Firmengründung In fünf Etappen zum eigenen Unternehmen

"Da gründe ich lieber gleich eine eigene Firma": Wer es damit ernst meint, muss sich Zweiflern und knallharten Bankern stellen - und seinen eigenen Schwächen. Berater und erfolgreiche Entrepreneure beschreiben den Weg in die große Freiheit.

Von Peter Wagner


Nils Küppers/ SPIEGEL JOB

Ideenblitz und Ideenreifung als erste Phase

Das Gründen ist ein bisschen wie die Liebe. Es verändert das Leben. Außerdem sind da strukturelle Ähnlichkeiten. Die Liebe kann den Menschen unvermittelt treffen, genau wie die Idee zu einer Gründung.

So gibt es seit einiger Zeit spezielle Schulrucksäcke mit Hüftgurt, die in ihrer Machart an Wanderrucksäcke erinnern. Die Entwickler des "Ergobag" saßen eines Abends mit einer Physiotherapeutin zusammen, die nicht verstehen wollte, warum Wanderern die Rucksäcke auf den Leib geschneidert werden, während Schüler ihre Bücher in Tornistern zur Schule tragen. Ohne Hüftgurt. An jenem Abend wurde die Idee für den Ergobag geboren.

Nun kann die Liebe aber auch anders entstehen, mit viel Vorlauf. Manchmal kennen sich zwei Menschen schon lange Zeit, und trotzdem dauert es, ehe es funkt. Bei der Idee für eine Gründung ist es ähnlich. Helen Sippl, 50, aus Dachau ist gebürtige Engländerin. Viele Jahre trug sie die Idee mit sich, ein Coaching in englischer Sprache anzubieten - für Schüler, die die Sprache üben wollen, oder für Berufstätige, die auf Englisch präsentieren sollen. Für Sippl war die Idee nicht dringlich, es ging um den richtigen Zeitpunkt. Anfang dieses Jahres war es so weit. "Ich habe das Gefühl, dass alles, was ich bisher gemacht habe, zu diesem Punkt geführt hat", sagt sie. "Ich habe jetzt noch zehn Jahre bis zur Rente, und die will ich nutzen."

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Existenzgründer: "Es ist einfach das eigene Baby"
In der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) berät Harald Hof, 44, an manchen Tagen mehr als zehn Menschen, die sich selbständig machen möchten. Er weiß mittlerweile, dass nur wenige Ideen in Form eines Blitzes in die Welt geliefert werden. Die meisten Gründerideen sind Ergebnis eines längeren gedanklichen Prozesses.

So war es bei Dejan Blagojevic. Der Münchner studierte Sport und arbeitete als Personal Trainer. Seit vergangenem Jahr organisiert er für Unternehmen betriebliches Gesundheitsmanagement. Er bietet Seminare zur Stressbewältigung, veranstaltet Rückenfitkurse oder organisiert Gesundheitstage.

Mehrmals spricht Blagojevic davon, dass ihn die Idee nicht ereilt habe, sie sei "gereift". Man stellt sich dann einen Apfel vor, wie er im Frühjahr blüht und trotzdem erst im Herbst zum Pflücken einlädt.

Holger Kreß begleitet bei der Sparkasse Erlangen Gründer und ihre Ideen von der Blüte zur Reife. Der 49-Jährige ist ein nüchterner Mensch, und er will eigentlich immer, dass seine Klienten ihm einen Businessplan präsentieren. "Im Kopf entwickeln sich die Ideen schneller als auf dem Papier", sagt Kreß. Erst beim Schreiben entstehe das Gefühl für den wahren Gehalt einer Geschäftsidee.

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insgesamt 42 Beiträge
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waldisonne 20.01.2014
1. knallharte Typen
Der Satz "Der Mann von der IHK und der Mann von der Bank sind eigentlich knallharte Typen" lassen mich schmunzeln. Ich verstehe, dass manche selbstverliebte Neugründer naiv an die Gründung rangehen und kritische Nachfragen notwendig sind. Doch drüben auf der anderen Business-Seite in der Jury sollen doch mal diese knallharten Typen aus ihrer Komfortzone rauskommen und Gründungserfahrung sammeln. Doch hier in Deutschland ist es halt "in", dass man besser mit guten Ratschlägen eine Beratung/Coaching anbietet, anstatt an innovativen Geschäftsmodellen arbeitet. Was machen den die knallharten Typen oben am Rand der Grube, wenn kein Mensch mehr unten in der Grube die Schaufel in die Hand nimmt?
rockwater 20.01.2014
2. Magie und Beharrlichkeit
Alles das, was Spon nicht hat ;-?
holyowly 20.01.2014
3. William Feather Zitat
Erfolg scheint größtenteils darauf zu beruhen, dass man weiter macht, wenn andere schon aufgegeben haben.
mm71 20.01.2014
4.
Zitat von waldisonneDer Satz "Der Mann von der IHK und der Mann von der Bank sind eigentlich knallharte Typen" lassen mich schmunzeln. Ich verstehe, dass manche selbstverliebte Neugründer naiv an die Gründung rangehen und kritische Nachfragen notwendig sind. Doch drüben auf der anderen Business-Seite in der Jury sollen doch mal diese knallharten Typen aus ihrer Komfortzone rauskommen und Gründungserfahrung sammeln. Doch hier in Deutschland ist es halt "in", dass man besser mit guten Ratschlägen eine Beratung/Coaching anbietet, anstatt an innovativen Geschäftsmodellen arbeitet. Was machen den die knallharten Typen oben am Rand der Grube, wenn kein Mensch mehr unten in der Grube die Schaufel in die Hand nimmt?
Na ja, ich denke mal, Leute, deren Geschäftsmodell es ist, Geld von Gründern bzw. Unternehmern abzugreifen, gibt es überall. Die IHK sind aber wirklich ein spezielles Ärgernis.
ullibulli09 20.01.2014
5. Die Realität sieht anders aus!
Die Anzahl der Firmengründungen ist seit 2006 rückläufig! Und was passierte in 2006? Genau, der Bologna-Prozess wurde abgeschlossen und die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt. Seitdem haben Studenten kaum noch Zeit quer zu denken oder gar an die Selbstständigkeit.
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