Bankenwelt im Wandel "In drei Klicks zur Geldanlage"

Wenn's um Geld geht - Sparkasse? Junge Menschen meiden Bankfilialen. Geld überweisen, leihen, anlegen: Das geht alles per Smartphone. Jetzt setzen kleine flotte Finanzfirmen die traditionellen Großbanken unter Druck.

FinTech statt Filialen: Finanz-Start-ups machen klassischen Banken Konkurrenz
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FinTech statt Filialen: Finanz-Start-ups machen klassischen Banken Konkurrenz

Von Silvia Dahlkamp


Wer früher einen Kleinkredit brauchte, machte einen Termin bei seinem Geldinstitut vor Ort. Eine junge Dame geleitete den Kunden ins Hinterzimmer mit Milchglasscheibe, servierte Kaffee mitsamt Keks. Der Bankberater - dezenter Anzug, schlichte Krawatte, blanke Schuhe - fragte höflich: Und, Sie wollen verreisen? Und dann stotterte der Kunde, ein wenig verlegen, dass er doch den Urlaub so dringend brauche. Aber leider sei die Waschmaschine kaputt gegangen, dann dieser Motorschaden am Auto. Und jetzt, na ja - gibt es die Möglichkeit auf einen Kleinkredit?

Bieder, bedächtig, immer ein bisschen peinlich. So liefen Kreditgespräche in Zeiten, als Oma und Opa noch ein Sparbuch hatten. Ihre Enkel erledigen Geldgeschäfte nicht mehr am Schalter, sondern setzen sich an den Computer. Welche Bank hat interessante Fonds, wo gibt es ein halbes Prozent mehr Zinsen? Und natürlich vergleichen sie auch bei Krediten die Konditionen.

Sind Filialbanken die nächsten Dinosaurier des Internetzeitalters?

In der Bankenzukunft tragen Kreditberater Knitterhemd und Schlabberjeans, weil sie viel häufiger mit Kunden chatten statt reden, von Bildschirm zu Bildschirm. Motto: Wenn's um Geld geht - Smartphone. Damit können Kunden in Sekundenschnelle Geld überweisen, aber auch Geld anlegen oder leihen.

Obacht, die FinTechs kommen

Vor allem in Berlin sprießen viele Finanz-Start-ups aus dem Boden, meist Firmen mit coolen englischen Namen. Die meisten stammen aus den USA, manche sind Milliarden Dollar wert. Eine kleine Auswahl zum Anklicken:

Lendico



Die Plattform vermittelt online Kredite von privat zu privat. Die Konditionen sind meist günstiger als bei der Bank.

Moneymeets



Wer seine Finanzgeschäfte übers Internet abwickelt, kann über diese Plattform Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag erwerben. Der Finanzmarktplatz teilt die Bestandsprovisionen der Fondsanbieter mit seinen Kunden.

Schutzklick



Das Unternehmen bietet Produkt-Versicherungen an, die übers Internet in wenigen Schritten vollkommen papierlos abgeschlossen werden können - unter anderem Verträge für Elektrogeräte, Fahrräder und Haustiere.

Wikifolio



Hier kann jedermann seine private Anlagestrategie veröffentlichen und zur Nachahmung empfehlen. Anleger "folgen" dabei Händlern und "kopieren" deren Strategien. Das Ganze nennt man "Social Trading" und ist eine Art Facebook für die Geldanlage.

Zencap



Auf dieser Onlineseite können kleine und mittelständische Unternehmen von privaten Investoren Kredite einsammeln.

FinTech heißen die Filialen der Zukunft - ein Kunstwort aus "Finanzen" und "Technologie". Ein neuer Markt für Finanzdienstleistungen, ein Schreckgespenst für traditionelle Banken. Die stehen mit ihrem Namen zwar noch für Sicherheit, aber ebenso für Langsamkeit und, schlimmer noch: Langeweile.

"Banken haben es komplett verlernt, im Sinne des Kunden zu denken", sagt Oliver Vins, Mitgründer der Internetplattform Vaamo. Sein Werbeversprechen: "In drei Klicks zur Geldanlage." Das funktioniert so: Statt lange über Fondsprospekten zu brüten oder Aktienkursverläufe zu studieren, geben Anleger auf der Webseite einfach ihr Sparziel ein, plus Zeitraum und Risikobereitschaft. Eine Software im Hintergrund wählt Anlageprodukte aus; eine Partnerbank kümmert sich um die Abwicklung.

Bevor Vins im vergangenen Jahr mit Vaamo online ging, hat er lange als Strategieberater gearbeitet - "und täglich erfahren, wie groß das Potenzial für bessere und faire Finanzprodukte ist". Zusammen mit zwei ehemaligen Studienkollegen zog er das Finanzportal hoch. Klar sei es schwer, gegen Banken mit riesigen Marketingbudgets anzukommen, sagt Vins, doch die Zeiten seien günstig: "Gerade die jüngere Generation unter 40 kann sich heute kaum noch vorstellen, eine Bankfiliale zu betreten, und sucht nach guten Alternativen."

Enorme Investitionen in die FinTech-Szene

Die FinTech-Szene boomt. Die meisten der Internet-Finanzfirmen bieten klassische Dienstleistungen an, Kreditvergabe oder Zahlungsverkehr. Andere FinTechs sammeln zum Beispiel finanzmarktrelevante Twitter-Nachrichten oder Daten von Fitnessbändern, die für Krankenversicherer interessant sein können. "Die digitale Revolution bei Finanzdienstleistungen ist weit fortgeschritten", so Julian Skan von Accenture.

Eine Analyse der Unternehmensberatung ergab, dass Geldgeber auf den Erfolg der FinTech-Firmen setzen. So haben sich die Investitionen allein 2014 verdreifacht - weltweit auf 12,2 Milliarden Dollar. Die größten Spieler kommen aus den USA, aus Australien, Großbritannien, Indien und Schweden. Das wohl bekannteste FinTech ist PayPal, die Bezahltochter von Ebay.

In Deutschland ist die FinTech-Szene noch klein, aber fein. 82 Millionen Dollar investierten Geldgeber in zahlreiche Start-ups in Berlin, um sie stark zu machen gegen ihre Konkurrenten, traditionelle Geldinstitute. Die Deutsche Bank etwa spürt den Druck und hält dagegen, indem sie selbst eine Milliarde Euro in die Digitalisierung ihrer Angebote steckt. Andere - wie die Commerzbank - engagieren Start-ups, damit sie komfortablere Angebote für ihre Kunden entwickeln.

Schöne, schnelle, neue Welt. Niels Nauhauser, Bankenexperte bei der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg, mahnt trotzdem zur Vorsicht: "Klar ist es interessant, wenn Überweisungen per SMS verschickt werden können." Aber Kreditvergaben von privat zu privat oder die Vermittlung von Unternehmensbeteiligungen, das seien hochriskante Angelegenheiten: "Woher sollen Verbraucher wissen, ob zum Beispiel eine angebotene Rendite von sechs Prozent angemessen ist für das damit verbundene Ausfallrisiko?"

Mit Material von dpa

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Seite 1
cherrypicker 15.07.2015
1. Undifferenzierter Artikel
Zunächst mal: Falls es der Autorin entgangen sein sollte -- die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland sinkt seit Jahren und Internetbanking ist per se nichts Neues. Schon Bill Gates saget vor fast 20 Jahren: "Banking is essential, banks are not". So where is the news? Daneben ist der Artikel an vielen Stellen schwammig geschrieben, weil schlecht recherchiert. Zunächst: In "Sekundenschnelle" überweisen wäre technisch längst möglich und ist in Asien z.B. längst üblich. Hierzulande werden die Banken aber einen Teufel tun, wenn sie nicht gesetzlich dazu gezwungen werden; sie verdienen schließlich daran, wenn es ein oder zwei Tage dauert. Und, jetzt kommt der nächste Knackpunkt: Die ganzen neuen Finanzstart-Ups sind meist nur Vermittlungsplattformen, die eigentlichen Bankgeschäfte wickelt dann doch eine Großbank ab. Das hat damit zu tun, dass die EDV-Anforderungen sehr hoch und entsprechend teuer sind und zum anderen entsprechendes Personal und Eigenkapital da sein muss, um überhaupt eine Lizenz von der BaFin zu bekommen.Auch PayPal ist ja nur eine Benachrichtigungplattform über eine eingegangene Zahlung; die eigentliche Buchung wickelt immer noch die Bank ab. Vermittler aber machen das Geschäft teurer, nicht besser -- sie wollen ja auch ihr Scheibchen vom Profit abhaben. Und Kredite von privat zu privat -- wirklich? Manche leihen ja ihrem besten Freund schon kein Geld, warum sollten sie es dann bei einem Fremden tun? Und nur weil eine Firma "Millionen wert" ist (an der Börse), heißt es nicht, dass das Geschäftsmodell in der Realität was taugt. Im Übrigen: 82 Millionen Investitionen sind in der Finanzwelt ein Witz! Ich könnte noch ewig so weiter machen ... Was hier eigentlich passiert ist Folgendes: Die Banken erfinden lustige, bunte Namen, um beim Jungvolk im Internet nicht ganz so dröge rüberzukommen, besonders da ihr Ruf mittlerweile ziemlich angeschlagen ist. Marketing nennt man das. Und offensichtlich ist auch die Autorin darauf hereingefallen. Lieber SPON, vielleicht solltet ihr so komplexe Themen nicht von der Praktikantin bearbeiten lassen.
marthaimschnee 15.07.2015
2.
"Woher sollen Verbraucher wissen, ob zum Beispiel eine angebotene Rendite von sechs Prozent angemessen ist für das damit verbundene Ausfallrisiko?" Und selbst wenn er das Produkt dahinter kennt, kann er das Risiko vielfach trotzdem nicht beurteilen, siehe Prokon.
mecker_messi 15.07.2015
3. Toll!
>>Das funktioniert so: Statt lange über Fondsprospekten zu brüten oder Aktienkursverläufe zu studieren, geben Anleger auf der Webseite einfach ihr Sparziel ein, plus Zeitraum und Risikobereitschaft. Eine Software im Hintergrund wählt Anlageprodukte aus; eine Partnerbank kümmert sich um die Abwicklung.
dirkhs 15.07.2015
4. ..Und wenn es schief geht
sind wieder andere Schuld.... Ach ja heutzutage werden ja weder Zeitungen gelesen odr Nachrichten geschaut, daher kann ja keiner wissen, dass 6 % Rendite mit Risiko verbunden sind
greenwasher 15.07.2015
5. Ob das so viel besser ist
Die Banken haben zweifelsfrei viel falsch gemacht. Aber ob es so viel besser ist, in ein Programm Risikobereitschaft einzugeben und eine Rendite zu erhalten? Man kann sich nicht auf der einen Seite über die verschachtelten und ungesunden Finanzprodukte aufregen und auf der anderen Seite jegliche Verantwortung dafür schon bei der Auswahl abgeben. Wenn eine Software im Hintergrund (! Transparenz !) Anlageprodukte für mich auswählt, die am besten noch synthetisch irgendwelche Indizes nachbilden, ist das ein Schritt hin zu noch mehr schwer nachvollziehbaren Finanzprodukten. Denn sind wir mal ehrlich: Gier gewinnt immer, das hat die Vergangenheit gezeigt. Das moderne Banking muss nicht irgendwelche Fantasierenditen anbieten. Es muss dem Kunden einen Mehrwert bieten, der über die reine Rendite hinaus geht. Ich finde es beispielsweise interessant, nachvollziehen zu können, was mit meinem Geld passiert.
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