeiten, an denen ein "normaler" Arbeitnehmer nicht oder noch nicht kann - und nun obendrein noch ein Schein? Die Zahl der Jugendtrainer würde wohl noch mehr sinken, ähnlich wie es bei den Schiedsrichtern der Fall ist.
d´point 19.07.2018
3. Nicht viel Aufwand
Um einen Trainerschein als DFB-Zertifizierter „Teambetreuer“ zu bekommen, muss man lediglich einige Wochen Abends zu den Lehrgängen gehen. Dort lernt man als angehender Trainer im Kinderbereich überwiegend Dinge wie Rechte/ Pflichten, Versicherungsfragen, aber auch -ganz wichtig- Kommunikation mit Eltern und selbstverständlich die Bedürfnisse der Kinder in der jeweiligen Altersklasse kennen. Fußball, geschweige denn Taktik, ist hier eher nebensächlich. Es ist hilfreich, von vornherein gemeinsam mit den Eltern Regeln zu vereinbaren. Als Trainer gilt in sportlichen Fragen: nur der Trainer spricht!
taste-of-ink 19.07.2018
4.
Zitat von richard-xso manche Eltern glauben dass Ihr Kind später Profifußballer wird und schicken es trotz der extremen Gesundheitsgefahren zum Fußballtraining. Die Chance dass ein Jugendlicher mit kaputtem Knie erwachsen wird und schmerzhaft durchs Leben geht ist größer als dass er Profi wird. Ich habe sogar mal Eltern gesagt die sich aufgeregt haben, dass der Trainer nur seine eigenen Kinder im Turnier spielen lässt, die sollen das ganze nicht zu ernst nehmen, die Chance dass Ihr Kind Arzt wird ist größer als dass es vom Fußball leben kann. Die haben mich mit Riesenaugen ungläubig angeschaut. Tatsächlich ist diese Chance ungefähr 100 Mal höher. Nur um das ganze etwas zurechtzurücken
Ich stimme Ihnen noch zu, dass kein Kind von seinen Eltern zum Fußballspielen gezwungen werden sollte, nur weil die Eltern glauben, es sei zu höheren Weihen berufen. Aber Ihre Aussage zu den "extremen" Gesundheitsgefahren von Fußball ist schlichter Blödsinn. Wenn ein Kind Spaß am Fußballspielen hat, soll es das tun. Durch die Aktivität werden Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder, Muskeln und das Herzkreislaufsystem gestärkt. Das beugt späteren Erkrankungen vor. Körperlich inaktive Kinder weisen drastische Defizite in der Koordinationsfähigkeit auf und haben nachweislich ein höheres Risiko an degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates (etwa Arthrose) und des Herzkreislaufsystems zu leiden.
benmartin70 19.07.2018
5.
Zitat von taste-of-inkIch stimme Ihnen noch zu, dass kein Kind von seinen Eltern zum Fußballspielen gezwungen werden sollte, nur weil die Eltern glauben, es sei zu höheren Weihen berufen. Aber Ihre Aussage zu den "extremen" Gesundheitsgefahren von Fußball ist schlichter Blödsinn. Wenn ein Kind Spaß am Fußballspielen hat, soll es das tun. Durch die Aktivität werden Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder, Muskeln und das Herzkreislaufsystem gestärkt. Das beugt späteren Erkrankungen vor. Körperlich inaktive Kinder weisen drastische Defizite in der Koordinationsfähigkeit auf und haben nachweislich ein höheres Risiko an degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates (etwa Arthrose) und des Herzkreislaufsystems zu leiden.
Nahezu alle Kollegen die in Ihrer Jugend bis in ihre dreissiger Fussball gespielt haben, haben kaputte Knie bzw bände rund Sehnen sind hinüber.
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