Handwerk So sollen 10.000 junge Flüchtlinge eine Ausbildung bekommen

Jobeinstieg in drei Schritten: 10.000 Flüchtlinge unter 25 Jahren sollen in einem mehrstufigen Verfahren für eine Ausbildung im Handwerk fit gemacht werden. Der Plan wurde nun vorgestellt.

Lernwerkstatt in München: Flüchtlinge können hier Erfahrungen in Handwerksberufen sammeln
DPA

Lernwerkstatt in München: Flüchtlinge können hier Erfahrungen in Handwerksberufen sammeln


Die Hälfte der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ist unter 25 Jahre. Um sie zu integrieren, müsse man viele von ihnen zunächst einmal ausbildungsfähig machen, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Freitag in Berlin.

Zusammen mit dem Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, und dem Handwerkspräsidenten Hans Peter Wollseifer stellte Wanka das Programm vor, mit dem in den kommenden zwei Jahren bis zu 10.000 junge Flüchtlinge im Alter von bis zu 25 Jahre in eine betriebliche Handwerks-Ausbildung gebracht werden sollen. "Das ist ambitioniert", gestand BA-Chef Weise bei der Vorstellung des Vorhabens ein. Diese Zahl sei aber realistisch und erreichbar.

"Wir brauchen keine Schubkarrenschieber, wir brauchen Fachkräfte", sagte Weise. Für die Initiative stellt das BMBF in 2016 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Die dreistufige Qualifizierungsinitiative sieht vor, dass die BA zunächst eine Vorauswahl trifft, in dem sie die Qualifikationen und Sprachkenntnisse der Bewerber überprüft. Dies soll mit Interviews und Probearbeiten geschehen.

Im nächsten Schritt soll das Ministerium die Bewerber in überbetrieblichen Ausbildungsstätten weiter vorbereiten. Dazu gehörten Sprachkurse, Praktika und Orientierungshilfen. Weise sagte, es könne schwierig werden, gerade auch im Schriftlichen die notwendigen Sprachkenntnisse zu vermitteln. Besondere Aufmerksamkeit will Wanka darauf richten, auch jungen Frauen die Möglichkeit einer Ausbildung zu eröffnen.

"Fachkräfteproblem lindern"

Nach diesen Vorbereitungskursen übernimmt dann das Handwerk: Betriebe sollen demnach ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Dabei sollen nach Angaben von Wollseifer die bundesweit 550 Bildungsstätten im Handwerk helfen. Wichtig sei vor Ausbildungsantritt ein geklärter Asylstatus, sonst werde nicht eingestellt, sagte Weise.

Den Fachkräftemangel im Handwerk werde das sicher nicht lösen, sagte der Präsident des Handwerksverbandes ZDH, Wollseifer. "Aber wir können unser Fachkräfteproblem ein wenig lindern dadurch." Im Vorjahr hatten die Betriebe 17.000 offene Stellen gemeldet.

Deutschlands Mittelstand hofft nun darauf, offene Stellen mit Flüchtlingen besetzen zu können. Der Einstieg auf den Arbeitsmarkt ist jedoch nicht so einfach. Oft fehlt es an erforderlichen Sprach- und Fachkenntnissen. Verbände aus Industrie und Handwerk haben verschiedene Projekte angeschoben, um potentielle Arbeitskräfte aus dem Ausland zu qualifizieren.

asc/lgr/dpa/Reuters

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