Integration Jeder fünfte Betrieb beschäftigt Geflüchtete

Wie viele Arbeitgeber stellen Flüchtlinge an? Binnen einem guten Jahr hat sich der Anteil verdreifacht. In vielen Regionen ist das Verfahren für die Firmen einfacher geworden.

Ein Mann aus Eritrea, der in Hessen seine Ausbildung absolviert
DPA

Ein Mann aus Eritrea, der in Hessen seine Ausbildung absolviert


In den vergangen zwei Jahren hat gut jedes fünfte Unternehmen Flüchtlinge beschäftigt. Das geht aus einer Umfrage hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Der Wert betrug Ende 2015 noch sieben Prozent, er hat sich also binnen einem guten Jahr verdreifacht.

Nach wie vor überwiegt allerdings die Zahl der Unternehmen, die noch keine Erfahrungen mit Geflüchteten gemacht hat. Ihr Anteil beträgt 58 Prozent. Die restlichen 19 Prozent der Firmen gaben an, dass sie grundsätzlich keine Einsatzmöglichkeiten für Geflüchtete sehen. Das liege meist an besonderen sprachlichen Anforderungen, speziellen Qualifikationen oder "anderen branchenspezifischen Voraussetzungen".

Das Münchner Ifo-Institut und der Personaldienstleister Randstad befragten im März rund 1000 Personalverantwortliche. Dazu gehören Personalvorstände großer Konzerne ebenso wie die Chefs von Kleinunternehmen.

Die meisten sind Praktikanten

Besonders viele Geflüchtete arbeiten demnach im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel, eher wenige im Dienstleistungsbereich. Auffällig finden die Studienautoren, dass sich in der Industrie besonders viele Unternehmen grundsätzlich offen für solche Mitarbeiter zeigen, aber nicht mehr von ihnen einstellen als andere Branchen. Viele Firmen gaben dazu an, dass sie fast keine entsprechenden Bewerbungen bekämen.

Meist beschäftigen Unternehmen jeweils nur wenige Geflüchtete: Bei jedem zweiten Betrieb ist es nur ein Flüchtling, bei weiteren 42 Prozent zwischen zwei und fünf Personen.

Die größte Hürde bei der Anstellung sind die Sprachkenntnisse der Bewerber, ein unklarer Aufenthaltsstatus sowie die Dauer behördlicher Verfahren, die damit verbunden sind. Auch fällt es den Personalern oft schwer, die Qualifikation der Bewerber einzuschätzen, die einen ausländischen Abschluss haben.

Wenige Probleme mit der Vorrangprüfung

In nur acht Prozent der Fälle werden Geflüchtete als Facharbeiter eingestellt, meistens arbeiten sie als Praktikanten oder Hilfskräfte. Das liegt auch an staatlichen Anreizen: Unternehmen können die sogenannte betriebliche Einstiegsqualifizierung von der Arbeitsagentur fördern lassen. Sie ist so etwas wie ein Langzeitpraktikum, das auf eine Ausbildung vorbereiten soll.

Behördliche Beihilfen nutzen den Angaben zufolge 19 Prozent der Firmen, die geflüchtete Menschen beschäftigen. Dazu gehören auch Lohnzuschüsse oder Sprachkurse.

Die Vorrangprüfung, bei der ein Arbeitgeber nachweisen muss, dass die Anstellung eines ausländischen Mitarbeiters nicht zu Lasten einheimischer Bewerber geht, halten nur 18 Prozent der Chefs von Geflüchteten für problematisch. Darin spiegelt sich wider, dass die Prüfung nur noch in bestimmten Regionen vorausgesetzt wird.

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mamk



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