Erste Hilfe Karriere Eine zweite Chance für Bewerber

Nach einer Absage erneut anklopfen? Viele trauen sich das nicht, wenn ein Vorstellungsgespräch nicht zum Erfolg geführt hat. Ein Fehler, findet Bewerbungshelfer Gerhard Winkler: Die Einblicke ins Unternehmen, die Sie da gewonnen haben, könnten Ihnen in der zweiten Runde helfen.

Noch mal, weil's so schön war: Dem Ruf schadet ein zweiter Versuch nicht
Corbis

Noch mal, weil's so schön war: Dem Ruf schadet ein zweiter Versuch nicht


Ein Leser fragte kürzlich: "Ich habe gerade ein umfangreiches Bewerbungsverfahren hinter mir und bin in der letzten Auswahlrunde ausgeschieden. Jetzt schreibt das Unternehmen wieder eine ähnliche Stelle aus. Ich bin unsicher, ob ich mich da noch mal bewerben soll, die kennen mich ja schon."

Man hat niemals eine zweite Chance, sagen die abgekämpften Boxer, die abgebrühten Werbefachleute und die ausgesprochenen Pessimisten. Diese Lebensweisheit stimmt in jedem Fall, wenn Sie ergänzen: "Ich habe nie eine zweite Chance, außer, ich versuche es noch einmal."

Alle professionellen Oberflächenveredler (auf Anhieb fallen einem Verkäufer, Friseure und Bewerbungscoaches ein) fangen ihre Kunden gern mit der banalen Erkenntnis, man habe niemals eine zweite Chance, auf den ersten Blick zu überzeugen. Gewiss gibt es für die Gelegenheit, einen guten ersten Eindruck zu machen, kein Replay. Doch wer lässt sich schon allein vom ersten Augenschein leiten?

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

Sie haben Fragen zu Karrierethemen, Probleme am Arbeitsplatz, Themenanregungen? Unsere Experten freuen sich über Ihre Nachricht!
Was Sie zu hören bekommen, sind eher Geschichten, wie Menschen auf den ersten Blick unscheinbar, unattraktiv oder uninteressant gewirkt und dann fröhlich einen Sympathiepunkt nach dem anderen gesammelt haben. Nach und nach Vertrauen aufbauen und dem kritischen Blick auf Dauer standhalten: Darauf kommt es an.

Ein zweiter oder dritter Platz ist kein K.o.

Und Sie haben doch auf Anhieb imponiert! Einen ersten Punktgewinn für den guten ersten Eindruck konnten Sie ja schon verbuchen. Sie haben sich zudem einer mehrstufigen Auswahlprozedur unterzogen, sind sehr gut über die Runden und bis in den Endlauf gekommen. Dort haben Sie einen ehrenhaften zweiten oder dritten Platz erreicht.

Der nutzt Ihnen nichts? The winner takes it all? Mal sehen.

Gesetzt den Fall, man hat sich erst am Ende gegen Sie entschieden: Jede Absage kann mit einer Neuanfrage beantwortet werden. Ob in den Wochen und Monaten nach dem Bewerbungsflop dieselbe oder eine ähnliche Position neu ausgeschrieben wurde oder ob Sie sich auf gut Glück wieder melden, ist dabei egal.

Mailen ist für Feiglinge

Es schadet grundsätzlich nicht Ihrer Reputation, wenn Sie sich nach Wochen oder wenigen Monaten erneut melden und Ihr fortgesetztes Interesse an einer Zusammenarbeit übermitteln. Rufen Sie an. Mailen ist nur für Feiglinge! Die Visitenkarten der Interviewer haben Sie ja zum Glück aufgehoben.

Holen Sie tief Luft, wählen Sie durch, starten Sie so: "Guten Morgen, Herr Schubert. Thekla Anzengruber. Ich war mit Ihnen im September im Gespräch wegen der Greenkeeper-Stelle für den Eastside-Platz. Sie hatten sich am Ende für eine Kollegin entschieden, da sie sich auch mit Bermuda- und Kentucky-Gras gut auskennt."

Sie selbst waren in der Zwischenzeit nicht faul, sondern haben in Florida einen Rasenpflege-Workshop besucht. Jetzt haben Sie vom Platz-Marshall, Herrn Blechner, erfahren, dass auch für die Wartung des Randy-Lyle-Platzes eine verlässliche Kraft gesucht wird. "Sie erinnern sich bestimmt, dass ich gerade zu Ihrer Golfanlage eine besondere Beziehung habe. Darf ich es wagen, mich erneut bei Ihnen zu bewerben?"

Gestandene Greenkeeper finden "darf ich es wagen" vielleicht zu affig. Dann formulieren Sie doch so: "Wollen Sie mir eine zweite Chance geben?" Oder Sie verkünden: "Ich möchte meinen Gärtnerhandschuh noch einmal in den Ring werfen."

Nun kennen Sie die Leute, auf die es ankommt

Ich wette um ein Dutzend Titleist-Bälle, dass Sie freundlich aufgefordert werden, sich erneut zu bewerben. Verschicken Sie jetzt aber nicht unbesehen den letzten Lebenslauf, gepaart mit einem lakonischen Begleitschreiben. Jedes Bewerbungsverfahren startet von vorn. Rüsten Sie sich dafür. Nach Ihrem ersten Jobfindungsversuch können Sie weit besser einschätzen, worauf es dem Platzbetreiber ankommt. Ergänzen Sie, nuancieren Sie Ihren Lebenslauf. Arbeiten Sie noch klarer heraus, was alles für Sie spricht.

Das gilt ebenso für Ihr Anschreiben. Auch wenn sich die Anforderungen der vorherigen und der neuen Stelle weitgehend gleichen: Ihr Wissen um die Wünsche und Vorstellungen des Jobanbieters hat sich erweitert. Vor allem kennen Sie schon ganz gut die Leute, die Sie erreichen und überzeugen wollen. Nutzen Sie diese Vorteile, formulieren Sie noch eine Spur selbstbewusster.

Auf dem Grün, dort, wo es drauf ankommt, wollen Sie Ihr Verhalten vom letzten Mal nicht einfach reproduzieren. Hat irgendetwas den Jobanbieter daran gehindert, Ihnen voll und ganz zu vertrauen? Sind Sie nicht verbindlich und fest genug aufgetreten? Haben Sie etwa Zweifel an Ihrer fachlichen Eignung und persönlichen Integrität zugelassen? Wussten Sie zu wenig über den Platz und seine Besonderheiten, über die Anlagenbetreiber und Mitglieder, über die Geschichte, das Selbstverständnis und den Anspruch dieses Orts? Machen Sie sich erneut kundig, forschen Sie weiter nach.

Sollten Sie bei den ersten Treffen die Vergütungsfrage zu ungeschickt und ängstlich angegangen sein, dann spricht nichts dagegen und alles dafür, Ihren Preis anzupassen. Es ist nie falsch zu zeigen, wie schnell man auf dem Platz und im Jobleben dazulernt.

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Plasmabruzzler 12.12.2011
1. Personal von der Resterampe
Zitat von sysopNach einer Absage erneut anklopfen? Vielen trauen sich das nicht, wenn ein Vorstellungsgespräch nicht zum Erfolg geführt hat. Ein Fehler, findet Bewerbungshelfer Gerhard Winkler: Die Einblicke ins Unternehmen, die Sie da gewonnen haben, könnten Ihnen in der zweiten Runde helfen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,801449,00.html
Hier sollte aber noch erwähnt werden, dass es sich bei dem 2. Anlauf um eine etwas andere Stellen handeln sollte. Es steht zwar im Artikel, kommt aber schwach rüber. Oder man hat in der Zwischenzeit neue Erfahrungen bzw. Qualifikationen gesammelt. Bewirbt man sich auf die selbe Stelle noch einmal (weil z. B. in einigen Wochen/Monaten kein passender Bewerber gefunden wurde) und erhält dann eine Zusage, kann man sich wie Personal von der Resterampe fühlen. Eventuell wurde in der Zeit sogar der Preis gedrückt. Bestimmt hat unser "Experte" auch eine gute Antwort darauf, wenn die Firma bei einem Gespräch fragt: "Und warum haben Sie sich ein zweites Mal bei uns beworben?" Herr Winkler propagiert zwar das offensive Vorgehen (aktiv statt passiv nachfragen), aber diese Art kommt auch nicht in jedem Unternehmen gut an. Je nach Alter der/des Gesprächspartner/s und Art der Arbeit sollte man abwägen.
silverronni 12.12.2011
2. Geht meistens nicht!
Ich nehme mal an, daß die Verfasser dieses Artikels sich noch nicht selbst beworben haben. Denn ein Nachfragen, nach einem gescheiterten Gespräch, bringt nur Unmut. Denn die Antworten sind meist schon beleidigend. Es geht doch in Deutschland nur noch um Billig, Billiger, noch Billiger und umsonst.Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wurde in diesem Land mit Hilfe der Politik perfektioniert. Die Jobcenter tun dabei Ihr Übriges. Wer kontrolliert eigentlich den Statistischen Schwindel der Jobcenter? Wird mir eine zweite Anreise zu der Firma wirklich bezahlt? Wenn das Gespräch gescheitert ist, muss ich doch schon wieder den nächsten besuchen, damit die Leute im Jobcenter Ihre Daseinsberechtigung behalten.
thetan 12.12.2011
3. vorab...
Zitat von silverronniIch nehme mal an, daß die Verfasser dieses Artikels sich noch nicht selbst beworben haben. Denn ein Nachfragen, nach einem gescheiterten Gespräch, bringt nur Unmut. Denn die Antworten sind meist schon beleidigend. Es geht doch in Deutschland nur noch um Billig, Billiger, noch Billiger und umsonst.Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wurde in diesem Land mit Hilfe der Politik perfektioniert. Die Jobcenter tun dabei Ihr Übriges. Wer kontrolliert eigentlich den Statistischen Schwindel der Jobcenter? Wird mir eine zweite Anreise zu der Firma wirklich bezahlt? Wenn das Gespräch gescheitert ist, muss ich doch schon wieder den nächsten besuchen, damit die Leute im Jobcenter Ihre Daseinsberechtigung behalten.
Vorab: Das Bild über dem Artikel ist doch ein Witz, oder? Die "Personaler" sehen ja aus wie frisch eingestellte Azubis. Bei einfachen Stellen sitzen einem keine 4 Leute gegenüber. Und bei etwas gehobeneren Positionen kann man auch ein ernstzunehmendes Gegenüber erwarten. Der einzig richtige Schritt bei in diesem Szenario wäre umzudrehen und wieder zu gehen. Aber nun gut. Ich nehme mal an, dass Sie noch nicht oft Leute eingestellt haben. Bei ehrlichen Antworten kommt man als ablehnender Arbeitgeber leider leicht in die Situation vom abgelehnten Bewerber verklagt zu werden. Man müsste daher jede Auskunft von der Rechtsabteilung prüfen lassen, ob die (ehrliche) Antwort eventuell so ausgelegt werden könnte, dass man bei der Entscheidung gegen Antidiskriminierungs-/Gleichstellungsgesetze verstoßen haben könnte. Bevor man das macht, verschickt man lieber Standardabsagen.
eu-sklave 12.12.2011
4. Mit sich selbst beschäftigt?
Zitat von thetanVorab: Das Bild über dem Artikel ist doch ein Witz, oder? Die "Personaler" sehen ja aus wie frisch eingestellte Azubis. Bei einfachen Stellen sitzen einem keine 4 Leute gegenüber. Und bei etwas gehobeneren Positionen kann man auch ein ernstzunehmendes Gegenüber erwarten. Der einzig richtige Schritt bei in diesem Szenario wäre umzudrehen und wieder zu gehen. Aber nun gut. Ich nehme mal an, dass Sie noch nicht oft Leute eingestellt haben. Bei ehrlichen Antworten kommt man als ablehnender Arbeitgeber leider leicht in die Situation vom abgelehnten Bewerber verklagt zu werden. Man müsste daher jede Auskunft von der Rechtsabteilung prüfen lassen, ob die (ehrliche) Antwort eventuell so ausgelegt werden könnte, dass man bei der Entscheidung gegen Antidiskriminierungs-/Gleichstellungsgesetze verstoßen haben könnte. Bevor man das macht, verschickt man lieber Standardabsagen.
Sind die Personalabteilungen nur noch mit sich selbst beschäftigt? Es gibt Firmen, wo die gleichen Stellen alle paar Monaten immer wieder zu Ausschreibung stehen. Was sollte man daraus ableiten? 1. Sind die Personalführungskräfte, oft sehr junge Personalchefin, unfähig Personal zu rekrutieren? 2. Werden die falschen Erwartung und Anforderung am Bewerber gestellt? 3. Haben diese Firmen ein katastrophales Betriebsklima? 4. Sind die Fachkräfte die sich bewerben mangelhaft ausgebildet? Diese Erfahrung habe ich in der EDV / IT Branche, die letzten zwei Jahren als ältere Bewerber oft erfahren müssen. Aus Datenschutz Gründen dürfen Bewerbungsunterlagen nicht mehr aufgehoben werden, daher sollte eine zweite Bewerbung nach Wochen oder Monate gar nicht mehr auffallen sollen.
b_russel 12.12.2011
5. Nachfragen
Zitat von silverronniIch nehme mal an, daß die Verfasser dieses Artikels sich noch nicht selbst beworben haben. Denn ein Nachfragen, nach einem gescheiterten Gespräch, bringt nur Unmut. Denn die Antworten sind meist schon beleidigend. Es geht doch in Deutschland nur noch um Billig, Billiger, noch Billiger und umsonst.Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wurde in diesem Land mit Hilfe der Politik perfektioniert. Die Jobcenter tun dabei Ihr Übriges. Wer kontrolliert eigentlich den Statistischen Schwindel der Jobcenter? Wird mir eine zweite Anreise zu der Firma wirklich bezahlt? Wenn das Gespräch gescheitert ist, muss ich doch schon wieder den nächsten besuchen, damit die Leute im Jobcenter Ihre Daseinsberechtigung behalten.
Sie wollen vermutlich auf das Diskriminierungsgesetz hinaus. Seitdem es das gibt, darf einem der Personaler leider kaum noch Tipps geben, um nicht am Ende eine Klage am Hals zu haben. Aber wenn die Antworten beleidigend sind, würde ich an ihrer Stelle auch mal über über die Nachfragen nachdenken. Meiner Erfahrung nach schallt es nämlich genauso aus dem Wald heraus, wie man hineinruft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.