Beruf und Familie "Das Erziehungsgeld war besser"

Nese, 33, arbeitssuchend, hat mit ihrem Mann, 33, selbstständig, zwei Kinder. Für den zehn Jahre alten Ozan hat sie Erziehungsgeld bekommen, bei Baran, vier, Elterngeld.

Nese mit ihrem großen Sohn Ozan
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Nese mit ihrem großen Sohn Ozan


"Nach der Geburt von unserem jüngeren Sohn Baran habe ich ein Jahr lang Elterngeld bekommen. Das wurde mir auf dem Arbeitsamt empfohlen. Das waren glaube ich so 150 Euro zusätzlich zu Hartz IV. Anschließend habe ich noch Betreuungsgeld bekommen.

Dass mein Mann auch Elternzeit hätte nehmen können, wusste ich nicht. Aber er ist ohnehin selbstständig und muss den ganzen Tag arbeiten. Finanziell wäre das nicht gegangen. Und geklappt hätte das auch nicht gut. Da hätte bei mir den ganzen Tag das Telefon geklingelt und er hätte mich gefragt, was er machen muss.

Den Haushalt mache ich auch allein, aber eigentlich bin ich nicht nur Hausfrau. Früher habe ich in der Gastronomie gearbeitet, ich habe aber leider noch keinen neuen Job gefunden. Für Arbeitssuchende ist das Elterngeld finanziell nicht so gut. Bei unserem ersten Sohn war das besser, da haben wir noch Erziehungsgeld bekommen. Das waren monatlich so 350 Euro zwei Jahre lang."

Aufgezeichnet von Swantje Unterberg



insgesamt 5 Beiträge
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christiewarwel 18.02.2017
1. Schade
was nicht erwähnt wird: In etlichen Berufen ist eine längere Auszeit, egal ob für Väter oder Mütter, nicht drin, wenn man anschließend nicht auf der Straße stehen will. Nennt sich befristeter Arbeitsvertrag.
robeuten 18.02.2017
2. tja, und dann gibt es noch
die hervorragend ausgebildete Frau, und den hervorragend ausgebildeten Mann, die beide in Berufen tätig sind, wo eine Auszeit von mehr als wenigen Monaten den beruflichen Untergang bedeutet. Naja, dafür können wir uns ganz tolle Betreuung einkaufen, und ganz toll viele Steuern zahlen. Eine ideologiefreie Analyse, warum v.a. Akademikerinnen kaum Kinder in Schland bekommen, verbunden mit daraus abgeleiteten Maßnahmen, die nicht jede Legislaturperiode in großem Maße geändert werden, könnte da etwas ändern - vor einigen Tagen wurde hier zurecht das Elend des akademischen Mittelbaus an der Uni dargelegt - kein Wunder, daß solch' akademisches Tagelöhnerproletariat keine Kinder bekommt!
spasssbremse 19.02.2017
3. Französische Verhältnisse
Für mich und meine Frau wäre es nicht in Frage gekommen, unsere Kinder von morgens bis abends in die Kita zu geben. Ich habe Arbeitskollegen aus Frankreich, bei denen ich mich oft frage, warum die überhaupt Kinder haben, wenn sie von 7:00 bis 18 Uhr irgendwo untergebracht sind (und das schon mit 3 Monaten!). Unsere beiden Kinder gingen zwar schon mit einem Jahr in die Krippe, aber dann immer nur wenige Stunden. Man muss aber auch sagen, dass meine Frau mit halber Stelle Lehrerin am Gymnasium ist und deswegen mehr Zeit während des Tages und der Schulferien hat. Sie arbeitet dann meist noch abends oder am Wochenende, an dem ich dann viel mit den Kindern unternehme. Was uns immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass bei zwei Akademikern oftmals beide Vollzeit arbeiten, obwohl es auch anders möglich wäre. Aber irgendwie müssen ja die beiden Urlaube pro Jahr finanziert werden... Erschreckend finden wir auch, wie viele Kinder in Akademikerhaushalten ständig TV oder andere Medien konsumieren. Da unsere Kinder (5 und 7) nur am Wochenende TV schauen und noch keinen Zugang zum Internet haben, gehören wir schon zu den Exoten! Wir finden es wichtiger, dass die Kinder viel miteinander spielen und auch Zeit mit uns verbringen...
Der_Franke 19.02.2017
4. Besser befristet als gar keiner
Zitat von christiewarwelwas nicht erwähnt wird: In etlichen Berufen ist eine längere Auszeit, egal ob für Väter oder Mütter, nicht drin, wenn man anschließend nicht auf der Straße stehen will. Nennt sich befristeter Arbeitsvertrag.
So sieht nämlich die Arbeitsmarktrealität bei der Generation Ü50 aus. Berwerbungen kann man sich in diesm Alter eigentlich sparen. Hier liegen die wahren Probleme in Schland. Stattdessen wird immer nur von Nebenkriegsschauplätzen wie in dem Bericht berichtet.
tgu 20.02.2017
5. Elterngeld und Elternzeit nur der Anfang...
...und dann? Wenn ich denke, wenn meine Frau und ich uns nicht für Kinder entschieden hätten und meine Frau in ihrem alten Beruf weiter gearbeitet und weiter verdient hätte, dann hätten wir heute wesentlich mehr Geld zur Verfügung. Könnten in den Urlaub fahren, hätte mehr Zeit für Hobbys!!! Hier liegt das Problem!!! Mit Kindern steht man finanziell schlechter dar als kinderlose Paare. Statt den Eltern Brotkrummen (12 bis 14 Monate Elterngeld) hin zu werfen und ein bischen Geld für den Anfang beizusteuern, sollte man die Familie mit Kindern insgesamt steuerlich besser stellen. Es kann nicht sein, dass Eltern verzichten und für die Zukunft unser Landes sorgen, und der Rest lässt es sich gut gehen und profitiert dann im Alter von unserer "Vorsorge".
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