Ein Personalberater erzählt Das ABC des Headhunting

Alle balgen sich um die klügsten Köpfe - und Headhunter profitieren davon. Christian Pape ist seit 1992 Personalberater in München. Im KarriereSPIEGEL beschreibt er, wie Job-Detektive und Vermittler ticken, was Informatiker schockt und warum manche guten Leute einen kleinen Tritt brauchen.

Heute ein König: Headhunter-Anfragen finden Angestellte oft schmeichelhaft
Corbis

Heute ein König: Headhunter-Anfragen finden Angestellte oft schmeichelhaft


A wie Aufschwung

Gerade jetzt im Aufschwung kann man gut erklären, wie Personalberatung funktioniert. Die Unternehmen haben in der Krise nicht eingestellt und müssen endlich in neue Leute investieren. Personalleitern, die beispielsweise auf monster.de inserieren, wird die Bude mit Bewerbungen vollgenagelt. Leider sind die guten Leute, also jene, die gut beschäftigt sind, nicht darunter. Nach einer Krise sind die Guten verunsichert und überlegen dreimal, ob sie den Job wechseln sollen.

Da kommen wir Personalberater ins Spiel. Wir führen von außen Energie zu und zeigen auf, worin die Vorteile liegen, den Job zu wechseln. Und fast immer sind die Chancen größer als die Risiken.

B wie Blase

In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre haben sich sehr viele Leute als Personalberater selbständig gemacht. Die dachten: 80.000 Euro dafür, dass man einen guten Mann vermittelt? Kann ich auch. In Boomjahren fällt es auch nicht so auf, wenn jemand einen lauen Job macht, weil die Unternehmen auf jede Hilfe beim Besetzen der Stellen angewiesen sind. Aber als 2002 die letzte große Krise kam, sind zwei Drittel der Personalberater über die Wupper gegangen. Das war eine radikale Konsolidierung. Heute sind wieder über 4000 Personalberatungen da.

C wie Call In

Je höher die Leute in der Hierarchie stehen, zu denen ich Kontakt suche, desto einfacher ist die Kontaktaufnahme. Die meisten haben Einzelbüros und können ungestört sprechen. Außerdem sind sie schon qua Job extrovertierter und aufgeschlossen. Wenn mich etwa ein Finanzvorstand interessiert, rufe ich kurz am Arbeitsplatz an, um ein längeres Telefonat nach der Arbeit zu vereinbaren. Ich darf mit meinem Anliegen schon aus rechtlichen Gründen nicht so lange auf der Firmenleitung telefonieren, da muss man aufpassen. Deshalb führe ich das zweite Gespräch am Abend oder am Wochenende.

Wenn ich aber zum Beispiel IT-Leute suche, muss ich anders vorgehen. Wenn ich die direkt am Arbeitsplatz ansprechen, kriegen die einen Schlaganfall. Die sind introvertierter, ich muss sie viel behutsamer ansprechen.

D wie Datenbank

Ich habe gut 40.000 Namen in meiner Kartei. Das sind aber nicht alles frische Kontakte, nur wenige Hundert haben einen besonders hohen Stellenwert. Leider sind nur wenige Frauen darunter. Wenn es zehn Prozent sind, sind es viel. Unsere Suche speist sich aus drei Quellen: aus der Datenbank, aus den Bewerbungen, die wir bekommen, und aus dem Pool der Leute, die wir ausfindig machen.

E wie Executive Search

Der Begriff kommt von den Executives, so werden die Topführungskräfte bezeichnet. Um die kümmere ich mich bei uns im Haus. Früher wurden Headhunter nur für die Executive-Suche angeheuert, inzwischen hat sich das Berufsbild geändert. Personalberater suchen auf fast allen Ebenen Mitarbeiter für Unternehmen. Wir suchen Personalverantwortliche genauso wie Vertriebsleiter oder Office Manager.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
gaunt 22.06.2011
1. ohne Titel
Das "ABC des Headhunting" hat es mich endlich erkennen lassen: Personalberater sind die Größten! Schön, dass Herr Pape gleichzeitig auf dem Boden geblieben ist, keinerlei Überheblichkeit und Arroganz aus seinem Worten zu erkennen ist und er selbstreflektierend über seine Branche schreibt. Weiter so! Das möchte ich öfter lesen. (*Ironiemodus aus*)
MaxiScharfenberg 22.06.2011
2. So so...
Zitat von sysopAlle balgen sich um die klügsten Köpfe - und Headhunter profitieren davon. Christian Pape ist seit 1992 Personalberater in München. Im KarriereSPIEGEL beschreibt er, wie Job-Detektive und Vermittler ticken, was Informatiker schockt und warum manche guten Leute einen kleinen Tritt brauchen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,769494,00.html
So so...so ist das also mit dem Headhunter und was er von der richtigen Besetzung von Stellen zu wissen glaubt. Er richtet sich selbst. Man muss nicht in's Detail gehen. Hat man solchen Blödsinn schon oft gelesen?b Ja, leider hier. Zu oft. Maxi Scharfenberg
JBeauregard 22.06.2011
3. Zustimmung
Der Artikel hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. So wie der Herr das beschrieben hat, so verhält es sich tatsächlich. Ich bin selbst Personalberater und ich kann diesem ABC nur zustimmen. Ich bekomme hier das Gefühl von vielen frustrierten Menschen umgeben zu sein die bedauerlicherweise nichts von der Branche verstehen und nur die negativen Aspekte zu bewerten wissen. Sie können alle so viel schimpfen, beleidigen und kristisieren wie sie wollen, das wird auch nichts an der Tatsache ändern, dass es Headhunter gibt und diese, trotz vieler zum Teil doch sehr schwachen Gegenargumente, sehr wichtig für Mittelstand und Großunternehmen sind.
OneEyedRonin 22.06.2011
4. SPON, es reicht!!!
Ich kann diese inflationären "Headhunter" Artikel nicht mehr sehen! Die ganze Artikelreihe ist neoliberale Selbstbeweihräucherung auf Bunte Niveau.
kfp 22.06.2011
5. Elitendenken...
Zitat von JBeauregardDer Artikel hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. So wie der Herr das beschrieben hat, so verhält es sich tatsächlich. Ich bin selbst Personalberater und ich kann diesem ABC nur zustimmen. Ich bekomme hier das Gefühl von vielen frustrierten Menschen umgeben zu sein die bedauerlicherweise nichts von der Branche verstehen und nur die negativen Aspekte zu bewerten wissen. Sie können alle so viel schimpfen, beleidigen und kristisieren wie sie wollen, das wird auch nichts an der Tatsache ändern, dass es Headhunter gibt und diese, trotz vieler zum Teil doch sehr schwachen Gegenargumente, sehr wichtig für Mittelstand und Großunternehmen sind.
Das schlimme an Ihrer Branche scheint mir (wenn ich mir dieses ABC durchlese erst recht) dieses extrem kurzsichtige Elitendenken zu sein: Nur wer schon einen guten Job hat ist interessant. Durfte ich selbst auch erleben: Als Projektleiter im Ingenieurwesen mit jahrelanger internationaler Erfahrung, damals in London stationiert, wurde ich regelrecht hofiert. Habe mich dann nach D zurücklocken lassen, und kaum war ich umgezogen, kam die Krise und Massenkündigung, von der ausnahmslos niemand unter 6 Monaten Dienstalter verschont blieb. Seitdem bin ich einer dieser nutzlosen Tausende, die sich auf Anzeigen bewerben und in irgendwelche Datenbanken weggespeichert werden... (Nach 3 Monaten in D hatte ich natürlich auch noch keine Gelegenheit, ein Netzwerk aufzubauen...) Dabei bin ich dieselbe Person mit denselben Erfahrungen und Kenntnissen... Diese Einstellung sollten Sie vielleicht mal überdenken, dass Tausende nur wert sein sollen, in einer Datenbank über Jahre zu verschimmeln, während Sie mit anderen Headhuntern um ein paar Leute wetteifern, die eh schon einen guten Job haben, die aber darüber hinaus auch keine bessere "Qualifikation" haben als der "Trash" in Ihrer Datenbank. Dann würde Ihre Branche auch vielleicht etwas weniger negativ gesehen werden, nicht nur als ein überbezahlter Groupie-Club für Eliten...
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