IT-Branche Arbeitgeber melden Rekord beim Fachkräftemangel

Deutschen Firmen fehlen Fachleute aus technischen Berufen. Einer Studie zufolge sind es inzwischen mehr als 300.000 - die Arbeitgeber sprechen von Rekordwerten.

IT-Spezialist in einem Rechenzentrum der Deutschen Telekom
DPA

IT-Spezialist in einem Rechenzentrum der Deutschen Telekom


Die Arbeitgeber suchen Fachkräfte, und schlagen Alarm: Im April hätten 314.800 Arbeitskräfte aus dem MINT-Bereich gefehlt, also aus den Berufen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Diese Zahl hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln errechnet.

Um rund 13 Prozent sei diese Zahl im Laufe eines Jahres gestiegen, schreiben die Autoren des "MINT-Frühjahrsreports", der von den Arbeitgeberverbänden BDA, BDI und Gesamtmetall vorgestellt wird. In die Berechnung fließen alle technischen Berufsgruppen ein, also Ausbildungsberufe, Meister, Techniker und akademische Berufe. Gesucht werden demnach vor allem IT-Kräfte.

Vom Fachkräftemangel war in den vergangenen Jahren sehr häufig die Rede - auch dann, wenn gar nicht so viele Arbeitskräfte fehlten. So wurde noch vor Jahren darüber gestritten, ob die dauernde Klage über einen drohenden Ingenieurmangel nicht dazu führe, dass in einigen Jahren zu viele Ingenieure die Universitäten verlassen. Der Mangel trat denn auch so nicht ein.

Deshalb ist es wichtig zu unterscheiden: Einen "flächendeckenden Fachkräftemangel" gebe es in Deutschland nicht, heißt es in der jüngsten Fachkräfteanalyse der Bundesagentur für Arbeit vom Dezember, allerdings "Engpässe in einzelnen technischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen".

So sieht das auch Axel Plünnecke, der den MINT-Report des IW verantwortet: "Wir sind von einem flächendeckenden Mangel an Fachkräften weit entfernt", sagt er. Aber: Es fehlt vor allem an IT-Kräften. Ähnlich eng wird es derzeit in der Energietechnik sowie bei Fachkräften für Mechatronik und Automatisierungstechnik. Bei den letztgenannten hat sich zwar die Lage laut Bundesagentur im vergangenen Jahr schon entspannt. In vielen Gebieten Deutschlands, besonders im Süden und Osten, muss man aber noch immer von einem Mangel sprechen.

Wie viele Stellen sind wirklich frei?

Tatsächlich ist es nicht so leicht, zu einer realistischen Einschätzung der Lage zu kommen. Zwar weiß die Bundesagentur, wie viele freie Stellen ihr gemeldet werden. Aber es gibt mehr: Viele Firmen schreiben Stellen nur betriebsintern aus, auf Jobportalen oder in Tageszeitungen.

Die Größe der Differenz kann nur geschätzt werden. Die Bundesagentur geht davon aus, dass ihr bei akademischen Berufen jede vierte Stelle gemeldet wird, in Technikerberufen jede zweite. Mit diesen Variablen arbeitet seit 2011 auch das IW. Davor hatten die IW-Forscher die Meldungen bei der Bundesagentur mit sieben multipliziert.

Die Lücke berechnet das IW, indem sie das Angebot an MINT-Arbeitskräften von der Zahl der freien Stellen abzieht, so entsteht die Zahl von 314.800 offenen Stellen. Auch über diese Methode streiten sich die Experten, die Zahlen auf der Seite der Arbeitnehmer sind ähnlich unsicher. Da die Methode laut Plünnecke seit 2011 aber immer gleich angewandt wird, ist zumindest der Trend über die Zeit aussagekräftig: Der Bedarf an MINT-Mitarbeitern wächst.

Bessere Berufsschulen, mehr Experten aus dem Ausland

Ein weiterer Trend, den das IW beobachtet: Während die Zahl der MINT-Studierenden bereits steigt, nimmt die Zahl der Auszubildenden im technischen Bereich ab. Die Forscher fordern daher, die Berufsschulen zu modernisieren, um die Ausbildung attraktiver zu machen: Sie dürften beim Digitalpakt für die Schulen nicht übergangen werden.

Die Lage wäre noch knapper ohne viele zugewanderte MINT-Kräfte, gibt IW-Forscher Plünnecke zu bedenken. Aus Eritrea, Irak, Afghanistan und Syrien kamen der Studie zufolge im dritten Quartal 2017 fast 16.400 Beschäftigte aus allen vier MINT-Feldern, nachdem es ein Jahr zuvor 8000 gewesen waren.

mamk/dpa



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