Exotischer Süßigkeiten-Versand Lakritze mit Friedenstaube

Finnische Veilchen-Drops oder Moschus-Kaugummi aus Südafrika - manch einer hat seine Lieblingssüßigkeit erst im Urlaub entdeckt. Schade nur, dass man in Deutschland keinen Nachschub kaufen kann. Das dachte sich auch Alexis Agné und gründete einen Versand für all die zuckrigen Merkwürdigkeiten aus der Fremde.

SPIEGEL ONLINE

Dieser Arbeitsplatz ist ein Kindertraum. In den Holzregalen an der Wand stapeln sich Kisten mit Süßigkeiten: Lakritz-Drops mit Veilchengeschmack aus Finnland und chinesische Bisquit-Pilze mit Schokohut, Kaugummis aus Südafrika, die nach Moschus riechen - und auch so schmecken. "Die verrücktesten Ideen haben die Mexikaner", sagt Alexis Agné, 34. Es ist sein Arbeitsplatz - und seine Wohnung. Er zieht einen mexikanischen Lutscher in Form eines Bierkrugs hervor. "Ein Bier-Lolly für Kinder, so was gibt es bei uns nicht." Agné kichert.

Der Berliner ist Süßigkeitenhändler und vertreibt Süßwaren aus aller Herren Länder. Einen Laden besitzt er nicht, er verkauft ausschließlich über seine Website Sugafari und wohnt im Lager.

Ganz allein ist er mit der Geschäftsidee nicht. Auch Internetshops wie Candy and more, World of Sweets, Sweets-Online oder Jodl bieten Naschwerk aus aller Welt an. Aber keine dieser Seiten setzt so konsequent auf eine Gliederung nach Ländern: Ausgangspunkt aller Produktsuchen bei Sugafari ist stets eine Weltkarte.

Eigentlich wollte Agné zusammen mit Freunden Kinderkleidung über das Internet verkaufen, doch das ging schief. "Zu viele Leute, die Entscheidungen treffen wollten", erklärt Agné. Also saß er vor rund einem Jahr gelangweilt zu Hause und blätterte den Bildband "Früchte der Erde" durch, aß dazu spanische Gummibärchen - und hatte seine Idee. Doch es war ein langer Weg bis zum ersten Geld in der Kasse.

Telefonieren, recherchieren und dann auf den Flohmarkt

"Die Recherche war am schwierigsten", sagt Agné. Viele Süßigkeiten kannte er von seinen eigenen Reisen, doch wie sollten die Sachen zu ihm kommen? "Direkt beim Hersteller konnte ich nicht einkaufen, die liefern nur containerweise." Also schrieb er Mails an Händler in Peru, Mexiko, Russland, er telefonierte, hakte nach und ließ nicht locker. "Manche Händler haben gar nicht geantwortet, aber einige haben mir Tipps gegeben und mir gesagt, an wen ich mich wenden kann", sagt Agné. Er hat sich von Absagen nicht entmutigen lassen.

Daneben begann er, an seiner Website zu arbeiten. "Ich habe vor meinem inneren Auge schon genau gesehen, wie alles aussehen muss." Wie man eine Homepage erstellt, das hatte er von seinem gescheiterten Online-Verkauf für Kinderkleidung gelernt. Doch zunächst testete Agné Idee und Sortiment auf dem Flohmarkt am Berliner Mauerpark. Sein überraschender Bestseller: die finnischen Lakritz-Drops mit Veilchengeschmack, "wahrscheinlich weil die Packung mit einer Friedenstaube bedruckt ist".

Ein Jahr lang standen Agné und seine Freundin Stephanie Engert Sonntag um Sonntag um fünf Uhr morgens auf und verkauften. Den direkten Kontakt zu den Kunden will Agné nicht verlieren. Deshalb plant er für den Winter einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt.

Tüten voller Schleckmuscheln

Inzwischen können die Kunden auf seiner Website aus über 400 Produkten aus 50 Ländern auswählen. Welches Produkt es in das Sortiment schafft, entscheidet ganz allein Agnés Geschmack. Fast zumindest, Lakritze zum Beispiel mag er nicht. "Aber ich weiß, dass viele Leute Lakritze lieben", sagt er. Und es gibt ein zweites Auswahlkriterium: Schöne oder ausgefallene Verpackungen.

Gerade hat Agné sich in die Schachtel isländischer Lakritze verliebt: Schickes Design, rot, blau, weiß. Agné nimmt die Packung liebevoll in die Hand: "Das sieht so schön aus." Ein wenig wirkt er wie ein staunendes Kind vorm Weihnachtsbaum.

Nicht immer macht sein Job Spaß, zum Beispiel dann nicht, wenn er Preise kalkulieren muss. Agné hat Filmwissenschaften und Medienberatung studiert und "nichts mit BWL-Kram zu tun". Freunde haben ihm dabei geholfen, einen Businessplan zu erstellen. Auch seine Freundin packt mit an. Die selbständige Heilpraktikerin bemalt in ihrer freien Zeit die "Wundertüten". Ein Renner ist die Wundertüte "Deutsche Kindheit". Sie bietet Kindheitserinnerungen aus Ost und West: Magic Gum, Brause Plus oder Schleckmuscheln, eine von Agnés Lieblingssüßigkeiten.

Für Agné war immer klar, dass er sein eigener Chef sein will. Ein Bürojob, damit er sich eine Dachterrasse leisten kann? Für ihn unvorstellbar. Dann doch lieber eine Altbauwohnung, die überquillt vor Süßigkeiten.

  • Ramon Haindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Mirjam Schmitt (Jahrgang 1983) ist Volontärin an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Remy9999 11.11.2011
1. Alleinstellungsmerkmal
...er ist auf jeden Fall der einzige bei dem man die Australischen TIM TAM kaufen kann ....mmmhhhh
rodelaax 11.11.2011
2. Ist diese Werbung eigentlich kostenlos?
... oder kennt Herr Agné einfach nur die richtigen Leute in Ihrer Redaktion. Es gab bereits im Fernsehen einen mindestens 10 Minütigen Bericht über diesen Herrn und sein Unternehmen und auch da fand ich die offensichtliche Werbung für seine Firma übertrieben.
boeseHelene 11.11.2011
3. .......................
ich freue mich als Süßigkeitenfan über den Artikel, ich habe zwar schon Shop der Pokisticks und Ramune führt, aber ich probiere immer wieder gerne neue Süßigkeiten vor allem Schokolade aus.
saddamatus, 11.11.2011
4. Titel
Zitat von rodelaax... oder kennt Herr Agné einfach nur die richtigen Leute in Ihrer Redaktion. Es gab bereits im Fernsehen einen mindestens 10 Minütigen Bericht über diesen Herrn und sein Unternehmen und auch da fand ich die offensichtliche Werbung für seine Firma übertrieben.
Jede halbwegs neue und ohne sonstige Kosten anfertigbare Story ist für die Redaktionen wie ein Weihnachtsgeschäft. Kein Geld für Recherchen und ein Übermaß an totgenudelt ewig wiederkehrenden geklonten Geschichten: Auch sie können sich auf diesem Weg einfach kostenlose Werbung verschaffen. Sollte Ihnen das wirklich jetzt erst auffallen?
saddamatus, 11.11.2011
5. viel ärgerlicher...
...sind doch solche Platzierungen. http://www.sueddeutsche.de/karriere/chancen-auf-uebernahme-warum-zeitarbeit-besser-ist-als-ihr-ruf-1.1186120 Was natürlich keinesfalls nur für dieses eine willkürlich ausgewählte Organ bezeichnend ist...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.