Twitternder Erzbischof Mit Mitra, Stab und Smartphone

Halleluja - mit den neuen Medien kommt die extrakurze Predigt. Ludwig Schick ging als erster katholischer Bischof unter die Twitterer und sieht es als reizvollen Teil seines Berufs, Botschaften auf 140 Zeichen zu verknappen.

Ein Oster-Interview von Helene Endres

Wie die Schäfchen, so die Hirten: Immer mehr Bischöfe nutzen die neuen Medien
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Wie die Schäfchen, so die Hirten: Immer mehr Bischöfe nutzen die neuen Medien


KarriereSPIEGEL: Erzbischof Schick, Ihre Osterpredigt haben Sie bestimmt längst vorbereitet. Wissen Sie auch, was Sie Ostern twittern werden?

Schick: Ich habe schon eine Ahnung, aber ich bereite Tweets nicht langfristig vor. Meistens schreibe ich morgens. Nach dem Frühsport und der Meditation fallen mir Dinge ein, die ich überbringen möchte.

KarriereSPIEGEL: Also twittern Sie selbst, Ihr Account wird nicht von Social-Media-Redakteuren betreut?

Schick: Ich schreibe alle meine Botschaften selbst. Unsere Social-Media-Redaktion betreut die Accounts des Erzbistums.

KarriereSPIEGEL: Sie waren vor gut zwei Jahren der erste unter Deutschlands katholischen Bischöfen bei Twitter. Was hat Sie dazu gebracht?

Schick: Am Anfang haben wir experimentiert mit Facebook und Twitter. Inzwischen ist Twitter mein präferiertes Medium. Aber ich nutze auch Facebook, um mal längere Texte zu platzieren. Sogar ganze Predigten werden dort gerne gelesen. Ich möchte die Botschaft Jesu überbringen und das Lebenswissen aus dem Evangelium. Social Media ist eine neue Form dafür. Und um die jungen Menschen zu erreichen, muss man in die modernen Medien gehen. Also habe ich einfach begonnen, übrigens noch vor dem damaligen Papst Benedikt XVI.

KarriereSPIEGEL: Was twittern Sie denn so?

Zur Person
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    Ludwig Schick (Jahrgang 1949) ist Erzbischof von Bamberg. Zuvor war er in Fulda Generalvikar und Weihbischof sowie Professor für Kirchenrecht.

Schick: Meist gute Worte für den Tag, Anstöße zum Nachdenken, Bitten um Gebete, Links zu Pressemitteilungen oder Predigten. Von der Bischofskonferenz in Hildesheim neulich habe ich eine Karikatur mit dem Handy abfotografiert und verschickt - das fanden viele gut.

KarriereSPIEGEL: Wie groß ist Ihre Netzgemeinde?

Schick: Ich habe fast 3000 Follower, die Zahl steigt ständig, allein im letzten Monat kamen 100 neue dazu.

KarriereSPIEGEL: Achten Sie darauf, wie ein Tweet ankommt?

Schick: Likes und Retweets nehme ich schon wahr, aber nur darum geht es mir nicht.

KarriereSPIEGEL: Sicher bekommen Sie auch negative Reaktionen und Kommentare. Wie gehen Sie damit um?

Schick: Ich habe meist positive Reaktionen erfahren, aber natürlich auch negative. Aber gut, das Leben ist so: Wenn man seine Nase aus dem Fenster reckt, spürt man auch den Wind.

KarriereSPIEGEL: Gehen Sie auf negative Kommentare ein?

Schick: Manchmal gehe ich darauf ein, aber nur kurz. Wenn zum Beispiel Fragen oder Anregungen kommen oder jemand etwas Falsches sagt.

KarriereSPIEGEL: Als Bischof ist man ja eher in der großen Predigt geübt. Fällt es Ihnen schwer, Ihre Botschaft auf 140 Zeichen zu verkürzen?

Schick: Twitter kann man verbinden mit der klassische Predigtlehre. Hiernach soll der Prediger immer zwei Sätze formulieren: Einen Ausgangssatz - was sagt zum Beispiel der Text des Evangeliums aus? - und einen Zielsatz - was will ich mit der Predigt dem Zuhörer mitteilen? Das habe ich jahrelang unterrichtet. Es ist also nicht ganz neu für mich, auf 140 Zeichen zu formulieren. Zudem ist es gut für die Disziplin, knapp zu sagen, was man sagen will.

KarriereSPIEGEL: Vor einigen Wochen trafen sich die 66 katholischen Bischöfe Deutschlands zu ihrem ersten Social-Media-Tag. Zählen also künftig zu den Insignien der Bischöfe Mitra, Stab und iPhone?

Schick: Auf unserem Studientag ging es vor allem darum, zu erklären: Was gibt es? Was kann man damit machen? Wie macht man das? Zudem ging es natürlich um ethische und moralische Wertungen bei sozialen Medien. Sie sind auch nicht unumstritten.

KarriereSPIEGEL: Und, wie lautet die Bischofs-Netiquette?

Schick: Die Zehn Gebote müssen natürlich auch in den neuen Medien gelten: Du sollst nicht lügen, den Namen Gottes nicht verunehren. Nächstenliebe muss dort ebenso gelten - leider Gottes ist das nicht immer der Fall.

KarriereSPIEGEL: Beim bischöflichen Studientag haben Sie von Ihren Erfahrungen erzählt - wie haben Ihre Kollegen reagiert?

Schick: Sie waren neugierig und interessiert. Eine Handvoll ist bereits bei Twitter, nicht nur der Passauer Bischof Oster und ich. Aber abgesehen von den Bischöfen sind die Diözesen oder Orden alle online, haben Homepages, viele eine Social-Media-Redaktion, der Papst ist ja auch bei Twitter. Ich habe den Eindruck, dass da über die neuen Medien schon manches rüberkommt, was anregend ist und hilfreich.

  • Das Interview führte Helene Endres, Redakteurin beim Harvard Business Manager.



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insgesamt 3 Beiträge
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klaxklix 05.04.2015
1. Tweet für den Tag
Früher gab es, und sie gibt es immer noch, die Worte für den Tag im Radio. Twitter ist da die logische Erweiterung dieser Worte in einem anderen Medium. Auch die Worte für den Tag waren oft nur ein kommentierter Satz.
Eduschu 05.04.2015
2.
Zitat von klaxklixFrüher gab es, und sie gibt es immer noch, die Worte für den Tag im Radio. Twitter ist da die logische Erweiterung dieser Worte in einem anderen Medium. Auch die Worte für den Tag waren oft nur ein kommentierter Satz.
Ich bin gläubiger Katholik. Die Worte zum Tag in unserem ö.r. Radio gefielen mir in der Vergangenheit allerdings selten. Oft genug wurde angeblich selbst Erlebtes in salbungsvolle Worte gekleidet oder zum Gleichnis aufgebohrt. Einfach eine Stelle aus der Bibel vorzulesen und wenn nötig zu kommentieren, das fehlt/e mir zuweilen. Bei muslimischen und jüdischen Predigern war/ist es kein Deut besser.
deglaboy 05.04.2015
3. Demnächst kommt heraus...
dass auch Jesus getwittert hat, dann ist es nichts weiter als Nachfolge. Theologen bringen alles hingebogen oder wie sie es selber sagen: Glatt gezogen.
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