Rache am Ex-Chef Ein giftiger Gruß zum Abschied

Häme, getarnt als fröhliche Grußanzeige: Ein Erfurter Chefarzt bekam öffentlich ein gehässiges Abschiedsgeschenk. Nun erstattet der Klinikkonzern Anzeige.

Zeitungsseite der Thüringer Allgemeinen vom vergangenen Samstag, 11.2.2017
Thüringer Allgemeine

Zeitungsseite der Thüringer Allgemeinen vom vergangenen Samstag, 11.2.2017


Auf den ersten Blick sieht die Anzeige nach dem fröhlichen, ballongeschmückten Gruß ehemaliger Kollegen aus. Doch was am vergangenen Samstag in der "Thüringer Allgemeinen" in der Rubrik "Anzeigen für Erfurt" erschien und seither die Runde in sozialen Netzwerken macht, ist ganz schön gehässig.

Dem Arzt wird darin gedankt, dass er "nach 17 traurigen Jahren endlich den Weg aus Erfurt herausgefunden" habe - Jahre, in denen er reihenweise Mitarbeiter verbogen oder vertrieben habe. Ein Chefarzt, heißt es in dem Text, brauche "Köpfchen und Händchen, soziale und fachliche Kompetenz sowie Empathie". Das aber seien "Worte, die dir völlig fremd sind".

Die Klinik hat inzwischen Strafanzeige gegen unbekannt erstattet, wie ein Sprecher dem SPIEGEL bestätigte. Der Vorwurf: Verleumdung und Rufschädigung. Bereits seit Tagen suche man nach den Verantwortlichen für den vergifteten Gruß. Vor Jahren habe es bereits einmal eine ähnliche Anzeige gegeben, die auch vom Wortlaut her auf den gleichen Verfasser hindeute.

"Das Helios-Klinikum Erfurt distanziert sich von der anonymen Zeitungsanzeige, die gegen einen ehemaligen Chefarzt gerichtet ist", sagte der Sprecher. "Der oder die Urheber der diskreditierenden Äußerungen sind uns nicht bekannt. Wir verwahren uns gegen die anonymen Anschuldigungen gegen einen langjährigen Mitarbeiter unseres Klinikums."

Der betroffene Arzt selbst werde sich nicht äußern. Er arbeitet weiterhin als Chefarzt im Helios-Konzern, an einem Standort in Berlin. Laut dem Sprecher genießt er "als Führungskraft das vollste Vertrauen der Geschäftsführung".

him/mamk



insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
allessuper 16.02.2017
1. wieso gehässig?
oder lese ich eher Schadenfreude aus der Feder des Schreibers? Chefärzte können einem den Beruf vergällen. Sozial inkompetente Chefs überhaupt. Gerade in hierarchischen Strukturen. Da ist es doch schön, wenn sich Mitarbeiter mal frische Luft verschaffen. Das ist weniger gefährlich als eine vergiftete Atmosphäre, bei der die Patienten am Ende der Leideskette stehen. Natürlich haben wir auch hier ein strukturelles Problem von Krankenhäusern, die auf Effizienz aufgebaut sind und nicht auf Wohl und Gesundheit der Patienten. Im Lichte dessen ist das Ganze eher ein witziger Pennälertritt. Besagter Gerald wird ihn sich in den 17 Jahren sicher ehrenvoll verdient haben.
widower+2 16.02.2017
2. Strafanzeige durch die Klinik?
So weit ich weiß kann bei Verleumdung nur die mutmaßlich verleumdete Person einen Strafantrag stellen. Die Klinik hier als Gegenstand der Verleumdung zu sehen, ist doch arg konstruiert.
moneysac123 16.02.2017
3.
Eine Anzeige gegen den Chafarzt wäre angebrachter.
clausbremen 16.02.2017
4. Na ja, ...
... ob Chefarzt, Manager, Bischof oder sonst eine Art von Vorgesetztem. So unwahrscheinlich ist es nicht, dass die anonymen Verfasser des Gruß-Textes eine wohlbegründete Abneigung gegen den Geschmähten hegen. Aber selbstverständlich gilt auch für vermeintlich unerträgliche Vorgesetzte die Unschuldsvermutung.
senapis 16.02.2017
5. Liebe Grüße
"Der betroffene Arzt selbst werde sich nicht äußern. Er arbeitet weiterhin als Chefarzt im Helios-Konzern, an einem Standort in Berlin. Laut dem Sprecher genießt er "als Führungskraft das vollste Vertrauen der Geschäftsführung"." Diese Stellungnahme des Arbeitgebers ist entlarvend. Kein Wort zu einem guten Verhältnis zu seinen Mitarbeitern. Scheint also nicht allzuweit daneben zu liegen, dieser fröhliche Gruß aus Erfurt.
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