Beruf und Familie "Eine Auszeit war in meinem neuen Job nicht drin"

Benjamin, 28, Vertriebsmitarbeiter im Einzelhandel, und Stefanie, 26, Kinderkrankenschwester, sind Eltern der zweijährigen Lotta.

Benjamin und Stefanie
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Benjamin und Stefanie


Stefanie: "Ich bin nach der Geburt von Lotta ein Jahr zu Hause geblieben und habe in der Zeit Elterngeld bekommen, das ist finanziell schon ein Unterschied."

Benjamin: "Und das, obwohl du ja gut verdienst als Kinderkrankenschwester. Wir bekommen beide in etwa gleich viel. Für mich kam die Elternzeit aber nicht infrage, weil ich zu Lottas Geburt den Job gewechselt habe. Und mit meinem neuen Chef hatte ich vereinbart, erst mal keine Auszeit zu nehmen."

Stefanie: "Das wäre zwar schon schön gewesen, wenn du mehr zu Hause gewesen wärst, aber die Arbeitsplatzsicherheit ging vor."

Benjamin: "Beim nächsten Kind würde ich schon gern Elternzeit nehmen, zumindest, wenn das mit meinem Arbeitgeber vereinbar ist. Ich befürworte die Elternzeit für Väter, die sollen ihre Kinder ja nicht nur von 18 bis 20 Uhr sehen. Und die Frau muss auch entlastet werden, gerade in der Anfangszeit. Aber darauf pochen würde ich nicht. Und mehr als zwei Monate Elternzeit könnte ich mir beruflich auch nicht vorstellen."

Das Elterngeld
Mütter und Väter können seit 2007 bei der Geburt eines Kindes Elterngeld beantragen. Es löste als Lohnersatzleistung das Erziehungsgeld ab. Mütter oder Väter, die zur Kindererziehung vorübergehend aus dem Beruf ausscheiden, erhalten 65 Prozent des letzten Nettolohns, höchstens jedoch 1800 Euro monatlich. Alleinerziehende und Geringverdiener erhalten einen monatlichen Sockelbetrag von 300 Euro. Das Elterngeld wird zunächst für ein Jahr gezahlt. Es wird zwei weitere Monate gewährt, wenn der berufstätige Elternteil die Kinderbetreuung übernimmt. Alleinerziehende erhalten das Elterngeld die vollen 14 Monate.

Stefanie: "Das hängt auch mit der Größe der Firma zusammen. Bei mir im Krankenhaus ist das einfacher, als wenn bei 25 Mitarbeitern einer ausfällt. Ich muss keine Angst um den Arbeitsplatz haben. Lotta ist mit einem Jahr in die Kita gekommen, seitdem arbeite ich wieder Vollzeit. Da ich im Schichtdienst zum Beispiel vormittags Zeit habe, wenn Lotta schon in der Kita ist, mache ich mehr im Haushalt."

Benjamin: "Einkaufen, waschen, das mach ich auch. Aber putzen hängt mehr an dir. Unsere Entscheidung für Kinder haben wir nicht vom Elterngeld abhängig gemacht. Selbst wenn es gar kein Geld für ein weiteres Kind gäbe, würden uns das nicht abhalten. Allerdings haben wir unterschätzt, für was man alles so Ausgaben hat. Vor unserem nächsten Kind wollen wir mehr ansparen."

Aufgezeichnet von Swantje Unterberg



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