Extravagante Arbeitsplätze Parkhaus, Prunkschloss, Pyramide

Ein Quader, außen Glas, innen Trennwände, fertig ist der öde Gewerbebau. Manche Firmen machen es anders - und heben mit kurioser Arbeitsumgebung die Motivation ihrer Mitarbeiter. KarriereSPIEGEL zeigt einige der schönsten Beispiele, vom Tempel bis zum Bunker.

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Kostengünstiger als Thomas Gottwald kann man seine Firmenräume wohl kaum einrichten. Der Werbegrafiker und Schildermacher im schleswig-holsteinischen Ahrensburg suchte nach einem bezahlbaren zentralen Standort mit guter Verkehrsanbindung, großen Werbeflächen außen und Parkplätzen direkt vor der Firmentür. Fündig wurde er an einer Stelle, wo sich fast niemand freiwillig länger aufhält: in einem Parkhaus.

Die Idee mutet bizarr an. Aber Gottwald hat es nie bereut, sich in dem stark befahrenen Gebäude eingemietet zu haben. Trennwände, Laminat, Dämmung und Elektrik hat er selbst eingebaut, jetzt sind Büro- und Werkstatträume schon seit ein paar Jahren in Betrieb. Und die Firma läuft gut.

"Parkgäste fahren in der ersten Ebene an meiner Werbung vorbei und sprechen mich dann direkt im Büro an", freut sich Gottwald, "es ist ein Stück weit cool, weil die Adresse im Parkhaus die eine oder andere Augenbraue nach oben sausen lässt. Aber genau das merkt man sich." Schlechte Luft? Gebe es auch nicht, versichert er - schließlich hat das Parkhaus, anders als die meisten Gewerbebauten, auf jeder Ebene etliche Wanddurchbrüche, durch die Frischluft kommt.

Ein ungewöhnlicher Standort, eine einzigartige Architektur als werbewirksames Alleinstellungsmerkmal - das funktioniert eben nicht nur bei großen Firmen, die mehrstellige Millionenbeträge in ihre Zentralen stecken können. So günstig wie bei Gottwald ist es allerdings selten, einen Firmensitz zu bekommen, der ganz von allein die Aufmerksamkeit potentieller Kunden auf sich zieht.

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Ausgefallene Firmensitze: Bürojobs im Wasserturm und im Bunker

Schlossherr zu sein, davon hatte Nicolay Mausz schon immer geträumt. Auf dem mecklenburgischen Schloss Quassel hat er seinen Traum verwirklicht - wenn auch in Raten. Seine Firma Flying Dog Software stellt Content-Management- und Workflow-Software für Unternehmen her.

Mausz zog 1997 mit fünf Mitarbeitern in das arg renovierungsbedürftige Gebäude, das 1857 im neogotischen Tudorstil erbaut worden war. Mittlerweile strahlt der Firmensitz, den Mausz mit seinen Eltern zusammen erwarb und auch als Wohnsitz nutzt, wieder in fürstlichem Glanz - komplett mit feinem Garten und Springbrunnen auf der Auffahrt.

"Wir werben natürlich mit unserem Standort, wenn wir eine Stellenanzeige schalten", sagt Mausz. Aber manche seiner Mitarbeiter sehen die Sache erheblich nüchterner. "Wir schauen eh die ganze Zeit auf den Bildschirm, da ist ein Schlosspark nebensächlich", habe ihm einer auf die Frage nach der Bedeutung des Arbeitsumfelds geantwortet. Probleme bereitet nach wie vor die Internetanbindung. Weit draußen auf dem Land gibt es kein DSL - man hilft sich von Schlossherr zu Schlossherr, mit einer Richtfunkstrecke zum Nachbarschloss.

Wasserturm als Imageträger

Gewissermaßen die industrielle Gegenthese zum prunkvollen Schloss Quassel stellt eine andere Softwarefirma auf. 2006 erwarb Christian Mauve den Steeler Wasserturm in Essen. Wo früher eine Million Liter Wasser lagerten, arbeiten nun rund 20 Mitarbeiter seiner Firma Mauve Mailorder Software.

"In der IT-Branche gilt fünf Jahre alte Technik als veraltet", meint Mauve, "dieser Turm ist über 110 Jahre alt und bietet unglaublich viel Substanz - die Wände sind anderthalb Meter dick. Das ist ein wunderbarer Kontrast zur Schnelllebigkeit und erzieht zu nachhaltigem Denken."

Der Turm habe damals rund eine Million Euro gekostet. Für einen kleinen Mittelständler eine beachtliche Investition, die sich aber gelohnt habe, so Mauve: "Es ist ein unglaublicher Imagegewinn, in so einem ungewöhnlichen Gebäude zu sitzen. Wir haben spontan angefangen, unsere Kunden nicht mehr zu besuchen, sondern sie in den Turm einzuladen. Die Leute kommen mittlerweile von weither und sind begeistert, wenn wir hier Präsentationen machen. Mittlerweile fahren wir nur noch zu Kunden, wenn die das explizit fordern und es auch bezahlen."

Und die Mitarbeiter? Sie wüssten das Ambiente durchaus zu schätzen: "Man bekommt sogar bessere Leute, weil viele Kreative den weiten Blick und die schönen Räume zu schätzen wissen und lieber hier arbeiten wollen als in irgendeinem gesichtslosen Neubau."



insgesamt 2 Beiträge
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molesman 10.05.2011
1. Teilweise pseudokreativ...
...aber die Idee mit dem Parkhaus, große Klasse. Wirklich amüsant und zeugt von Ideengeist. Wer sich allerdings eine Pyramide irgendwo hinstellt die dann auch noch dem Außen hui Innen Pfui Prinzip gerecht wird hat versagt, finde ich. Wenn ich bedenke dass mein Nachbar bereits seine Frontaußenwand wieder abreissen musste weil diese statt aus Beton aus grünem Glas war (undd amit nicht ins Straßenbild passte / sah man gar nicht) frage ich mich doch was die Firma Vater Staat da zahlen musste damnit er getrost beide Augen für diese Dinger zudrückt. Ich finds affig.
kniffelbox 10.05.2011
2. Na ja
"In der IT-Branche gilt fünf Jahre alte Technik als veraltet", meint Mauve, "dieser Turm ist über 110 Jahre alt und bietet unglaublich viel Substanz - die Wände sind anderthalb Meter dick. Das ist ein wunderbarer Kontrast zur Schnelllebigkeit und erzieht zu nachhaltigem Denken." Jeder arbeitet wohl lieber in angenehmer Atmosphäre, gepflegten Räumen und mit schöner Aussicht. Aber daraus gleich wieder nachhaltiges Denken oder mehr Kreativität abzuleiten, das klingt mir doch zu sehr nach dem Versuch, Sinn zu geben, wo keiner ist. Es ist halt einfach schöne oder nicht schöne, je nach Geschmackssache, Architektur.
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