Lehrer auf Trüffelsuche "Da verrotten Millionenwerte"

Als Deutschlehrer fühlte Christian Gold sich ausgelaugt, startete in die ganz großen Ferien und streift nun mit seinem Hund Winnie durch den Wald. Reich oder satt macht ihn das nicht: Trüffeln stehen unter Artenschutz. Doch Gold hat ein anderes Geschäftsmodell entdeckt.

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Seinen neuen Job verdankt Christian Gold, 39, seinem Hund Winnie. "In unserem früheren Leben waren wir Gymnasiallehrer und Straßenköter", sagt er. Jetzt sind sie: Trainer und Trüffelhund. Für 225 Euro bringen die beiden Hunden sowie Herrchen und Frauchen bei, wie man Trüffeln findet. Zwei Tage dauert der Kurs, er endet mit einer Prüfung und einem Zertifikat, "Trüffelsuchhund Leistungsstufe I" steht darauf. Bis Ende November ist Gold ausgebucht.

Eigentlich hatte der Lehrer für Deutsch und Sport nur ein Jahr Auszeit nehmen wollen: "Der Job hatte mich ausgelaugt, ich brauchte eine Pause." Weil er schon immer ein leidenschaftlicher Pilzsammler und seit kurzem auch Hundehalter war, kam Gold im Herbst 2012 auf die Idee mit der Trüffelsuche. Der Bayer meldete sich und Winnie für einen Kurs bei der "Mobilen Pilzschule" in Niedersachsen an.

Berauschend lief es nicht gerade: "Mein Hund war mit Abstand der schlechteste", erzählt Gold, "er hat gar nichts gefunden." Wäre Winnie ein Schüler, würde man bei ihm wohl das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom diagnostizieren, meint er: "Winnie ist der Klassenrabauke von der letzten Bank."

Hunde erledigen den Entdeckerjob mit ihrer feinen Nase

Mit denen kennt sich Gold aus, aufzugeben kam für ihn gar nicht in Frage. Zurück in Erlabrunn bestellte er im Internet eine Packung Trüffeln aus Italien und übte mit Winnie weiter. Ein teures Vergnügen: 100 Gramm Burgundertrüffeln kosten rund hundert Euro. Mehrere Monate später war es so weit. Im Januar fand der Schäferhundmischling die erste Trüffel im Wald. Der Fund war für Gold aber weder schmackhaft noch lukrativ. Die wertvollen Trüffeln stehen nämlich in Deutschland unter Schutz, sie dürfen gar nicht gesammelt werden. Für den Lehrer unverständlich: "Da verrotten Millionenwerte."

Bei Feinschmeckern sind Trüffeln ausgesprochen beliebt, es sind die teuersten Speisepilze, auch weil sie so schwer zu finden sind, meist in der Nähe von Bäumen. Diese Schlauchpilze wachsen unterirdisch. Also erledigen Hunde mit ihrer feinen Nase den Entdeckerjob.

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800 Trüffeln hat Winnie bisher erschnuppert. Nicht alle der rund 40 verschiedenen Trüffelarten stehen unter Naturschutz. Der Bunte Schleimtrüffel und der Rotbraune Rasentrüffel zum Beispiel dürfen gesammelt und verspeist werden. Sie bringen auf dem Markt allerdings auch keine Preise von 900 Euro pro Kilogramm oder noch mehr wie manche der besonders teuren Trüffeldelikatessen.

"Keinen oberirdisch wachsenden Pilz findet man so häufig", sagt Gold. "Das Verbot ist völlig unsinnig." Gourmetkritiker Christian Volbracht beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Trüffeln. "Im Grunde gibt es die tonnenweise in Deutschland", sagt auch er. Weil die Edelpilze aber häufig in Biotopen wachsen, kann er sich nicht vorstellen, dass das Sammelverbot aufgehoben wird.

"Wie eine Ausbildung zum Autos aufbrechen"

Christian Gold ist mittlerweile ausgebildeter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und hat eine Ausnahmegenehmigung, die ihm auch das Sammeln der wertvollen Trüffeln erlaubt - zu Forschungszwecken. In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft will er die Trüffelvorkommen in Deutschland dokumentieren und so irgendwann das Verbot stürzen.

Essen oder verkaufen darf er die Forschungstrüffeln nicht, "ich kann sie nur für den Unterricht verwenden". Im Kurs, den er mit Winnie belegt hatte, mussten die Hunde zu Übungszwecken mit Trüffelöl getränkte Stofftücher erschnuppern. Mit echten Pilzen sei das Lernen für die Hunde leichter, ist Gold überzeugt. "Das Öl ist eher hinderlich."

Jeder Hund könne Trüffeln schnuppern, schreibt Gold auf seiner Homepage. Bei Mops-Hündin Emy war aber auch er skeptisch: Ob sie mit ihrer eingedrückten Schnauze überhaupt etwas riecht? Doch der schwarze Mops mit dem rosa "Prinzessin"-Halsband hatte am Ende des Kurses von acht Hunden die beste Trüffelquote. Der Korb ihres Frauchens blieb trotzdem leer. Gold achtet darauf, dass niemand das Sammelverbot umgeht.

Julian Heiermann, Artenschutzexperte beim Naturschutzbund, sieht die Kurse dennoch skeptisch: "Das ist ein bisschen so, als würde ich Leute ausbilden, Autos aufzubrechen." Gold lassen diese Vorwürfe kalt. Ihm und seinen Schülern gehe es schließlich nicht nur um die Pilze, sondern vor allem um das Suchspiel mit den Hunden.

Insgesamt 30 Vierbeiner haben seinen Kurs bisher absolviert, nicht alle erfolgreich, wie Gold zugibt. "Das liegt aber nicht am Hund, riechen können sie alle - da fehlt nur das Training." Deshalb bietet Gold jetzt auch Kurse für Fortgeschrittene an. Seinen unbezahlten Urlaub hat er bis Herbst 2014 verlängert.

  • Autorin Verena Töpper (Jahrgang 1982) ist KarriereSPIEGEL-Redakteurin.

Mit Material von dpa



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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
jetlag chinaski 30.10.2013
1. so ist das eben
kleinanleger ums geld bringen, banken retten und sich abhören lassen, alles in ordnung, aber trüffel suchen verboten... naja, so bleiben die preise schön hoch!
Pless1 30.10.2013
2. Seltsames Geschäftsmodell
Zitat von sysopDPAAls Deutschlehrer fühlte Christian Gold sich ausgelaugt, startete in die ganz großen Ferien und streift nun mit seinem Hund Winnie durch den Wald. Reich oder satt macht ihn das nicht: Trüffeln stehen unter Artenschutz. Doch Gold hat ein anderes Geschäftsmodell entdeckt. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/ein-lehrer-steigt-aus-trueffel-suchen-statt-deutsch-unterrichten-a-930012.html
Warum bringt man Herrchen und Hunden in Deutschland Trüffelsuche bei, wenn diese in Deutschland - zumindest bei den interessanten Speisepilzen - verboten ist? Damit diese dann im Ausland Trüffel suchen? Oder damit diese die Trüffel suchen, die niemand haben will und die deshalb auch nicht geschützt sind? Aber man achtet natürlich peinlich genau darauf, dass die entdeckten Trüffel unangetastet bleiben und die Millionenwerte weiterhin ungestört verrotten können. Das kommt mir nicht sehr glaubhaft vor. Und damit der Ausbilder der zukünftigen Trüffelschützer auch realistisch arbeiten kann, darf dieser "zu Forschungszwecken" auch die geschützen Trüffel sammeln. Bin ich da der Einzige, der Ähnlichkeiten zum Walfang der Japaner zu erkennen glaubt? Also, liebe Greenpeache-Aktivisten: Auf gehts, kettet euch an bayerische Trüffeln, bevor die letzten ihrer Art gemorchelt - pardon: gemeuchelt werden! Ganz neu ist ja die Erkenntnis, dass die Trüffel mutmaßlich deshalb geschützt seien, da diese "meist in Biotopen wachsen". Wenn das so ist, dann müssen eigentlich alle Lebewesen geschützt werden, denn sie leben alle in Biotopen. Ein Biotop ist nichts anderes als ein Ort, an dem Leben stattfindet, also ein Lebensraum. Fazit: Diesen Artikel auf Schülerzeitungsniveau vielleicht mal beim "Kleinen Tierfreund" einreichen. Gibts den noch?
chunky 30.10.2013
3. Typisch!
"Das Verbot ist völlig unsinnig...Im Grunde gibt es die tonnenweise in Deutschland" Ja warum wohl? Vielleicht WEIL es das Verbot gibt? Vor 100 Jahren waren Fischfangquoten auch unsinnig, heute sind in den Meeren kaum noch ausgewachsene Fische zu finden. Warum kapieren die Menschein einfach nicht, dass sie sich durch Raubbau an der Natur nur selbst schaden?
Zeitkind 30.10.2013
4. Präventives Verbot
Gerade ein passionierter Pilzammler sollte eigentlich wissen, daß viele Sammelverbote auch präventiver Natur sind. Wer mal in Osteuropa marodierende Horden durch die Wälder hat streifen sehen, um auch noch den letzten Steinpilz zu finden, der ist froh, daß in Deutschland eben nicht alles erlaubt ist. Sicher, die meisten Trüffel sollten nicht vom Aussterben bedroht sein, aber die möglichen Schäden an Waldböden und Flora sind einfach zu hoch. Die Wälder in Deutschland haben genug zu verkraften mit der intensiven Nutzung, die brauchen nicht auch noch sich durch den Boden wühlende Trüffelgoldgräber.
MrBrutus 30.10.2013
5. Genau das...
Zitat von chunky"Das Verbot ist völlig unsinnig...Im Grunde gibt es die tonnenweise in Deutschland" Ja warum wohl? Vielleicht WEIL es das Verbot gibt? Vor 100 Jahren waren Fischfangquoten auch unsinnig, heute sind in den Meeren kaum noch ausgewachsene Fische zu finden. Warum kapieren die Menschein einfach nicht, dass sie sich durch Raubbau an der Natur nur selbst schaden?
... wäre noch die interessante Frage gewesen, auf die ich mir eine Antwort erhofft hatte. Schadet es denn dem Trüffelbestand, wenn diese vereinzelt im Wald gesammelt werden, oder nicht? Pilze werden ja auch von einigen gesammelt und ich habe noch nicht vernommen, dass der Speisepilzbestand bei uns gefährdet ist. Auch besteht, so weit ich weiß, in den Niederlanden sogar ein Sammelverbot für Speisepilze im Wald. Haben die jetzt dadurch dort viel mehr Speisepilze im Wald, als wir in Deutschland? Das wäre doch mal interessant...
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