Fachkräftemangel Warum junge Menschen keine Handwerker werden wollen

Rund 150.000 offene Stellen beklagt der Zentralverband des Deutschen Handwerks, außerdem fehlen jedes Jahr bis zu 20.000 Auszubildende. Woran liegt's - und was hilft gegen den Mangel? Der Überblick.

Junger Tischler
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Junger Tischler


Wer derzeit Handwerker beauftragen will, weiß: Man braucht viel Glück und noch mehr Geduld. "Vielfach scheint der Termin beim Facharzt einfacher zu bekommen, als der beim Klempner", sagt Claus Michelsen, Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Und: "Bei den Kunden nimmt der Frust vor allem aufgrund der langen Wartezeiten und gleichzeitig hohen Rechnungen zu."

Die Gründe für den Fachkräftemangel liegen nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in sinkenden Schulabgängerzahlen und einer erhöhten Neigung zu studieren. "Damit ging die Entwertung der dualen Ausbildung einher", klagt der Verband. "Über viele Jahre haben sich zu wenig Jugendliche für eine Lehre im Handwerk entschieden."

Notwendig sei ein Bewusstseinswandel: "Einer beruflichen Ausbildung muss wieder die Wertschätzung unserer Gesellschaft entgegengebracht werden, die ihr gebührt."

Doch was ist mit den Azubis selbst? Wieso brechen so viele ab? Was verdient man in welcher Ausbildung? Und wieso fehlt so viel Nachwuchs - obwohl eine Ausbildung inzwischen fast so gut vor Arbeitslosigkeit schützt wie ein Studium?

Antworten auf diese Fragen können Sie hier nachlesen - in unseren Texten zu dem Thema aus den vergangenen Wochen:

him/dpa

insgesamt 172 Beiträge
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Seite 1
Halionaut 17.09.2018
1. Herr Spahn
hilft bestimmt. Einfach einen verpflichtenden Dienst für alle jungen Mitbürger einführen in den wichtigsten Mangelberufen . Ist in der Pflege ja auch im Gespräch und offensichtlich kein Problem, denn da geht es ja nur um Menschen. Ich hoffe der Beitrag ist sachlich genug um veröffentlicht zu werden.
Solid 17.09.2018
2. Woran soll es schon liegen?
Mit den niedrigen Gehältern kann man eben nicht mal sich selbst ernähren, geschweige denn eine Familie. Wenn es einen Mangel geben würde, würde am Markt der Preis steigen. Tut er aber nicht, ergo gibt es auch keinen Mangel.
Basmyr 17.09.2018
3. Ich war mal Handwerker in Deutschland
Ich habe vor 16 Jahren eine Ausbildung im handwerklichen Bereich (der Beruf steht sogar auf der Liste der Mangelberufe) erfolgreich beendet. Als ich fertig war, verdiente ich kaum mehr als den heutigen Mindestlohn. Arbeit gab es genug, Überstunden durften bis in die Nacht gemacht werden - aber be- oder entlohnt wurde das nie. Ich hatte die Reißleine gezogen und das Land verlassen. Mittlerweile habe ich auch den Beruf gewechselt und bin damit glücklich. In meiner Region gibt es sogar einen Haufen von anderen deutschen Wirtschaftsflüchtlingen, die allermeisten sind gut ausgebildete Fachkräfte. Der Grund, dass angeblich so viele Fachkräfte fehlen, ist nicht die Ausbildung oder der unattraktive Beruf. Es ist die Entwertung der Arbeitskraft. Je mehr Kraft und Gesundheit du in deinem Job für die Firma hergibst, desto schlechter wirst du bezahlt. Lohnstückkostenbezogen und auch allgemein. Somit versuchen die Jungen gleich eine höherwertige Ausbildung und die Älteren verschwinden, denn sie können dank der Freizügigkeit problemlos das Land verlassen. Die Wertschätzung der Gesellschaft ist gut und schön. Mir wäre eine Wertschätzung seitens der Arbeitgeber schon genug.
Matzescd 17.09.2018
4. Tja... Warum nur?
Liegt es evtl. an der schlechten Bezahlung, den vielen Überstunden oder doch am Umfeld (zuause bei Privatkunden?) Das Handwerk hat sich selbst abgeschafft... Klar. Die Betriebe boomen. Aber, wenn man erst mal älter ist, dann findet man keinen Job mehr. Es ist wohl auch als "Hartz 4" Schutz für die Zukunft zu sehen, sich NICHT im Handwerk zu bewerben. Letzt hatte ich einen Elektriker hier in der Firma, der mir selbstverständlich von 7 Tage Einsätzen mit 12 Stunden Tagen im Bundesweiten Außendienst erzählte, dann den Satz fallen ließ "Elektriker ist der schlechtbezahlteste Handwerker" und 5 Minuten später mit vollkommen ehrlichem Unverständnis sagte "Wir finden seit 3 jahren keine Azubis und wenn wir mal einen haben, dann geht er wieder nach kurzer Zeit". Mir lag nur ein "Ach?!" auf den Lippen. Die Arbeitgeber sollten umdenken und die Jobs attraktiver machen. Und evtl. auch mal wieder Hauptschüler einstellen. Die oftmals gelesenen Anforderungen sind einfach zu hoch. Ich habe selbst vor vielen Jahren noch Betriebsschlosser gelernt und irgendwie bin ich froh, dass ich seit über 20 jahren nicht mehr in diesem beruf tätig bin. Das war absolut nicht mein Umfeld und auch nicht der Kollegenkreis, den ich mir wünschte.
chjuma 17.09.2018
5. Mein Sohn...
... Wollte Klempner werden. Hat auch eine Lehre gefunden. Drei Monate hat er durchgehalten. Akkordarbeit auf Baustellen, Überstunden wurden nicht bezahlt, nach dem dritten Monat hatte er das erste mal eine Abschlagszahlung auf EINEN Monatslohn. Auf die Nummer haben wir gekündigt und er hat Drucker gelernt. Und macht in diesem Gewerbe macht er nun in Abendschule seinen Techniker. Und wie war noch mal Ihre Frage, warum keiner Klempner werden will??
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