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06. Oktober 2017, 14:15 Uhr

Diskriminierung

"Fearless Girl" ist unterbezahlt

"Fearless Girl" ist eine Statue nahe der Wall Street, die für Geschlechtergerechtigkeit wirbt. Doch die Firma, die sie aufgestellt hat, soll Frauen selbst systematisch schlechter bezahlt haben.

Das "Fearless Girl" steht im New Yorker Börsenviertel, in einer klassischen Männerwelt, als Symbol für Frauen, die sich ihren Platz nicht streitig machen lassen. Zum Internationalen Frauentag wurde die Bronzestatue dort aufgestellt, am 8. März 2017. Sie soll daran erinnern, dass in amerikanischen Unternehmen selten Frauen das Sagen haben.

Das gilt aber offenbar auch für die Firma, die das "furchtlose Mädchen" dort aufgestellt hat. State Street Global Advisors, eine große Vermögensverwaltung, hatte die Bildhauerin Kristen Visbal damit beauftragt. Ein großer Erfolg: Weil die Statue bei den New Yorkern so beliebt ist, soll sie dauerhaft stehenbleiben - geplant war nur ein Monat.

Für State Street ist sie zudem ein Marketingcoup, gibt die Firma doch seit Jahren einen Index heraus, mit dem der Zusammenhang zwischen Frauenquoten in Firmenvorständen und dem Unternehmenserfolg untersucht wird.

Doch zuletzt stand State Street vor Gericht: Die Firma habe, so der Vorwurf einer Sammelklage, 305 weibliche Führungskräfte systematisch schlechter bezahlt als Männer in vergleichbarer Position. Das war das Ergebnis einer Überprüfung durch das amerikanische Arbeitsministerium. Die hat auch ergeben, dass 15 frühere Vizepräsidenten mit schwarzer Hautfarbe schlechter bezahlt wurden als weiße Kollegen.

"Kraft von Frauen in Führung"

State Street hat den peinlichen Streit nun beendet, mit einer Zahlung von rund fünf Millionen Dollar an die Mitstreiter der Sammelklage. Allerdings bleibt die Firma dabei, dass sie keine Mitarbeiterinnen diskriminiere. Die Einigung (hier das Originaldokument) ist freiwillig und außergerichtlich, räumt aber dem Arbeitsministerium weitreichende Kontrollrechte ein.

Das Ministerium untersucht die Gehaltsstruktur der Firma bereits seit 2012 und geht davon aus, dass die ungleichen Gehaltschecks mindestens seit 2010 üblich waren. State Street hingegen legt laut einem Unternehmenssprecher, zitiert in der "New York Times", großen Wert auf faire Bezahlung und führe selbst gegenwärtig Programme durch, die das in allen Unternehmensbereichen sicherstellen sollen.

Im April hatte es bereits Ärger für das "Fearless Girl" gegeben. Das Mädchen steht direkt dem Börsenbullen "Charging Bull" gegenüber, einer Bronzestatue von 1989. Deren Schöpfer, Arturo Di Modica, beklagte sich, dass durch das kämpferische Mädchen die Aussage seiner Bronze verzerrt würde: Aus einem Symbol für wirtschaftlichen Optimismus würde so eine bedrohliche Figur. Er pocht auf sein Copyright und verlangt, dass "Fearless Girl" woanders aufgestellt wird - bisher aber ohne Erfolg.

Auch bei dieser Gelegenheit betonten die Vertreter von State Street die Aussage ihrer Statue: Sie stehe für die "Kraft von Frauen in Führung" und verlange mehr "Geschlechtergerechtigkeit in den Vorstandsetagen" der Wirtschaft.

mamk

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