Studie Wie Elternzeit das Verhalten von Männern ändert

Beeinflusst die Elternzeit das Rollenverständnis von Vätern? Ja, haben Forscher aus Essen festgestellt. Die Effekte seien deutlich messbar - etwa beim Thema Hausarbeit.

Vater in Elternzeit (Symbolbild)
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Vater in Elternzeit (Symbolbild)


Väter, die in Elternzeit gehen, verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern und verrichten mehr Haushaltsarbeit als andere Väter - und zwar nicht nur kurzfristig. Der Effekt halte auch noch Jahre nach der Elternzeit an, zeigt eine Studie des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Väter, die in Elternzeit waren, verbringen demnach in den ersten sechs Lebensjahren ihres Kindes am Wochenende täglich rund eineinhalb Stunden mehr mit ihren Kindern als Väter, die durchgehend arbeiteten.

Auch was die Hausarbeit betrifft, macht sich die Elternzeit noch länger bemerkbar. Väter, die Elternzeit und Elterngeld in Anspruch nahmen, machten täglich eine halbe Stunde mehr Hausarbeit, zeigt die Studie.

Auch wenn die meisten Väter nur zwei Monate Elternzeit nähmen, verändere dies langfristig die Rolle, die der Vater in der Familie habe, sagt Wirtschaftswissenschaftler Marcus Tamm, der an der Studie mitgearbeitet hat. "Dass diese Verhaltensänderungen so nachhaltig sind, war auch für uns überraschend."

Die Elternzeit der Väter wirkte sich den Angaben zufolge auch auf die Erwerbstätigkeit der Mütter aus, zumindest im ersten Lebensjahr des Kindes: Mütter arbeiten dadurch pro Woche gut neun Stunden mehr.

Die Auswertung basiert auf Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Damit werden seit 1984 jährlich Daten von rund 11.000 Haushalten und insgesamt mehr als 30.000 Menschen in Deutschland erhoben. Die Elternzeit-Studie nutzte Angaben aus den Jahren 2000 bis 2015.

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Väter in Elternzeit: "Diese Gelegenheit kommt nicht wieder!"

Die Forscher verglichen das Verhalten von Männern, die sowohl vor als auch nach der Einführung des Elterngeldes 2007 Vater geworden waren. Es sei aufgrund des Studienansatzes deshalb nicht davon auszugehen, dass der Effekt darauf beruhe, dass Elternzeit nehmende Väter ohnehin die engagierteren seien, sagt Tamm. "Wir sehen bei denselben Vätern Unterschiede zwischen dem ersten Kind, bei dem sie keine Elternzeit genommen haben, und dem zweiten, bei dem sie mindestens zwei Monate genommen haben."

fok/dpa



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