Ex-"Tatort"-Kommissar bei der Bundeswehr "Jammern gibt's nicht"

Gregor Weber spielte mehr als zehn Jahre lang den Saarbrücker "Tatort"-Kommissar. Jetzt war er dreieinhalb Monate als Pressefeldwebel in Afghanistan. Und findet, man kann in der Bundeswehr viel fürs restliche Berufsleben lernen.

Ein Interview von

Bundeswehrsoldaten in Kunduz: Zwei Tage Promi-Bonus für den Ex-"Tatort"-Kommissar
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Bundeswehrsoldaten in Kunduz: Zwei Tage Promi-Bonus für den Ex-"Tatort"-Kommissar


Zur Person
  • Droemer
    Gregor Weber (Jahrgang 1968) spielte von 2001 bis zu seinem Rauswurf 2012 im SR-Tatort mit. Seit seiner Kochlehre beim Berliner Sterne-Koch Kolja Kleeberg hat er aufgehört, sich nur als Schauspieler zu sehen - mittlerweile ist er Buchautor. Er hat übers Kochen geschrieben, derzeit sitzt er an seinem dritten Krimi.
KarriereSPIEGEL: Sie waren "Tatort"-Kommissar in Saarbrücken, inzwischen schreiben Sie Bücher. In Ihrem neuesten erzählen Sie über Ihre drei Monate bei der Bundeswehr in Afghanistan im Frühjahr 2013. Wie kam's?

Weber: Die Rolle der Bundeswehr beschäftigt mich schon seit den Einsätzen in Jugoslawien. Ich wollte einfach herausfinden, wie das ist, als Deutscher in Afghanistan stationiert zu sein. Und da ich Reservist war und ein Buch darüber machen wollte, hat es geklappt.

KarriereSPIEGEL: Und, wäre Soldat ein Job für Sie?

Weber: Nur bedingt. Als lebenslanger Beruf käme es gar nicht infrage - mich auf Zeit zu verpflichten, okay. Ich mag meine Freiheit als Autor zu sehr.

KarriereSPIEGEL: Um mal kurz über Ihren Buchtitel zu sprechen, "Krieg ist nur vorne Scheiße, hinten geht's!": Was genau am Krieg ist vorne Scheiße?

Weber: Ich habe den Spruch von einem Aufnäher, den man beim Schneider kaufen konnte. Ich finde, er erzählt etwas über die Wahrnehmung von Extremsituationen. Ich bin nie in eine konkrete Gefahrensituation geraten, war 'hinten'. Aber einmal ist ein Transportpanzer, in dem ich saß, auf freier Strecke für eine Dreiviertelstunde stehen geblieben, in für einen Angriff sehr günstigem Gelände. Das hätte leicht 'vorne' werden können und richtig Scheiße.

KarriereSPIEGEL: Sie waren Reservist, haben dann mehrere Intensivkurse und eine Ausbildung zum Feldwebel gemacht, um in Afghanistan als Pressefeldwebel zu arbeiten. Wieso genau dieser Job?

Weber: Es passte am besten zu meinem zivilen Beruf als Autor. Und ich hatte ja während meiner Zeit als Schauspieler 20 Jahre lang mit der Presse zu tun, eben auf der anderen Seite. Dieser Erfahrungsschatz hat mir sehr geholfen, um den Kameraden zur Seite zu stehen. Und etwa zu sagen: Bei kritischer Berichterstattung muss man sich wie ein großer Hund einmal kräftig schütteln und gut ist.

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KarriereSPIEGEL: Hatten Sie als Ex-TV-Star einen Promi-Bonus?

Weber: Mal abgesehen davon, dass viele dort so jung sind, dass sie keinen "Tatort" gucken: Zwei Tage war das vielleicht interessant, das war's. Ich war ein Soldat wie jeder andere. Ich hatte dieselbe Uniform, trug auch im Camp eine Pistole, und wenn wir rausfuhren, dann mit Schutzbrille, Helm, Gewehr. Als Pressefeldwebel hat man da draußen die gleiche Aufgabe wie alle anderen. Und betreut zudem die mitfahrenden Journalisten, vermittelt ihnen etwa Ansprechpartner. Lange sprach man übrigens von "Presseabwehrarbeit", diese Mentalität ändert sich erst nach und nach.

KarriereSPIEGEL: Für unsere Freiwilligenarmee melden sich derzeit nicht so viele wie nötig. Da kommt die Pressestelle - und Ihr Buch - gerade richtig, um Werbung für die Bundeswehr zu machen, oder?

Weber: Der Wunsch nach PR seitens der Bundeswehr und meine Vorstellung von Öffentlichkeitsarbeit und einem korrekten Bericht standen sich ab und an gegenüber. Ein Dilemma, das übrigens zeitgemäß denkende Soldaten in der Presseschiene ähnlich empfinden. Mein Buch ist auch keine PR, ich sehe vieles kritisch - und die Bundeswehr hat das Manuskript vor dem Druck auch nicht gesehen. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, offen Fehler zu benennen und schwierige Situationen zu beschreiben.

KarriereSPIEGEL: Sie meinen so wie in diesem Werbespot, der die Armee als tollen Abenteuerspielplatz mit viel Geballere für Männer preist?

Weber: Nein, eine heroische Armee brauchen wir nicht. Tod und Kampf werden leider schnell Teil des Berufsalltags. Die Bundeswehr leistet aber auch humanitäre Hilfe, begleitet Flüchtlingsströme. Ich glaube, so zu arbeiten, kann sehr erfüllend sein.

KarriereSPIEGEL: Naja, das entspricht dem harmlosen THW-Image, das unsere Armee so lange pflegte. Wohl auch, weil es so viele Kriegsdienstverweigerer gab, die lieber Zivildienst leisteten. Sie gingen dennoch zum Bund. Warum?

Weber: Ich merkte, dass ich mich nicht durch und durch dem Pazifismus verschreiben konnte. Aber zu der Zeit, in den Achtzigern, kippte das Stimmungsbild sehr stark. Es war ein Massenphänomen: Auf einmal verweigerten alle. Und gerade die gut Ausgebildeten kamen nicht mehr.

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KarriereSPIEGEL: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat das offenbar auch gemerkt und nach ihrem Dienstantritt im Herbst als Erstes verkündet, sie würde sich um die Work-Life-Balance kümmern. Wie hat man das in der Armee aufgefasst?

Weber: Erleichtert, denn es ist ein wichtiger Aspekt: Alle zwei Jahre muss man den Dienstort wechseln und das über zehn Jahre hinweg. Es widerspricht natürlich dem Bild des Kämpfers, dass er mit dem Sturmgewehr in der Wüste liegt und gleichzeitig über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdenkt. Aber weil es unübersehbar ein aktuelles Thema im gesellschaftlichen Mainstream ist, kann sich jeder Zivilist denken, dass das auch Soldaten beschäftigt.

KarriereSPIEGEL: Was würden Sie denn als Erstes ändern, um die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver zu machen?

Weber: Ich würde Ausbildungsprogramme schaffen, die den Übergang ins Zivilleben erleichtern. Mannschaftsdienstgrade haben unter Umständen nach acht bis zwölf Jahren Dienst nichts in der Hand. Als Feldwebel hat man immerhin eine Meisterprüfung für irgendwas absolviert.

KarriereSPIEGEL: Aber es ist ja nicht so, dass die Bundeswehr sich nicht kümmert.

Weber: Stimmt, es gibt den Berufsförderdienst - da werden Soldaten bis zu drei Jahre lang gefördert. Aber die Aus- oder Fortbildung müssen sie noch während der Dienstzeit machen. In der Zeit verdienen sie weniger. Das ist oft ein finanzielles Problem, darum lassen es viele. Genauso wichtig wäre, dass es leichter wird aufzusteigen. Momentan kann man einen Aufstieg bis zum Oberst oder sogar General in der Offizierslaufbahn meist vergessen, wenn man nicht von Anfang an, ohne nach rechts und links zu schauen, diesen Weg einschlägt. Bis sich da etwas ändert, dauert es. Eine Armee ist wie ein großer träger Tanker, eine Riesenfirma mit zig Grundsätzen.

KarriereSPIEGEL: Was lernt man denn sonst noch bei der Bundeswehr, das für einen Job "draußen" taugt?

Weber: Das "Leben in der Lage".

KarriereSPIEGEL: Aha. Und das heißt?

Weber: Dass man Dinge akzeptiert, die nicht zu ändern sind. Mit Duckmäusertum hat das nichts zu tun. Man klärt: Was ist mein Auftrag und mein Ziel - um dann zu analysieren, wie man da hinkommt. Und man arrangiert sich damit, über lange Strecken die Einschränkung seiner Individualität hinzunehmen, nie alleine zu sein. Jammern gibt's nicht.


  • Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978), freie Journalistin in Berlin.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Bernie59 20.05.2014
1. Wo er recht hat...
Wo er Recht hat, hat er Recht. Man kann wirklich bei der Bundeswehr Dinge lernen, die im zivilen Leben sehr nützlich sind. Und man erfährt etwas über sich, das man wohl leichter übersehen hätte. So konnte ich schon damals mit sog. Vorgesetzten und ihrer künstlichen Autorität nichts anfangen und habe sie auch bekämpft. Wegen mir können 119 Mann besoffen sein, ich war es nie. Aber auch strategisches Denken kann man sehr gut für das auch heutige Leben sehr gut lernen. Wenn ein Feind vernichtet werden muss, dann ist er fällig. Ich meine hier wieder die sogenannten Autoritäten oder möchtegerne Chefs. Persönlich möchte ich,dass "Stefan" wieder gesund zurück kommt. Wo er Recht, hat er Recht.
Spiegelwahr 20.05.2014
2. Aufstieg leichter
Aufstieg leichter, wie soll dass gehen. Ist diesem Pressefeldwebel mal aufgefallen, dass die Personalstruktur einer Pyramide gleicht. Unten viele Soldaten, Unterführer und Offiziere und oben nur wenige Generäle und Oberste. Nur im Krieg sterben viele Offiziere in allen Stufen und machen damit Platz für eine schnellen Aufstieg. Will dieser Pressefeldwebel den Krieg als Karrierechance. Alternativ ist es natürlich möglich, regelmäßig die Jahrgänge zu durchforsten und altgediente gute Offiziere in die Wirtschaft rauszuschmeissen (natürlich nach objektiven Leistungkriterien), damit die jungen Offiziere aufsteigen können und die nun freien Plätze besetzen. Nur wer lässt sich dann noch für so einen Job anheuern, der ein Schleudersitz gleicht und keine wirtschaftlich Sicherheit mehr bietet.
herodotson 20.05.2014
3. Was führ ein Bericht!
Kotz....avanciert der Spiegel zu einem Platform von inkompetenten Autoren, die mal schnell ihr Bankkonto aufrischen wollen. Nur in Anlehnung an Til Schweiger( auch Schauspieler) der sich stark gemacht hat. Für die Einsätze der Deutschen Arme bla.bla.bla.bla....war er auch nicht gegen Kindermörder? Wie sieht das wohl mit stehenden Befehlen aus bei denen Frauen und Kinder zu tode kommen. Gruss am Oberst Klein..... und die mit Auto´s überfahren wurden, zähle ich nicht mal mit! Wenn schon in dem Bericht herorisch darauf hingewiesen wird das nicht gejammert wird. Das sah, in Afganistan noch ganz anders aus, als man die Namen der gefallenden Soldaten aufgezählt hat. Zum Buchtitel würde mich mal interessieren ob vorne nur Russland-Deutsche zu finden waren oder es eine statistische Auffälligkeit geben hat oder gibt in der Arme. Der Arme dumme protestantische Russlanddeutscher der in der Arme zeigen muss das, dass er deutscher ist als der deutscheste Soldat und deswegen vorne immer darauf hindrängt mitzufahren. Wie war das nochmals mit der neu Etablierung von Wörtern die verband waren aus Gesellschaft wie das Wort "Kriegsveteran" Alles wandelt sich nichts bleibt beständig genießt euer neues Bewustsein. Jetzt müssen nur noch neue Glaubensinhalte aus Deutschland kommen scheiße einen Papst der in der Hitlerjugend war hatten wir auch schon.
collapsar 20.05.2014
4. gerade rücken
Zitat von Bernie59Wo er Recht hat, hat er Recht. Man kann wirklich bei der Bundeswehr Dinge lernen, die im zivilen Leben sehr nützlich sind. Und man erfährt etwas über sich, das man wohl leichter übersehen hätte. So konnte ich schon damals mit sog. Vorgesetzten und ihrer künstlichen Autorität nichts anfangen und habe sie auch bekämpft. Wegen mir können 119 Mann besoffen sein, ich war es nie. Aber auch strategisches Denken kann man sehr gut für das auch heutige Leben sehr gut lernen. Wenn ein Feind vernichtet werden muss, dann ist er fällig. Ich meine hier wieder die sogenannten Autoritäten oder möchtegerne Chefs. Persönlich möchte ich,dass "Stefan" wieder gesund zurück kommt. Wo er Recht, hat er Recht.
Die interessante Frage lautet doch, kann man sie woanders auch lernen. Ja, man kann, und zwar ohne andere Menschen umzubringen udn volkswirtschaftliche Ressourcen zu verschleudern. Das klingt so, als ob Ihnen die Bundeswehr im wesentlichen bestätigt hat, was Sie vorher bereits wußten. Und Ihre Dispziplin haben Sie wohl ebenfalls schon mitgebracht. Das habe ich noch von keinem Mannschaftsdienstgrad gehört. Meiner persönlichen Wehrdiensterfahrung widerspricht dies definitiv. Wenn Sie im Zivilleben mit dieser Einstellung an Konflikte herangegehen, erleiden Sie im Regelfall massiven Schiffbruch. Im Zweifel verfügen die falschen Autoritäten und ungeeigneten Chefs nämlich über die stärkeren Druckmittel und die ausgeprägtere 'Nahkampferfahrung' (man überlege einmal, wie solche Personen ihre Position erreichen und halten konnten und was sie zu verlieren haben). Persönlich möchte ich das auch. Und außerdem möchte ich, daß sich diese Frage erst gar nicht stellt. MfG, Carsten
Newspeak 23.05.2014
5. ...
Nein, eine heroische Armee brauchen wir nicht. Richtig, wir brauchen gar keine. Ein Ort, wo man das Töten von Menschen zum Prinzip erhebt, kann nie im Einklang mit den Menschenrechten sein. Es ist widerlich, so zu tun, als sei unsere Armee anders als alle anderen Armeen und für die Mörder von morgen für Respekt zu werben.
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