Fleckenfreie Hose Das geht runter wie nix

Ketchup auf der Business-Hose? Peinlich. Es gibt zwar schmutzabweisende Klamotten, aber die sind nichts fürs Meeting. Deshalb haben zwei Berliner eine bürotaugliche Funktionshose entwickelt.

Simon Michaelis

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Die Hose von Jörg Beckmann sieht aus, als könnte man sie problemlos im Büro tragen: eine schwarze Chino, schlicht, seriös. Er kippt Wasser drüber: Der Boden ist nass, auf dem Hosenbein bleiben nur ein paar kleine Tropfen, die sich mit der Hand abstreifen lassen. Unmittelbar danach ist der Stoff wieder trocken.

Und Kaffee? Zack, die Tasse ist leer, auf der Erde eine kleine Pfütze. Nur der Stoff bleibt unbeeindruckt. Gleicher Effekt bei Ketchup und Wein. Keine roten Flecken, kein Geruch. "Der entsteht nicht mal nach Radtouren, einem Musikfestival oder einem Campingurlaub", sagt Beckmann. "Es reicht, wenn man die Hose alle vier Wochen wäscht."

Dabei ging es ihm anfangs nur um sieben Tage: Eine Geschäftsreise nach China, nur mit Handgepäck. Mehr wollte Beckmann nicht mitschleppen, in den Flieger stieg er mit Kulturbeutel, Notebook, Reisepass, Handy-Ladegerät, Schreibblock, Visitenkarten, Ersatzwäsche und - Ersatzhose. Genau die nervte ihn. Auf der Rückreise dann die Geschäftsidee: Er wollte eine Hose mit den Eigenschaften von Sportfunktionskleidung, die aber optisch als Businessklamotte durchgeht und weder im Büro noch auf Geschäftsreisen auffällt.

Eigentlich nur für den Eigenbedarf

Gemeinsam mit dem Freund und heutigen Geschäftspartner Julian Kea fand er vor drei Jahren keine Alternative: "Atmungsaktive, faltenfreie und schmutzabweisende Oberteile gab es mehr als genug. Aber eine Hose, die nicht nach den typischen Sportklamotten aussah?" Die beiden mussten sich selbst darum kümmern.

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Gründer im Zweifel: Soll ich dafür meinen Job kündigen?
Sie wollten eine klassisch geschnittene Chino-Hose mit Lotus-Effekt. Der Berliner recherchierte, fand einen Stoff mit selbstreinigender Nano-Veredelung. Regen, Kaffee, Rotwein und andere Flüssigkeiten perlen daran ab. "Das Material hat noch mehr Vorteile. Du kannst es im Waschbecken mit lauwarmem Wasser und eventuell etwas Kernseife auswaschen und reinigen. Man kann die Hose sogar noch feucht anziehen und sie trocknet innerhalb von Minuten am Körper", erklärt er. Auch ausbleichen könne der Stoff nicht.

Ursprünglich wollten die beiden die Hose nur für den Eigenbedarf. Sie haben andere Berufe, beide sind selbstständig, Beckmann als Diplom-Kaufmann im Bereich Akustikbau, Kea arbeitet als Trainer und Coach.

Der Hersteller stellte ihnen drei Meter Stoff zur Verfügung, damit produzierten sie zwei Testhosen. "Viele waren überrascht, wie Funktionskleidung aussehen kann", sagt Kea. "Es muss nicht immer glänzen und rascheln. Einige fanden sie cool, aber bis die Leute so eine Hose tatsächlich kaufen - das ist ein weiter Weg."

Babys machen sich doch auch immer schmutzig

Ihr Weg wurde eine Crowdfunding-Kampagne. Nachdem sie mit einer Designerin den Schnitt entworfen hatten, bewarben sie das Projekt unter dem Namen Slik17 auf der Plattform Startnext. 100 Hosen finanzierten sie im Herbst 2012 innerhalb von zwei Monaten. Unterstützer des Projekts bekamen für 129 Euro ein Exemplar.

Doch die Nachfrage war so groß, dass sie vor einem halben Jahr eine zweite Crowdfunding-Runde starteten. Die angepeilte Zielsumme von 4800 Euro für die Finanzierung der Hosen wurde um ein Vielfaches übertroffen, sodass die Gründer 138 Hosen in Auftrag geben konnten. Geld verdienten die beiden Neu-Designer damit bisher nicht. "Wir haben uns einen symbolischen Euro als Gehalt ausbezahlt", sagt Kea. Ihr Hosen-Projekt lief all die Zeit als Feierabendvergnügen.

Jetzt stehen die Berliner am unternehmerischen Scheideweg: Konzentrieren sie sich auf das Geschäft mit den fleckenfreien Businesshosen oder belassen sie es dabei? "Wir können uns vorstellen, einen Investor mit ins Boot zu holen und mit externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten", sagt Beckmann.

Ein drittes Crowdfunding komme nicht in Frage. Ganz im Gegensatz zu anderen Designs: seien es kurze Hosen, ein Damenschnitt, Kleider, Hosen für Kinder oder Babyklamotten. Beckmann ist sich sicher: "Die Möglichkeiten sind längst nicht ausgeschöpft."

  • Laura Engels
    KarriereSPIEGEL-Autor Simon Michaelis (Jahrgang 1980) ist freier Journalist und lebt in Essen. Für seine Geschichten pendelt er vor allem zwischen den Regionen Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Rhein-Neckar.

insgesamt 29 Beiträge
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fuhbar 04.10.2014
1. Klingt verdächtig...
...nach den Hosen von Outlier, die es seit vielen Jahren aus den USA oder über Händler in UK und Deutschland zu kaufen gibt. Hoffentlich wurde das Rad nicht neu erfunden (und als solches verkauft) sondern wirklich ein Fortschritt erzielt.
joachim enders 04.10.2014
2. Nicht nur Business...
Auch Eltern wollen manchmal nett aussehen, aber oft fällt die Kleidungswahl recht eintönig aus, weil man weiß, dass mit Kindern im entsprechenden Alter die schöne Bluse, die schicke Hose, das frisch gebügelte Hemd mit Brei, Spucke, verschmierter Schokolade, verspritztem Eis usw. "verschönert" wird. Also bitte auch mal an ganz normale Kleidung mit Lotuseffekt denken... ;-)
s342 04.10.2014
3. Gute Idee, aber
Bekleidung mit Nanopartikeln durchsetzt, die man direkt am Körper trägt? Nanopartikel, egal welcher Art, sind leider nicht ganz unschädlich. Es sollte erstmal der Beweis gebracht werden, dass das Tragen von nanoimprägnierter Kleidung am Körper auch tatsächlich unschädlich ist.
spon-facebook-638601465 04.10.2014
4. Entsorgung?
Haben Sie auch an die Umwelt gedacht? Wahrscheinlich wieder einer der Outdoor Klamotten, die am Ende im Sondermüll landen müsste. Wir übertreiben mit der Nutzung solcher Kleidung wirklich viel zu sehr. Selbst wenn am Tag Regen weniger als 10% wahrscheinlich ist, tragen wir Outdoor Klamotten mit denen man locker durch einen mehrstündigen Monsun kämen. Das ärgert mich.
Ursprung 04.10.2014
5. Weltvertraeglichkeit?
Na ja, da ist erstmal die Frage nach gesundheitlicher Vertraeglichkeit von mit Nano-Partikeln impraegnierten Stoffen. Und ist die Entsorgung und Verschleiss frei von Umweltrisiken? Diese Frage wird in dem offenbar informationslausig zusammengestelltem Artikel nicht mal erwaehnt, waere aber allererste Prioritaet fuer alle und jeden auch nur ein bisschen sich verantwortlich fuehlendem Menschen auf unserem hoffnungslos uebervoelkertem Planeten- nicht nur fuer Journalisten, sondern auch fuer jeden Kaeufer und Nutzer. Und dann ist noch potentielle Konkurrens aus China oder Bangladesch, die ohne Ruecksicht auf moegliche Gebrauchsmusterschutze die mir hoch erscheinenden derzeitigen Verkaufspreise schnellstens unterbieten werden..
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