So geht Arbeit Elternzeit für Väter - die dürfen das

Sie sind Vater, möchten gern Elternzeit nehmen und sind nicht sicher, wie das beim Chef ankommt? Die Grundregeln sind einfach und Ihr Vorgesetzter kann kaum widersprechen.

Ein Löffel für Papa
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Ein Löffel für Papa

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Sie haben ein Problem:

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie's mit der Elternzeit wagen können. Demnächst werden Sie Vater, und Ihr Eindruck ist: Bei Müttern nimmt der Chef hin, was biologisch nicht zu ändern ist. Aber dass seit ein paar Jahren auch die Väter auf der Arbeit pausieren wollen, nur weil sie ein Kind bekommen, das hält er für neumodischen Quatsch.

Das könnte helfen:

An der konservativen Haltung des Chefs können Sie vermutlich wenig ändern - auch wenn er damit allmählich zum Außenseiter wird. Denn in den vergangenen Jahren haben immer mehr Väter sich für die Elternzeit entschieden, allein 97.000 im zweiten Quartal 2015 - neuere Zahlen liegen nicht vor.

Geholfen hat natürlich die Regelung, dass Paare zwei Monate länger Elterngeld bekommen, bei denen der Vater wenigstens zwei Monate mit aussteigt. Aber inzwischen spricht sich rum, dass das eigentlich allen Beteiligten guttut. Sogar den Kollegen von Elternzeitrückkehrern, denn die haben sich in Ruhe auf die neue Konstellation mit Arbeit plus Nachwuchs vorbereiten können.

Wichtig für Sie zu wissen: Die Auszeit für die Familie kann nach den Buchstaben des Gesetzes nicht verwehrt werden - seien Sie also ruhig hartnäckig, wenn Sie auf ersten Widerstand stoßen. Und wenn die Elternzeit wenig später mit einer Kündigung bestraft wird, können Sie der Firma richtig Ärger machen.

Allerdings ist es klug, die Sache nicht gleich so konfrontativ anzugehen. Sorgen Sie für gutes Klima, planen Sie frühzeitig. Ohnehin müssen Sie Ihre Elternzeit auf den Tag genau beantragen, spätestens sieben Wochen vor dem Beginn. Und jeder, der eine Personalplanung organisieren muss, freut sich, wenn er möglichst früh Bescheid bekommt.

Worauf müssen sie achten?

  • Neben der Sieben-Wochen-Frist ist auch die Schriftform wichtig.
  • Außerdem können Chefs verlangen, dass Sie sämtliche Elternzeitabschnitte für zwei Jahre im Voraus festlegen - und sich dann bei Änderungen stur stellen. Die Mehrheit der Arbeitgeber wird da aber nicht so bürokratisch sein. Pro Elternteil sind drei Zeitabschnitte möglich.

Bedenken Sie, dass Elterngeld und Elternzeit unabhängig voneinander sind. Die meisten Paare, bei denen beide Partner mitmachen, haben Anspruch auf 14 Monate Elterngeld, die sie untereinander beliebig verteilen können.

Elternzeit dürfen Sie allerdings deutlich mehr nehmen, dann ohne die Geldspritze vom Staat. Das Maximum beträgt insgesamt 36 Monate für die ersten drei Lebensjahre des Kindes. Außerdem können zwischen dem 3. und 8. Geburtstag des Kindes weitere 24 Monate verteilt werden - die von den 36 Monaten abgezogen werden. Hier kann ein Arbeitgeber bei "dringenden betrieblichen Gründen" widersprechen. (Alle Regeln für Geburten ab dem 1. Juli 2015.) Während der Elternzeit ruht Ihr Arbeitsvertrag, Ihr Rückkehrrecht ist verbrieft.

Allerdings muss man sich den Einnahmenausfall halt leisten können. Elterngeld ersetzt das Gehalt in einer Vielzahl von Fällen zu 67 Prozent, mehr als 1800 Euro gibt es auf keinen Fall. Und Mutterschutzmonate werden auf das Elterngeld angerechnet, zählen also nicht zusätzlich. Mit dem Online-Rechner des Familienministeriums können Sie Ihre Finanzen in der Elternzeit schnell einschätzen.

Und sonst so?

Seit vergangenem Jahr gibt es das Elterngeld Plus. Das erlaubt noch viel buntere Modelle, bei denen die mögliche Gesamtzeit auf Teilzeitmonate aufgeteilt wird. Man kann also zum Beispiel eine Teilzeitelternzeit mit Elterngeld machen, die dann entsprechend länger dauert. Auch eine Teilzeitbeschäftigung jenseits des angestammten Arbeitsverhältnisses ist möglich.

Einen ersten Überblick gibt es hier. Allerdings sind die Möglichkeiten inzwischen so vielfältig, dass man dringend raten muss, sich Rat zu holen. Das Familienministerium informiert auf Elterngeld-Plus.de, kostenlose Beratung bietet es unter der Telefonnummer 030-20179130 (normale Gesprächsgebühren, erreichbar Montags bis Donnerstags 9 bis 18 Uhr) oder über diesen E-Mail-Service.

Oder Sie machen bald einen Termin mit der Elterngeldstelle Ihrer Gemeinde, um schnell zu wissen, was für Sie in Frage kommt. Dann können Sie auch gegenüber Ihrem Chef freundlich, aber bestimmt auftreten.

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