Erbenermittler Dem Blut auf der Spur

Sie stöbern in vergilbten Adressbüchern und Melderegistern, in alten Briefen und Fotoalben, aber auch auf Facebook und Twitter. Wenn Verstorbene weder Testament noch bekannte Verwandte hinterlassen, suchen professionelle Ermittler nach den Erben - auch am anderen Ende der Welt.

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Von Peter Ilg


Manchmal macht Heinrich Georg Ely Menschen zu Millionären. 2,3 Millionen Euro ist die höchste Summe, die er bislang zu überantworten hatte. Ely ist Erbenermittler. Wenn es weder ein Testament gibt noch auf den ersten Blick Verwandte auszumachen sind, wird er mit der Suche nach den Erben beauftragt. Meist braucht er mehrere Monate, um Nachkommen zu finden, manchmal sogar Jahre.

Das Gut fließt wie das Blut - nach diesem Grundsatz aus dem Erbrecht geht das Vermögen eines Verstorbenen zunächst an Kinder, Enkel und Urenkel. Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen folgen auf der zweiten Ebene. Leben keine leiblichen Nachkommen mehr, fällt die Erbschaft an den Staat. Tauchen dann doch noch Erben auf, können sie den Nachlass zurückfordern. Erst nach 30 Jahren erlischt die Frist.

Nachlassgerichte prüfen die Erbfolge sehr genau. Erst, wenn alle Erben ermittelt sind, geben sie den Nachlass frei. Im Fall einer verstorbenen Dame aus der Pfalz wurde das Vermögen in Höhe von einer Million Euro erst einmal nicht ausgezahlt: Ein Nachlasspfleger hatte zwar 13 Erbberechtigte in Deutschland gefunden, er hatte aber auch erfahren, dass im 19. Jahrhundert nahe Verwandte der Verstorbenen in die USA ausgewandert waren. Und dort war er mit der Recherche nicht weitergekommen. Einer der 13 Erben beauftragte deshalb Ely mit der Suche.

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Der 34-Jährige interessiert sich schon lange für Ahnenforschung. Er hat Geschichte und Jura studiert, kann Altdeutsch lesen - ideale Voraussetzungen für den Job als Erbenermittler, fand er und machte sich gleich nach seinem Studienabschluss selbständig. Allerdings: "Die Anlaufzeit war wirtschaftlich schwierig", sagt er. Komplizierte Fälle zu lösen kann Jahre dauern. Und ein Honorar wird nur im Erfolgsfall bezahlt.

Gerichtlich bestellte Nachlasspfleger haben es da besser: Sie werden bei der Suche nach Erben auf Stundenbasis vom Gericht bezahlt - unabhängig vom Erfolg. Auch Ely arbeitet ab und an als Nachlasspfleger für ein Gericht in Rheinland-Pfalz. Die dafür nötigen Kurse hat er bestanden. Daneben arbeitet er als freier Mitarbeiter für ein Unternehmen, das sich auf Erbenermittlung spezialisiert hat und Korrespondenten in aller Welt beschäftigt. Im Fall der alten Pfälzerin arbeitete sich Ely zusammen mit Kollegen aus den USA im Stammbaum der Dame Jahrzehnt für Jahrzehnt zurück.

"Ich muss vor allem kombinieren können", sagt er. Zeitgeschehen in Verbindung mit Regionen und Menschen bringen - das sei sein Erfolgsrezept. Etwa 300 bis 400 Erbenermittler gebe es in Deutschland, schätzt Ely, "und der Bedarf wird steigen". Schließlich würden die Menschen immer älter und mobiler und die Familienverhältnisse immer komplexer: Scheidungen, uneheliche Kinder, wer blickt da noch durch?

Von 500.000 Euro bleiben nur 100 Euro übrig

Tatsächlich gibt es schon heute kaum noch Alleinerben, die Millionen einstreichen. "Erbengemeinschaften mit 30, 40, 80 Leuten sind keine Seltenheit", sagt Klaus Amon, 53, der für die Hoerner Bank Nachlässe betreut, Vermögen verwaltet und Erben ermittelt. Im Extremfall blieben von 500.000 Euro nur noch 100 Euro für jeden übrig, sagt er.

Für die Arbeit der Erbenermittler gibt es im Prinzip keine Vorschriften. Das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt lediglich, dass der Nachlasspfleger suchen muss, aber weder wie lange noch wie. Ermittler wie Ely und Amon stöbern in Briefen und Fotoalben, durchsuchen Melderegister und Datenbanken, Adress- und Kirchenbücher und nutzen Facebook, Twitter oder genealogische Internetseiten.

Haben sie Erben gefunden, schließen sie mit ihnen einen Vertrag über ihr Suchhonorar: Erst, wenn dieser unterzeichnet ist, geben sie Details zur Erbschaft preis. Betrüger nutzen das aus. Sie verschicken etwa Serienbriefe mit dem Hinweis, gegen 50 Euro Vorschuss Informationen zu liefern. "Seriöse Erbenermittler verlangen nie Vorkasse", sagt Ely. Das Honorar muss erst gezahlt werden, wenn das Erbe ausgezahlt wird.

Der Fall mit der alten Pfälzerin steht kurz vor dem Abschluss. Ely konnte in den USA keine weiteren Erben finden. Er rechnet damit, dass das Nachlassgericht die Million demnächst freigeben wird. Jeder der 13 Erben könnte nach Abzug von Steuern und Gerichtskosten rund 50.000 Euro erhalten. Auch für Ely würde sich das lohnen: 25 bis 30 Prozent der Nettoerbschaft sind als Honorar in der Branche üblich. Die alte Dame könnte sich also als lukrativer Auftrag für ihn erweisen. Doch die sind so selten wie reiche Tanten.

Mit Material von dpa

  • Peter Ilg (Jahrgang 1960) arbeitet als freier Journalist in Aalen und schreibt vor allem über Berufe und Karrieren.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
denkdochmalmit 02.04.2013
1. Und das kann dauern...
Zitat von sysopSie stöbern in vergilbten Adressbüchern und Melderegistern, in alten Briefen und Fotoalben, aber auch auf Facebook und Twitter. Wenn Verstorbene weder Testament noch bekannte Verwandte hinterlassen, suchen professionelle Ermittler nach den Erben - auch am anderen Ende der Welt. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/erbenermittler-und-nachlasspfleger-suchen-nach-unbekannten-erben-a-890356.html
...und zwar solange bis vom Erbe nichts mehr bleibt. Das erleben wir gerade mit einer "Ermittlung" in Osteueropa...
Altesocke 02.04.2013
2. Interessant, was wuerden Gerichte sagen?
"Haben sie Erben gefunden, schließen sie mit ihnen einen Vertrag über ihr Suchhonorar: Erst, wenn dieser unterzeichnet ist, geben sie Details zur Erbschaft preis" Vorenthaltung der mir zustehenden Erbschaft wuerde ich als Unterschlagung ansehen. Wer beauftragt, bezahlt im Allgemeinen, oder? Wer ermittelt, ohne VORHER fuer den Erfolgsfall eine Bezahlung festgeschrieben zu haben, ist selber schuld. Und auf meinen guten Willen angewiesen, hat aber kein Recht, mir die Informationen ueber meine Erbschaft vorzuenthalten. Weil das waere Erpressung. "Du unterschreibst hier, dann erzaehle ich dir, wer/wo/wieviel.
numey 02.04.2013
3. Hä?
Eine Million, abzüglich 25% Provision, 750.000. Geteilt durch 13 Erben - 57.000 Euro. Davon erhalten die nur jeweils 10.000? Wie kann denn das sein? Und dann 500.000 Erbe, wovon die Erben nur jeweils 100 Euro ausgezahlt bekommen? Davon ausgehend, dass wieder vorab 25% Provision abgezogen werden, bleiben 375.000 übrig. Davon ausgehend, dass davon wieder - aus welchen Gründen auch immer - nur ein Siebtel als Erbmasse übrig bleibt, dann wären das 53.000 Euro. Die auf 530 Erben aufgeteilt wurden.
silima 02.04.2013
4.
Zitat von numeyEine Million, abzüglich 25% Provision, 750.000. Geteilt durch 13 Erben - 57.000 Euro. Davon erhalten die nur jeweils 10.000? Wie kann denn das sein? Und dann 500.000 Erbe, wovon die Erben nur jeweils 100 Euro ausgezahlt bekommen? Davon ausgehend, dass wieder vorab 25% Provision abgezogen werden, bleiben 375.000 übrig. Davon ausgehend, dass davon wieder - aus welchen Gründen auch immer - nur ein Siebtel als Erbmasse übrig bleibt, dann wären das 53.000 Euro. Die auf 530 Erben aufgeteilt wurden.
Das ist nicht immer so einfach. Wir hatten einen Erbfall mit einer großen Erbmasse in der Familie. Die größte Summe, die ausgezahlt wurde, betrug um die 16.000 Mark, die kleinste lag bei 560 Mark. Es kommt nämlich sehr auf den grad der Verwandtschaft an, wieviel Geld man am Ende erhält. Ist man eines von drei Geschwistern, deren Vater einer der Cousins des Erblassers ist, der selbst nur eines von 4 Geschwistern ist und noch dazu 5 Onkel und 3 Tanten hatte, teilt sich das Erbe dementsprechend. Es bekommen nicht alle gleich viel, die 100 Euro sind also durchaus realistisch. Wir haben damals auch keinen professionellen Erbenermittler benutzt, sondern es alles selbst gemacht. Die Kosten für Fahrten, um Geburtenbücher einzusehen, teilweise mit Übernachtung, Porto und nicht zuletzt die Beisetzung und Grabpflege kostet. Das Erbe ist letztendlich kein Selbstzweck, in den Fällen, in denen ein Erbenermittler eingeschaltet werden muss, kommt egal wie viel Geld es ist doch eher als Überraschung. Wenn sie es lieber dem Staat überlassen, als jemanden für einen Dienstleistung zu bezahlen, von Geld, mit dem sie nie gerechnet haben, bitte.
SpitzensteuersatzZahler 02.04.2013
5.
Zitat von Altesocke"Haben sie Erben gefunden, schließen sie mit ihnen einen Vertrag über ihr Suchhonorar: Erst, wenn dieser unterzeichnet ist, geben sie Details zur Erbschaft preis" Vorenthaltung der mir zustehenden Erbschaft wuerde ich als Unterschlagung ansehen. Wer beauftragt, bezahlt im Allgemeinen, oder? Wer ermittelt, ohne VORHER fuer den Erfolgsfall eine Bezahlung festgeschrieben zu haben, ist selber schuld. Und auf meinen guten Willen angewiesen, hat aber kein Recht, mir die Informationen ueber meine Erbschaft vorzuenthalten. Weil das waere Erpressung. "Du unterschreibst hier, dann erzaehle ich dir, wer/wo/wieviel.
Ihnen wird ja keine Erschaft vorenthalten, sondern nur die Info, wie Sie da rankommen. Aber die Tatsache, dass Sie bei einem absolut zufälligen Ereignis mit dem niemand rechnen könnte nichtmal 20-25% abgeben würden für denjenigen, der Sie mühevoll recherchiert hat, spricht Bände über Sie.
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