Riskanter Job Feuerwehrmann "Wir retten Leben"

Bei den jüngsten Fluteinsätzen waren Tausende Feuerwehrleute im Einsatz. Einer von ihnen kam ums Leben, als er einen Ertrinkenden retten wollte. Wie gefährlich ist der Beruf?

Feuerwehr im Einsatz
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In Süddeutschland sind auch lange nach den verheerenden Gewittern Tausende Helfer im Einsatz. Geröll und Schlamm bedecken noch viele Straßen, Keller müssen leergepumpt, Böschungen gesichert werden. Wie riskant solche Einsätze sein können, zeigte sich auf tragische Weise in Schwäbisch Gmünd: Ein Feuerwehrmann starb bei dem Versuch, einen Ertrinkenden zu retten.

Immer wieder kommen Feuerwehrleute bei Rettungseinsätzen ums Leben. Sie müssen da hin, wo andere weglaufen. Wie gefährlich ist der Job? Zum Schutz der eigenen Leute, gibt es Normen und Vorschriften, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. Allerdings stehe im Notfall eine Maxime über allen anderen: Menschenleben zu retten. Sie selbst ist oft genug im Einsatz - bei der Freiwilligen Feuerwehr in Berlin-Zehlendorf.

Silvia Darmstädter, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes
Rico Thumser/DFV

Silvia Darmstädter, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes

SPIEGEL ONLINE: Frau Darmstädter, hatten Sie im Einsatz schon mal Todesangst?

Darmstädter: Nein, so brenzlig war es Gott sei Dank nicht. Aber ich erinnere mich an einige Situationen, die ohne die richtige Ausbildung und Einschätzung auch hätten schiefgehen können.

SPIEGEL ONLINE: Wie oft verunglücken Feuerwehrleute im Einsatz?

Darmstädter: Die neuesten Zahlen sind von 2013, da gab es in ganz Deutschland sechs Tote bei Freiwilligen Feuerwehren. Im Jahr davor waren es acht, davor fünf Tote - das bei einer Zahl von 1,2 Millionen Einsätzen im Jahr.

SPIEGEL ONLINE: Sieht es bei Berufsfeuerwehren anders aus?

Darmstädter: Das lässt sich schwer sagen: Die Zahlen werden dort nicht zentral erfasst. In der Ausbildung lernen beide dieselben Inhalte. Allerdings ist der Mix der Einsätze anders. Das hat mit dem Einsatzort zu tun, Berufsfeuerwehren gibt es hauptsächlich in Großstädten ab 100.000 Einwohnern, mit ganz eigenen Strukturen. So machen Berufsfeuerwehren anteilig mehr medizinische Notversorgung, was andere Risiken birgt als zum Beispiel Löscheinsätze.

SPIEGEL ONLINE: Feuerwehrleute müssen nah an die Gefahr ran - wie sichern Sie sich ab?

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Sturm, Blitze, Überschwemmungen: Tausende Helfer, Tausende Einsätze

Darmstädter: Für Technik und Abläufe gibt es Normen und Vorschriften, übrigens einheitlich für ganz Deutschland. Wer zum Beispiel keinen Atemschutzlehrgang besucht hat, darf nicht mit dem Gerät in ein brennendes Haus, um Bewohner zu retten. Allerdings gibt es im Einsatz eine Regel, die im Notfall andere sticht: Wir retten Leben. Dafür können wir dann auch einmal ein höheres Risiko eingehen. Zum Beispiel gibt es feste Regeln dafür, wie wir eine Leiter sicher aufstellen. Wenn wir aber einen Menschen dringend aus dem Fenster holen müssen und es fehlen zehn Zentimeter Platz zur Idealaufstellung - dann geht die schnelle Rettung vor.

SPIEGEL ONLINE: In Rettungs- und Pflegeberufen ist das Personal knapp. Wie sieht es bei der Feuerwehr aus?

Darmstädter: Auch wir müssen mit immer weniger Einsatzkräften auskommen: Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen allmählich die Altersgrenzen, die je nach Bundesland zwischen 60 und 65 Jahren liegen. Wir verlieren pro Jahr bislang etwa ein Prozent Personal, das können wir durch Anwerbungen nicht komplett ausgleichen. Derzeit haben wir rund eine Million freiwillige Feuerwehrleute und rund 30.000 bei der Berufsfeuerwehr.

SPIEGEL ONLINE: Ist das ein Problem für die Menschen, die Sie schützen sollen?

Darmstädter: Bisher nicht, in vielen Bereichen kommen wir mit weniger Leuten aus. Früher war ein Löschgruppenfahrzeug mit neun Personen besetzt, heute können dank moderner Technik schon sechs Leute dieselben Aufgaben erledigen. Viele Hydraulikwerkzeuge, mit denen wir Menschen aus Autowracks herausholen, werden inzwischen von einem Einzelnen bedient. Und während das Sprungtuch früher von 16 Mann gehalten werden musste, verwenden wir heute aufblasbare Sprungkissen, die nur zwei Feuerwehrleute bedienen müssen. Trotzdem brauchen wir jeden, der mitmachen kann. Wir stecken deshalb viel Engagement in die Jugendarbeit.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Finnland55 30.05.2016
1. Auch eine Frage der Arbeitswelt
Freiwillige Feuerwehren leben eben v.a. von den Freiwilligen. Die wiederum ja einem Hauptberuf nachgehen. Da Einsätze nicht nach dem Dienstplan kommen, ist ein Freiwilliger auch daruaf angewiesen, vom Arbeitgeber im Einsatzfall freigestellt zu werden. Die Bereitschaft hierzu lässt auf AG-Seite leider zunehmend nach; das ist ein ziemliches Problem in meiner Heimatstadt.
anon_moppi 30.05.2016
2. Nachwuchs probleme
wir haben da sehr starke probleme vorallem in der tages abdeckung. da viele nicht mehr im ort arbeiten sondern meist in einem andern ort was dann noch hinzu kommt das Ehrenamt wird nicht mehr sehr geschätzt. hinzu kommt der hohe zeitliche auffand den man aufwenden muss um sich weiterbilden/ausbilden zu lassen. der auch wichtig ist. aber die meisten schreckt es ab. seine zeit und gesundheit zu vergeuden oder gar sein leben zu lassen. aber ich muss sagen ich bin gerne feuerwehrmann auch wenn es halt einige probleme mit sich bringt
denkdochmalmit 30.05.2016
3. 48 Std. Woche
Viele Berufsfeuerwehren müssen zum 01.01. nun endlich auf die 48H Woche umstellen. Die fehlenden Leute werden händeringend gesucht. Gute fertig ausgebildete Feuerwehrleute sind wirklich Mangelware. Die mäßige Bezahlung sorgt natürlich auch nicht gerade für einen Andrang der Bewerber. Es wird Zeit das der Gesetzgeber hier endlich nachbessert, sonst gibt es wirklich bald Engpässe beim Personal.
widower+2 30.05.2016
4. Bewundernswert
Ich wohne in meinem kleinen Ort direkt neben der Feuerwache und bekomme daher so ziemlich jede Alarmierung mit. Die Jungs und Mädels sind auch am Tag normalerweise innerhalb von weniger als 5 Minuten unterwegs. Ich weiß wirklich nicht, wie die das schaffen. Ich habe aber absolute Hochachtung vor jedem, der da mitwirkt. Berufsfeuerwehrleute sollten auf jeden Fall sehr viel besser bezahlt werden. Die sind im Gegensatz zu den meisten Bankern, Unternehmensberatern und Managern echte Leistungsträger.
harry_buttle 30.05.2016
5. Wertschätzung
Zitat von widower+2Ich wohne in meinem kleinen Ort direkt neben der Feuerwache und bekomme daher so ziemlich jede Alarmierung mit. Die Jungs und Mädels sind auch am Tag normalerweise innerhalb von weniger als 5 Minuten unterwegs. Ich weiß wirklich nicht, wie die das schaffen. Ich habe aber absolute Hochachtung vor jedem, der da mitwirkt. Berufsfeuerwehrleute sollten auf jeden Fall sehr viel besser bezahlt werden. Die sind im Gegensatz zu den meisten Bankern, Unternehmensberatern und Managern echte Leistungsträger.
Ich würde sagen nicht nur Berufs- sondern auch Freiwiligenfeuerwehrleute. Und man könnte noch weit mehr ebenso wirkliche(!) Leistungsträger auflisten.
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