Fleckenentfernung Wie werde ich Rotwein- oder Blutflecken wieder los?

Rotwein auf dem weißem Hemd oder Bratensoße auf der Krawatte: Manche Flecken sind besonders hartnäckig. Welche Sie selbst entfernen können und welche Sie Profis überlassen sollten, verrät eine Expertin.

Senfflecken auf weißem Hemd
Getty Images/Tetra images RF

Senfflecken auf weißem Hemd


Zum Geschäftsessen sitzen Sie mit Businesspartnern am Tisch. Während Ihre Sitznachbarin eine lustige Geschichte erzählt, gestikuliert sie wild mit dem Arm - und wirft dabei Ihr Rotweinglas um. Das landet natürlich auf dem Tisch und der Inhalt nicht nur auf der weißen Baumwolltischdecke, sondern auch auf Ihrem Hemd. Was nun?

Stefanie Neu, Fachlehrerin für Textilreiniger, erklärt, wie Sie Rotwein- und andere Flecken ganz einfach selbst entfernen, was Sie besser in die Reinigung bringen sollten und bei welchen Flecken selbst Fachleute an ihre Grenzen stoßen.

Gut zu wissen

  • Je frischer und je weniger behandelt, desto besser sind Flecken aus der Kleidung zu entfernen. Denn: Eine Vorbehandlung kann die Flecksubstanz ändern. Das erschwert auch eine professionelle Reinigung.
  • Gleiches löst sich in Gleichem: Wasserhaltige Flecken lösen sich mit Wasser gut. Frische Fruchtflecken lassen sich daher in der Regel gut mit kaltem Wasser lösen.
  • Flecken, die mit Fett ins Textil kommen, lösen sich nicht gut in Wasser. Statt es bei empfindlichen Textilien mit Gallseife oder Spülmittel zu versuchen, empfiehlt Stefanie Neu: "Gehen Sie mit Fettflecken direkt zum Textilreiniger. Wenn die Faser geschädigt wird, kann mit dem Fleck nämlich auch die Färbung verschwinden."
  • "Flecken, die warm in einen synthetischen Stoff kommen, sind fast nicht zu entfernen. Flecken, die kalt in einen künstlich hergestellten Stoff kommen, lassen sich teils besser entfernen als bei Naturfasern", erklärt Neu, "da sie quasi auf der Faseroberfläche liegen."

Die häufigsten und hartnäckigsten Flecken

Salat- und Bratensoßen auf Krawatten und anderen Kleidungsstücken, Rotwein auf Tischdecken und andere Lebensmittelflecken kommen recht häufig vor. Da können laut Neu Vorbehandlungsmittel helfen, wie spezielle Sprays, die Baumwollshirts nicht schädigen.

Besonders hartnäckig und damit schwierig zu entfernen sind fetthaltige Verschmutzungen, die zum Beispiel durch Fahrradketten- oder Motoröl entstehen. Fleckenreiniger, die Sie im Handel erhalten, können nicht alles lösen. Bestimmte Detachiermittel gibt es nur in Reinigungen.

Was können nur professionelle Textilreiniger entfernen?

Bei fetthaltigen Verschmutzungen empfiehlt Neu, sofort zum Textilreiniger zu gehen, denn der könne fast alle Flecken entfernen und habe eine Sorgfaltspflicht gegenüber Textilien.

"Nur Textilreiniger dürfen Textilien in organischen Lösemitteln chemisch reinigen", erklärt sie. Bestünden Risiken, den verschmutzen Stoff zu schädigen, würde der Kunde darin im Gespräch aufgeklärt.

Rotweinflecken entfernen - so geht's

1. Salz: Als Notfallhilfe, wenn der Fleck ganz frisch ist, können Sie Salz draufstreuen. "Denn Salz bindet den roten Farbstoff", sagt die Expertin.

2. Wasser: Spülen Sie dann mit kaltem Wasser nach.

3. Waschen: Und ab in die Waschmaschine, denn beim Waschen wird der Fleck abgespült.

Wenn ein Glas auf dem Tisch umfällt, können auch leicht mehrere Textilien beschmutzt werden: Um zum Beispiel den Rotweinfleck aus einer weißen Baumwolltischdecke zu entfernen, können Sie diese der Expertin zufolge gut mit einem Vollwaschmittel auch bei 70 bis 90 Grad waschen.

Tropft Rotwein auf weiße Seidenblusen oder -hemden, sollten Sie diese zwar auch möglichst schnell, aber vergleichsweise kalt waschen: bei 30 Grad ohne Vorwäsche.

Spezielle Flecken und ihre Entfernung

Flecken von Obst und generell pflanzlichen Ursprungs enthalten Gerb- und Farbstoffe. Frische Farbflecken von Früchten können Sie mit kaltem Wasser lösen. Auch Eiweißflecken wie Blut können Sie zunächst mit kaltem Wasser behandeln: Quellen Sie die beschmutzte Stelle damit auf.

Waschen Sie das Kleidungsstück dann mit Vorwäsche bei einer kalten Temperatur - nicht über 40 Grad. Eiweißflecken lassen sich mit Enzymen lösen, die beispielsweise in unserem Speichel enthalten sind. "Aber wer spuckt schon auf Textilien?", gibt Neu zu bedenken. Glücklicherweise finden sich solche Enzyme auch in Vollwaschmittel und können Urin oder Schweiß lösen.

Finger weg von diesen Flecken:

Viele Leute gehen nicht zum professionellen Reiniger, wenn die Kinder mal wieder die geschmolzene Schokolade an der Hose abgewischt haben. Einmal kaltes Wasser und Spülmittel auf den frischen Fleck und ab damit in die Waschmaschine. Kann funktionieren. Doch je höher der Kakaogehalt, desto vorsichtiger sollten Sie sein - zum Beispiel bei tiefdunkler Zartbitterschokolade auf geliebten Kleidungsstücken.

  • Schokolade: Wer sich mit Schokolade bekleckert, hat eine Schmutzsubstanz bestehend aus Kakaobohne, Fett und Zucker in der Kleidung. Und die lässt sich nur schwer lösen. Denn Zucker kann karamellisieren und damit wie das Fett tiefer in die Faser "einbrennen".
  • Kugelschreiber: Wegen der hohen Anteile an Farbpigmenten, die in Fett gebunden sind, rät Neu: "Bloß nicht selber machen, sondern sofort in die Reinigung gehen." Eine Komplettbehandlung je nach Beschaffenheit des Kugelschreiberflecks koste um die sieben Euro.
  • Permanentmarker: Da können selbst Textilreiniger nichts mehr tun. Maximal unempfindliche Stoffen wie weiße Baumwoll-Arztkittel können noch zu retten sein, weil die Faser hier mit Bleichmittel behandelt werden kann, ohne den Schaden zu verschlimmern.

Drei schwierige Stoffe

1. Seide: Wenn Sie an gefärbter Seide reiben, kann es passieren, dass Sie am Ende nicht nur den Fleck entfernen, sondern auch gleichzeitig die Farbe des Stoffes verändern. Zum Beispiel wenn Sie beim Essen mit einer Baumwollserviette an Ihrem Seidenhemd reiben, raut der Stoff schnell auf.

2. Viskose: Die geringe Reißfestigkeit ist das größte Problem bei feuchter Viskosefaser. Durch Nässe wird der Stoff so instabil, dass Löcher entstehen können.

3. Wolle: Die Naturfaser ist sehr empfindlich, verfilzt leicht und ist somit schwierig zu behandeln. Daher gilt: nicht reiben! Wer Spülmittel und warmes Wasser auf Wolle einreibt, bekommt schnell Filz.

Wichtig, wenn Sie ein Textil in die Reinigung bringen

Lassen Sie das Etikett dran. Denn das muss alle verarbeiteten Textilen Rohstoffe auflisten und ist für Reiniger daher sehr wichtig. Besteht das Kleidungsstück aus 100 Prozent Baumwolle? Handelt es sich um ein Mischgewebe mit 80 Prozent Seide oder 20 Prozent Wolle? "Manchmal sind Fasern verarbeitet, die unterschiedlich behandelt werden müssen", erklärt Stefanie Neu. So sei Wolle temperaturempfindlich und Baumwolle nicht. Ein Mischgewebe aus beiden Rohstoffen erfordert demnach eine besondere Behandlung.

Die drei wichtigsten Waschmittel

Folgende Waschmittel sollten Sie laut Neu zu Hause haben:

1. Ein Vollwaschmittel für weiße Wäsche.

2. Ein Color-/Buntwaschmittel für alles, was Farbe hat.

3. Ein Fein-/Wollwaschmittel für empfindliche Textilien, um Wolle, Seide oder Viskose zu waschen, ohne Faser und Färbung anzugreifen.

  • Stefanie Neu
    Stefanie Neu, Jahrgang 1966, ist Textilreinigermeisterin und unterrichtet als Fachlehrerin für Textilreiniger praktisch und fachtheoretisch an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode.


insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
sametime 13.02.2019
1. Drei verschiedene Waschmittel?
Bei mir kommt alles zusammen in die Waschmaschine und wird mit Vollwaschmittel bei 40 Grad gewaschen. Seit Jahrzehnten ohne Probleme und fast alle Flecken gehen raus.
freigeistiger 13.02.2019
2. Farbbeständigkeit
Zitat von sametimeBei mir kommt alles zusammen in die Waschmaschine und wird mit Vollwaschmittel bei 40 Grad gewaschen. Seit Jahrzehnten ohne Probleme und fast alle Flecken gehen raus.
Bundtwaschmittel sollen keine Bleichmittel enthalten. Deshalb sollen die Farben besser erhalten bleiben. Bleichmittel erhöhen dagegen die Schmutzbeseitigung.
noch_ein_forenposter 13.02.2019
3. Mache ich auch so
Zitat von sametimeBei mir kommt alles zusammen in die Waschmaschine und wird mit Vollwaschmittel bei 40 Grad gewaschen. Seit Jahrzehnten ohne Probleme und fast alle Flecken gehen raus.
Da ich fast nur dunkle Kleidung trage, funktioniert das prima. Helle Sachen werden aber häufig auf die Dauer grau.
bluebill 13.02.2019
4. am besten sofort auswaschen
Wenn ein Fleck entsteht, gehe ich umgehend zum Waschraum und spüle zumindest schon mal mit Wasser und Seife etwas vor. Dann kann der Fleck nicht lange einziehen und lässt sich später besser entfernen. Ausgenommen Kuli und Marker, die auf Wasser und Seife nicht reagieren. - . Etiketten sind leider oft an Stellen angebracht, wo sie stören oder zwacken. Deshalb schneide ich sie grundsätzlich heraus. Wenn das Kleidungsstück Taschen hat, stecke ich die Waschanleitung dort hinein, zusammen mit Ersatzknöpfen. Alles andere kann eben nicht in die Reinigung. Aber in den Drogerien gibt es ganze Arsenale von verschiedenen Mitteln gegen praktisch jede Art von Flecken.
Gluehweintrinker 13.02.2019
5. Weiße Textilien: Schimmelspray aus dem Baumarkt
Beruflich habe ich viel mit Kaffee und Rotwein zu tun, und beides neigt dazu, an meinen weißen Hemdsärmeln Flecken zu hinterlassen. Nach einer normalen Wäsche mit Bleichmittel (dann wird auch garantiert nichts "grau"), kann man einen Kaffeefleck nicht mehr von einem Rotweinfleck unterscheiden. Es wären aber jeweils andere Fleckentferner nötig, da es einmal Röststoffe sind und einmal Fruchtfarbstoff. Ideal ist, so fand ich heraus, die chemische Keule aus dem Baumarkt: Schimmelspray auf Chlorbasis. Schimmelspray reduziert den Schimmelfarbstoff und löst somit hässliche schwarze Verfärbungen am Silikonrand einer Badewanne auf. Es wirkt aber auch gegen Rotwein und Kaffee und zwar so schnell, dass man dabei zusehen kann. Anschließend natürlich gut durchspülen, am besten noch mal in die Wäsche geben. Da die Sprühflaschen eher für großflächige Verteilung geeignet sind, kleine Flecken aber eher wenig Spray benötigen, fülle ich das Spray in eine kleine Sprühflasche um. Ein leeres Deofläschchen geht prima. Beschriften nicht vergessen, wegen Verwechslungsgefahr. Am besten Gummi- oder Haushaltshandschuhe tragen dabei.
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