Fachkräftemangel Personalchefs patzen im Kampf um klügste Köpfe

Deutsche Unternehmen suchen verzweifelt Ingenieure und Programmierer. Was tun die Personalabteilungen? Offenbar viel zu wenig. Das zeigt eine aktuelle Studie. Allzu häufig vertrauen Personaler auf das alte Rezept: Stellenanzeige schalten - und beten.

Von Martin Hintze

Jobmesse in Hannover: Viele Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen
dapd

Jobmesse in Hannover: Viele Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen


Über nichts klagen deutsche Unternehmen so zuverlässig wie den Fachkräftemangel: Sie haben gravierende Probleme, offene Stellen passend zu besetzen und begründen damit alle möglichen Erleichterungen, die sie sich deshalb von der Politik wünschen.

Sie selbst tun jedoch viel zu wenig, um die Situation zu verbessern. Das zeigt die Studie "HR Strategie & Organisation 2012/13" der Unternehmensberatung Kienbaum, die manager magazin online vorliegt.

Der akute Mangel habe gravierende Folgen, warnen Unternehmen und Wirtschaftsverbände stets unisono. Im vergangenen Jahr habe die deutsche Wirtschaft einen Wertschöpfungsverlust von acht Milliarden Euro erlitten, weil monatlich 92.000 offene Ingenieursstellen nicht besetzt wurden. Das zumindest hat der Ingenieursverband VDI und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) errechnet.

Wie groß der Mangel wirklich ist, ist allerdings umstritten. Die Schreckenszahlen des VDI sind immer wieder in Zweifel gezogen worden: Wenn der Mangel wirklich so groß sei, müssten die Gehälter in den betroffenen Berufen viel deutlicher steigen. Offenbar konnte der Bedarf zumindest 2011 weitgehend gedeckt werden.

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Bestenliste: Begnadete Bewerberfänger
Kienbaum befragte für die Untersuchung 240 größtenteils international agierende Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zunächst ging es um die Sorgen und Probleme der Unternehmen. Vor allem die Automobilindustrie hat Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von passenden Ingenieuren, das gaben 82 Prozent der befragten Autobauer an.

Noch gravierender sind die Zahlen im Bereich Ingenieurswesen, Technik und Hightech. Dort klagen beinahe alle Unternehmen (95 Prozent) über die Bewerberlage. Auch die Sektoren Transport- und Logistik (75 Prozent), Versorger (62 Prozent) sowie Maschinen- und Anlagenbauer (59 Prozent) finden demnach keine Ingenieure. "Was jahrelang als Bedrohung galt, ist operativ in nahezu allen Unternehmen angekommen, unabhängig von Größe und Branche", sagt Thomas Faltin, Direktor für Personalstrategie und -organisation bei Kienbaum.

Auch bei IT-Fachkräften gilt der Bedarf als hoch. Laut der Kienbaum-Studie fehlen sie besonders in Verlagen, wo sie dringend für die Programmierung digitaler Angebote gebraucht werden. Vier von fünf Medienhäuser finden keine passenden Mitarbeiter. In den Branchen Telekommunikation, Handel und Logistik ist mehr als jedes zweite Unternehmen betroffen. Bei Banken und Versicherungen sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie jedes dritte.

Online-Netzwerke werden kaum genutzt

Konkret bemängeln die Arbeitgeber, dass sie zu wenige und zu schlechte Bewerbungen auf Stellenausschreibungen erhalten. Branchenübergreifend bekommen lediglich 16 Prozent der Unternehmen so viele Mappen auf den Tisch, dass sie optimal zwischen den geeigneten Anwärtern auswählen können. Mehr als ein Drittel der Befragten klagt zudem über eine Verschlechterung der Qualität der Bewerbungen. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es sogar drei Viertel.

Trotz der erheblichen Schwierigkeiten, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen, greifen nur wenige zu sinnvollen Gegenmaßnahmen, so die Studie. Die große Mehrheit bleibt passiv und setzt weiterhin auf die Variante, Stellenanzeigen auf der eigenen Website oder auf Jobbörsen zu schalten und dann abzuwarten. "Diese passiven Kanäle haben jedoch stark an Wirkung verloren", sagt Kienbaum-Experte Faltin.

Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin tauchen auf dem Radar der Personalabteilungen bislang nicht auf. Einzige Ausnahme: die IT- und Telekommunikationsbranche. Sie nutzt die Netzwerke aus dem naheliegenden Grund, dass sich IT-Profis besonders häufig dort tummeln.

"Pool an Talenten vorhalten"

Bei privaten sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+ sieht es kaum besser aus. Lediglich ein Drittel der Firmen wirbt dort um neue Mitarbeiter. Nur bei Logistikunternehmen sind es etwa doppelt so viele. Immerhin planen rund 30 Prozent, soziale Netzwerke zukünftig für die Rekrutierung einzusetzen.

Vier von fünf Unternehmen sind der Meinung, dass eine überdurchschnittliche Arbeitgeberattraktivität in Zukunft ausschlaggebend für den Erfolg sein wird. Das Schlagwort dazu lautet "Employer Branding", also der Aufbau einer präsenten Marke des Unternehmens als Arbeitgeber. Allerdings glauben nur 41 Prozent der Firmen, für Bewerber attraktiv zu wirken.

Große Lücken klaffen auch bei der Kompetenz der Personaler. In puncto Karriere- und Nachfolgemanagement sowie der strategischen Nachfolgeplanung und dem Controlling sehen die Berater von Kienbaum Schwächen.

Der Sektor Handel schneidet hier noch am besten ab, das Gesundheits- und Sozialwesen am schlechtesten. "Die Personalabteilungen müssen sich viel früher Gedanken machen, welche Positionen für das Unternehmen kritisch sind und einen Pool an Talenten vorhalten", rät Faltin. Für viele Unternehmen dürfte das bedeuten: Die Personalstrategie muss völlig neu ausgerichtet werden.

Martin Hintze ist Redakteur bei manager magazin online.

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
murphy83 12.12.2012
1. aha ...
Das hat doch mal Hand und Fuß: Man muss Know-How und Personal vorhalten - genau das Gegenteil ist bei vielen Firmen (und da sind nicht unbedingt die Personalabteilungen dran schuld) der Fall - mit jeder noch so kleinen Schwankung wird verschlankt bis aufs absolute Minimum - wenn dann einer ausfällt ist das Geschrei groß. Auch muss man vielleicht endlich mal zu dem Ergebnis kommen: Den perfekten Bewerber gibt es nicht, aber man kann ihm auch etwas bieten sich weiter zu bilden und in ein Unternehmen hinein zu wachsen - das braucht etwas Zeit und führt wieder zur wenig langfristigen Ausrichtung der Personalplanung - um es technisch auszudrücken CMMI Level 0 im Personalbereich ist keine Seltenheit. Zudem wissen gerade die Fachkräfte immer mehr um ihren Wert und die Nöte der Firmen - man muss der geneigten Fachkraft auch etwas bieten - mit möglichst geringen Löhnen und wenig Sicherheit denkt sich die Fachkraft auch recht schnell ihren Teil...
wahrsager23 12.12.2012
2.
Zitat von sysopdapdDeutsche Unternehmen suchen verzweifelt Ingenieure und Programmierer. Was tun die Personalabteilungen? Offenbar viel zu wenig. Das zeigt eine aktuelle Studie. Allzu häufig vertrauen Personaler auf das alte Rezept: Stellenanzeige schalten - und beten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/fachkraeftemangel-personaler-versagen-im-kampf-um-die-besten-koepfe-a-872259.html
Meiner Erfahrung nach gibt es Unternehmen, die selbst wenig zu bieten haben, aber Top-Bewerber wollen. Da muss wirklich alles 100%tig passen. Diese Unternehmen suchen dann jahrelang und finden niemanden, der zu solch einem Arbeitgeber für das Gehalt will. Anstatt dann die eignen Ansprüche zu hinterfragen wird dann eher über mangelnde Bewerber geklagt.
diplpig 12.12.2012
3. Personalentwicklung im Gesundheitswesen am schlechtesten?
Kann gar nicht sein. Was nicht existiert kann man auch nicht bewerten. Verwundert aber auch nicht, denn die Branche ist nicht offen für Quereinsteiger aus anderen Bereichen und reproduzíert nur die alte hierarchische Denke und die Egoismen von Matrixorganisationen. Mitarbeitergewinnung und -bindung ist im Gesundheistwesen ein Hohn im Vergleich zu Industrie und Handel.
der_joerg 12.12.2012
4. Wenigstens
Zitat von sysopdapdDeutsche Unternehmen suchen verzweifelt Ingenieure und Programmierer. Was tun die Personalabteilungen? Offenbar viel zu wenig. Das zeigt eine aktuelle Studie. Allzu häufig vertrauen Personaler auf das alte Rezept: Stellenanzeige schalten - und beten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/fachkraeftemangel-personaler-versagen-im-kampf-um-die-besten-koepfe-a-872259.html
in der Personalabteilungen scheint es keinen Fachkräftemangel zu geben. Ist doch schonmal ein Anfang. Es geht aufwärts.
berniejosefkoch 12.12.2012
5. Fachkräftemangel
Natürlich, Fachkräftemangel! Leider ist der Markt von Ingenieuren leergefegt mit den Vorzügen 18 Jahre alt, Dr-Ing Titel und der auch noch arbeitet für 1800 Euronen netto. Ganz klar, Fachkräftemangel.
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